Bericht: 12.07.2013

Deepsky bei schwacher Transparenz

Ort: bay. Voralpen bei ca. 1200 Höhenmeter
Datum: Samstag 12.07.2013
Wetter: klar, schwache Transparenz, Temp. ca. +10° Celsius, 70% rF,
Ausrüstung: 16 Zoll Dobson
Okulare: 26mm, 20mm, 13mm, 9mm, 5mm und 3,5mm , TV Barlow x2
Filter: [OIII]
Kommentare: Christian mit 12 Zoll

Objekte: Saturn, M57, M13, NGC 6207, M2-9, sh2-71, NGC 6749, NGC 6888, Cirrusnebel, NGC  6574, NGC 7331, HCG 92, M31, M76, NGC 1245, M 27, Cirrusnebel.
Gegen 21:30 treffe ich auf unserem Stammplatz in den bay. Voralpen an. Christian war schon angetroffen und war flessig am aufbauen. Bis es dann richtig losgehen konnte, mussten wir noch bis weit nach 23 Uhr abwarten, denn erst dann wurde es vollständig dunkel. Gegen 22:30 vertrieben wir uns die Zeit mit Saturn. Die Cassiniteilung war mit 16 Zoll und 360x Vergrößerung sehr deutlich zu sehen.


Dämmerung im Inntal


kleine untergehende Mondsichel


Erstes Objekt der Nacht sollte wieder M 57, der Ringnebel sein. Trotz hoher Vergrößerung von 514x konnte ich den Zentralstern nicht sehen. Das Seeing lies etwas zu wünschen übrig und es mangelte auch an Transparenz, wie wir später feststellen mussten. Bei M13 konnte ich den „Propeller“ nicht finden und die visuell benachbarte Galaxie NGC 6207 –mein seit Jahren pers. Objekt zur groben Einschätzung der Himmelsgüte- zeigte sich enttäuschend dunkelgrau. Das helle Zentrum ließ sich gerade noch so erkennen.

Nächstes Objekt sollte der „Schmetterlingsnebel“ M2-9 im Schlangenträger werden. Im Übersichtsokular und bei 90x ohne  [OIII]-Filter zeigt sich bereits ein winziger kleiner länglicher und dunkelgrauer Nebelfleck. Mit zunehmender Vergrößerung verschwindet plötzlich der Nebel. Es ziehen Wolken aus Nordwesten auf!

Wir machen eine kurze Pause. Die Sterne des Großen Waagen sind vollkommen unter der Wolkendecke verschwunden und im Zenit zeigt der Stern Vega ein großes Halo. Nach einer gefühlten Ewigkeit klart es wieder auf, aber uns verlässt nicht das Gefühl, das der Himmel deutlich an Transparenz eingebüßt hat.

Nächstes Objekt sollte sh2-71 aka PK 036-01.1 sein, ein drei Bogenminuten großer Planetarischer Nebel im Sternbild Adler. Im Übersichtsokular ist der PN bereits als ovaler Nebelfleck deutlich zu erkennen. Bei 138x und [OIII]-Filter ist der Nebel nur noch schwach zu erkennen. Der Zentralstern war leider nicht zu erkennen. Bei bessere Bedingungen konnte ich dieses Objekt schon deutlich besser erkennen: Bei 200x funkelt im Zentrum des Nebels der Zentralstern. Im Zentrum des Nebels ist der Nebel deutlich lichtschwächer bzw. kaum wahrnehmbar. Ein schöner, heller und großer PN mit Zentralstern. Lohnt sich sehr!

Der benachbarte Kugelsternhaufen NGC 6749 ist nur mit indirekten Sehen schwach zu erkennen. Bei besseren Bedingungen konnte ich dieses Objekt schon deutlich besser beobachten und bei 200x ist der Kugelsternhaufen sehr deutlich zu erkennen. Er wirkt dabei rund und unaufgelöst.

