Bericht: 14.11.2012

Eine Herbstnacht in den bayrischen Voralpen

Ort: bay. Voralpen bei ca. 1200 Höhenmetern
Datum: Mittwoch 14.11.2012, 21:00 bis 0:30
Wetter: klar, gute Transparenz, Seeing mäßig, Temp. +5° C., 50%rF
Grenzgröße: +6m,5
Seeing: meistens 3 auf der Kafalis-Skala,
Ausrüstung: 8 Zoll GSO Dobson
Kommentare: mit dabei Uwe 27“, Frank 20“, Friedl 16“, Chris W. mit Astrofoto-Equipment

Objekte:
IC 63 / IC 59 zwei Gasnebel im Sternbild Cas (siehe is84, S.47 ff)
M33, Triangulumgalaxie,Galaxie im Sternbild Tri
M77, helle Messier-Galaxie im Sternbild Cetus
IC 1848, ein großer und heller Gasnebel im Sternbild Per (OdS, is84)
NGC 1245, heller und kompakter Sternhaufen im Sternbild Per (OdS, is84)


Wenn im Herbst oder im Winter sich eine klare und zumeist kalte Nacht ankündigt, dann tritt immer wieder derselbe innere Kampf in einem selbst in Erscheinung: rausfahren und vielleicht eine top Beobachtungsnacht erleben oder doch daheim in der warmen Stube bleiben –vielleicht ist ja die Nacht doch nicht so top. Mein größter Widersacher in diesem Dilemma ist die Müdigkeit, denn dann wird es schwer den inneren Schweinehund zu überstimmen. Ich entscheide mich rauszufahren. In großer Hektik wird das Beobachtungsequipment zusammengesucht und das Auto zügig beladen. Ich entscheide mich in diese Nacht für das 8 Zoll Dobson Teleskop von GSO. Das Teleskop ist in wenigen Minuten auf- und aufgebaut. Das spart Zeit,  immerhin ist morgen ein Werktag. Neben dem ganzen Zubehör samt Okularen, Beobachtungstuhl, Sternkarten und Winterklamotten darf bei mir ein anregender schwarzer Tee und etwas zum knabbern niemals fehlen. Hunger, Durst, Müdigkeit und Kälte sind für mich die größten Feinde während einer Beobachtungsnacht. Diese gilt es stets in Schach zu halten. Beim beladen des Fahrzeuges wird im Kopf immer wieder alles durchgegangen. Ja nichts vergessen, insbesondere so triviale Sachen wie Jacke, Mütze oder Handschuhe. Nach knapp 30 Minuten ist es endlich so weit und ich fahre los. Bereits nach wenigen Minuten Autofahrt lasse ich den Nebel hinter bzw. unter mir und es präsentiert sich vor mir der Nachthimmel mit zahlreichen Sternen. Im Osten zeigt sich als heller Lichtpunkt der Planet Jupiter. Das Sternbild Fuhrmann ist im Sternengewimmel kaum zu erkennen und der Horizont zeigt sich so dunkel wie selten; das wird eine gute Beobachtungsnacht. Am Platz sind schon mehrere Beobachter eingetroffen. Nach einem kurzen Plausch wird das Teleskop aufgebaut, justiert und die erste Objektwahl getroffen. In dieser Nacht zwei Gasnebel im Sternbild Kassiopeia: IC 59 und IC 63.  Die beiden Gasnebel habe ich aus einem Artikel in der is84 entdeckt. Die Objektwahl ist eine kleine Herausforderung für meine 8 Zoll Öffnung, aber dafür leicht zu finden, da nur wenige Bogenminuten des 2m,4 hellen Stern γ-Cas (Tsih) entfernt. Im ersten Augenblick sehe ich vom Nebel im Übersichtsokular herzlich wenig. Nach wenigen Minuten kann ich an der entsprechenden Stelle  einen diffusen Nebelfleck identifizieren. Unweit davon einen weiteren lichtschwachen Nebelfleck. Ich überprüfe die Objekte anhand einer detaillierten Sternkarte und bin mir sicher die beiden Nebel getroffen zu haben. γ-Cas sollte idealerweise aus dem Gesichtsfeld verbannt werden. IC 59 ist deutlich größer als IC 63. Nach jedem Griff zur Rotlichtlampe dauert es einige Minuten bis sich die lichtschwachen Nebel wieder zeigen. Aus diesem Grund verzichte ich auf eine Zeichnung. Ein [OIII]-oder UHC-Filter bringen hier wenig zur Kontrastverbesserung. Mein 20mm Nagler Okular erweist sich als eine optimale Vergrößerung (V= 60, AP=3,3).