Im Zenit schein der Himmel noch in Ordnung zu sein. Ich beobachte den Wolf-Rayet-Nebel NGC 6888, auch bekannt als Crescentnebel mit einem 20 mm Okular (90x, AP 4,44mm) und einen [OIII]-Filter. Die Sichel ist eindeutig zu erkennen, auch zeigen sich etliche Knoten, Verdichtungen und Filamente. Ein Paradeobjekt des nördlichen Himmels bei dunklen Landhimmel.

Der benachbarte Cirrusnebel ist auch sehr deutlich zu erkennen. Trotz doppelter Öffnung im vgl. zur Nacht vom 6.7. nicht wesentlich spektakulär.

Im Zenit suche ich nach dem Katzenaugennebel NGC 6543 im Sternbild Drachen. Bei 360x wirkt der Nebel immer noch sehr hell, der Zentralstern ist leicht zu erkennen und die doppelte Schalenstruktur ist auch gut zu erkennen. Interessant empfand ich die visuellen Eindruck im 20mm Okular (90x, AP 4,44mm). Der Nebel zeigt sich mit einen leicht türkisen Farbton.

Ein Blick zu unserer Nachbargalaxie M31 (Andromedagalaxie) zeigt sich wie immer majestätisch, dank ihrer schier Größe, Helligkeit und ihren beiden dunklen Staubbändern.

Der Doppelsternhaufen h&chi besticht durch seine zahlreichen hellen und blauen Sterne, die sich kompakt und vom Hintergrund deutlich abgegrenzt zeigen.

In der Zwischenzeit hat sich das Sternbild Pegasus empor geschoben. NGC 7331 und die benachbarte Hicksongruppe HCG92 werden ins Visier genommen. Bei 360x sind bei HCG92 vier Galaxien von fünf sicher zu sehen. Die schwache Transparenz und das mittlerweile bescheidene Seeing erschweren ungemein diesen Knäul an Galaxien visuell zu entwirren.  

Bei NGC 7331 zeigt sich nur eine der vier Begleitgalaxien sofort. Die anderen vier müssen mit einer Aufsuchkarte mühselig identifiziert werden. Das geht unter besseren Bedingungen deutlich einfacher, sie springen einem förmlich ins Auge.  NGC 7331 macht neugierig im westlichen Teil, denn ich meine ein Staubband zu erkennen. Das Zentrum der Galaxie zeigt sich als elongierte Aufhellung.

Mittlerweile ist es schon 2 Uhr morgens und die letzte Beobachtungsstunde läutet vor der Morgendämmerung ein.

Ich versuche mich an die irreguläre Zwergalaxie Arp 2, aka UGC 10310. Bei 300x erkenne ich einen ovalen dunkelgrauen Nebelfleck mit zwei kleinen Aufhellungen in seinen Inneren. Eine der Aufhellungen scheint mir nach eine zentrale Aufhellung der Galaxie die zweite Aufhellung könnte ein Feldstern sein und befindet sich am Rande des Nebels, fast außerhalb. Die Galaxie wirkt insgesamt unregelmäßig hell, fast fleckig und relativ lichtschwach.



Mittlerweile steht das Sternbild Perseus recht hoch über dem Horizont. Christian und ich nehmen uns M76 vor, auch bekannt als der kleine Hantelnebel. Mit [OIII]-Filter und bei 138x sind die Ohren im westen und osten deutlich zu sehen. Der südliche Teil des Nebels ist deutlich heller und mit einer hellen Verdichtung versehen. Geniales Objekt.

Als nächstes wollte ich NGC 1245 beobachten, ein spektakulärer Sternhaufen im Sternbild Perseus. Leider verblasste dieser schon im Okular aufgrund der bevorstehenden Morgendämmerung. Schade. Ich schwenke das Teleskop nach Westen und genieße Objekte wie M27, der große Hantelnebel oder Cirrusnebel bevor wir um halb vier mit dem einpacken beginnen. Trotz widriger Umstände war es wieder schön unter Sternhimmel zu verweilen und galaktische sowie irdische bekannte zu treffen.


Einpacken bei Dämmerung


Morgendämmerung über Rosenheim


Milchstrasse im Süden


Cassiopeia im Nordosten


Vorbereitungen zur bevorstehenden Nacht


Vorbereitungen zur bevorstehenden Nacht

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