(IC 63 und IC 59, Copyright STScI Digitized Sky Survey)

Die Nacht zeigt sich mit einer ausgezeichneten Transparenz. Ich erkenne die Galaxie Messier 33 im Sternbild Dreieck (Tri) mit bloßem Auge als runder dunkelgrauer Nebelfleck. Im Teleskop ist die Galaxie mit dem 20mm Okular bereits beim ersten Blick mit zahlreichen Details versehen. Zwei Spiralarme sind leicht zu erkennen und mehrere HII-Regionen fallen einem direkt ins Auge.

Die außergewöhnlich gute Nacht erinnert mich an eine Beobachtungsnacht auf dem Roque de Los Muchachos auf der Insel La Palma. Vor etwa genau einem Jahr hatte ich auf dem Roque mit 12 Zoll Öffnung eine für mich bemerkenswerte Beobachtung der Galaxie Messier 77 notiert. Ich konnte bei M77  mehrere Spiralarme beobachten. Diese Beobachtung wollte ich noch einmal nachvollziehen. Das Ergebnis mit 8 Zoll Öffnung habe ich versucht in folgender Zeichnung zusammenzufassen:



M 77 mit 8 Zoll, bei guten Seeing, guter Transparenz, fst mind. 6m,5, im Zenit deutlich mehr.
Vergrößerung 130× bis170×.



Die Galaxie M 77 kann ich mit einem 8x30 Fernglas als ein runder und hellgrauer Nebelfleck erkennen. Der Fleck ist im seinem Inneren deutlich heller als Außen.

In der is84 wird der Emissionsnebel IC 1848 als Objekt der Saison (OdS)  vorgestellt. Zur sicheren Beobachtung muss ich das Nagler 26mm Okular (1,0 Kg) auspacken, denn der Gasnebel ist dermaßen ausgedehnt, dass dieser bei einem Gesichtsfeld von 1° regelrecht übersehen wird bzw. untergeht. Hat man den Nebel einmal identifiziert, lassen sich einige Details analog dem Artikel in der is nachvollziehen. Der Gasnebel ist recht  langgezogen (>2°) und nahezu rechteckig. Er ist ggü. dem Himmelshintergrund deutlich heller und ist durch scharfe Kanten relativ einfach abzugrenzen. In seinem inneren sind mehre helle Feldsterne zu erkennen, einige davon ergeben ein Muster. Die Feldsterne durchziehen den Nebel in fast seiner ganzen Längsachse. Im Okular schimmert der Nebel über die komplette Größe mit diversen Helligkeiten. In der Mitte des Nebels -an seiner Nordkante- ist eine bemerkenswerte dunkle Einbuchtung zu erkennen die vom aussehen ein wenig dem Dunkelnebel B33 (Pferdekopfnebel) erinnert. Ein UHC-Filter verbessert ein wenig den Kontrast.


(IC 1848, Gesichtsfeld ca. 3°, Copyright STScI Digitized Sky Survey)

Als letztes Objekt habe ich den OH NGC 1245 beobachtet. Der Sternhaufen ist bereits im 8x30 Fernglas von Uwe als kleiner dunkelgrauer und rundlicher Nebelfleck zu erkennen. Mit 8 Zoll Öffnung wirkt der Sternhaufen dicht gedrängt mit Sternen und wirkt sehr kompakt und ist im Übersichtsokular (60× , AP 3,3mm) nicht zu übersehen. Mit zunehmender Vergrößerung läßt sich der Sternhaufen in zahlreiche Einzelsterne auflösen. Lohnt sich sehr.



(NGC 1245, Gesichtsfeld ca. 3°, Copyright STScI Digitized Sky Survey)



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