Bericht: 17-20.08.2012

Drei Nächte in den Alpen (Bielerhöhe am Silvretta-Stausee)

Ort: Bielerhöhe am Silvretta Stausee bei 2030m
Datum: Freitag 17.08. bis Montag 20.08.2012
Wetter: durchgehend klar, leichter Wind, rF 50-80%, Temp. +12 bis +15°

Seeing: erste Nacht bis 500x, zweite Nacht bis 360x, dritte Nacht bis 300x
meistens 2-3 auf der Kafalis-Skala

Grenzgröße:
HIP 93189, 6m,8 mit direkten Sehen zu erkennen

Ausrüstung: 16 Zoll Dobson, 15x70 Fernglas TS-Marine, 10x50 Sucher
Kommentar: zeitweise 20 bis 30 Teleskope aufgebaut

Objekte der Nächte: : u.a. Mi2-9, Abell70, sh2-91, NGC 7380 mit sh2-148, NGC 5714, Hickson 87, Abell75, sh2-119, sh2-132, NGC 6520, B86, Djorg 2, sh2-71, Abell84 uvm.
Es waren wieder Beobachtungsnächte der Spitzenklasse auf einem der noch wenigen existenten und erreichbaren dunklen Orte in Zentraleuropa. Die Bedingungen waren ideal: Neumond, Sommer, Wettervorhersage mit klaren Nächte und dazu ein Wochenende. Es kam dann nicht überraschend, das fast ein kleiner Pilgerstrom an Hobby-Astronomen zur Bielerhöhe am Silvretta-Staussee stattfand. Trotz "Massenauflauf" in den ersten beiden Nächten verlief alles problemlos und stressfrei. Die dritte und letzte Nacht mit nur noch 10-15 Hobby-Astronomen war dann schon fast ein kleiner intimer Kreis. Trotz der zahlreichen Anwesenden und der vielen geführten Gespräche blieb dennoch viel Zeit zum beobachten übrig. Als unbegründet erwies sich meine Sorge, dass durch die zahlreichen Spechtler man in einer Rot- und Weisslichtorgie untergehen würde. In den drei Beobachtungsnächte waren keine nennenswerte Störungen durch Lichtquellen der circumjacenten Beobachter zu verzeichnen. Einziger Wermutstropfen: der rege Verkehr auf dem Parkplatz in der ersten Nacht verursacht durch einige Wohnmobile. Das legte sich zum Glück gegen Mitternacht. Die Bedingungen in diesen drei Nächten waren recht unterschiedlich. Die erste Nacht verlief mit einer guten Transparenz und einem guten Seeing recht ordentlich. Die zweite Nacht -die beste der drei- stach mit einer sehr guten Transparenz heraus. Das Seeing konnte dabei leider nicht immer überzeugen. Die dritte Nacht startete stattdessen recht gut in Sachen Transprenz, baute aber im Verlauf der Nacht stark ab. Um zwei Uhr morgens schätzten wir die Grenzgröße nur noch auf "magere" 6m,1. Das Seeing war in der letzten Nach eher schwach. Nachfolgend kann man sich einen Eindruck der drei Nächte verschaffen.



Die erste Nacht:
Beginn der astronomischen Dämmerung ist ca. 22 Uhr. Ab diesem Zeitpunkt kehrt auf dem Platz allmählich Ruhe ein. Jeder ist mehr oder weniger mit seinem Gerät beschäftigt. Nicht wirklich verwunderlich bei solch einen dunklen und transparenten Himmel. Die Nacht beginnt etwas feucht mit 70% rF aber mit angenehme +12° Celsius. Ein leichter Wind aus Nordost sorgt für das nervige und unerwünschte Umblättern der Uranometria Seiten. Seeing ist bis zu einer Vergrößerung von 500x (AP=0,7 mm) gut. In der zweiten Nachthälfte schwächelt das Seeing ein wenig, dafür wird die Luft trockener. Einige neugierige Zuschauer ziehen bis Mitternacht noch ihre Runden durch den Teleskopwald. Man zeigt gerne den neugierigen Camper Vorzeigeobjekte wie den Kugelsternhaufen M13, den Hantelnebel M27, den riesigen Kugelsternhaufen M22, den Ringnebel M57 oder die helle Nebel in der Milchstraße wie Schwannebel, Lagunennebel oder die "Knochenhand" mit "Sturmvogel" im Cirrusnebel-Komplex im Sternbild Schwan.


Blick Richtung Süden

In der Dämmerung macht mich ein neugieriger Camper mit einer Frage auf etwas Aufmerksam: "Gibt es heute im Süden etwas besonderes?" und zeigt auf die Teleskope. Zu Beginn verstehe ich seine Frage nicht so recht, aber dann muss ich selbst staunen, fast alle Teleskope zeigen in der Dämmerung Richtung Süden. Was für ein Zufall ;-)

In der ersten Nachthälfte bin ich einige Stunden mit dem 15x70 Fernglas in der Milchstrasse unterwegs und beobachte Objekte wie den Kugelsternhaufen M22 -ein echter knaller, selbst im Fernglas riesig-, M28 (Kugelsternhaufen), M8 (Lagnunennebel), M20 (Trifidnebel), M21 (Offener Sternhaufen) uvm. Die zahlreichen hellen Messier-Objekte im Sternbild Schütze sind im Fernglas einfach nur bombastisch! Dazwischen immer wieder die Kugelsternhaufen des NGC-Katalogs, die sich als kleine rundliche Nebelflecke zeigen. Ich bin begeistert wie viel Deepsky mit einem Fernglas möglich ist. Ich freue mich riesig hieroben zu sein!

Als ausgezeichneten Tipp erwies sich der Vorschlag von Tobi S. das prominente Duo bestehend aus den Offenen Sternhaufen (NGC 6939) und der Galaxie (NGC 6946) im Sternbild Cepheus zu beobachten. Beide Objekte befinden sich nahezu im Zenit und sind im 15x70 Fernglas als helle rundliche Nebelflecke eindeutig und kontrastreich im Gesichtsfeld zu erkennen. Geil! Der Sternhaufen zeigt sich ein wenig heller und größer als die Galaxie. Mein Dank gilt an Tobi für diesen hervorragenden Tipp. (In der Interstellarum Nr. 83 gibt es hierzu u.a. auch einen lesenswerten Artikel von Reiner V.) Später kann ich im Fernglas den Helixnebel (NGC 7293) mit Leichtigkeit als großer runder Nebelfleck erkennen! Der „benachbarte“ Kugelsternhaufen M 30 zeigt sich im Größenvergleich zum Helixnebel winzig!

Vor lauter Begeisterung vergesse ich mit dem Fernglas die markantesten Dunkelnebel in der hellen Milchstraße zu beobachten. Das war das eigentliche Ziel des Fernglases. Daraus wird in dieser Nacht nichts mehr.

Wieder im Besitz meines 16 Zöllers starte ich mit meiner Beobachtungsliste. Eine grobe Grenzgrößenschätzung zur fortgeschrittenen Nacht im Sternbild Leier zeigt mit direkten Sehen den 6m,8 hellen Stern HIP 93185. Die Transparenz ist in dieser Nacht recht ordentlich.

Mi2-9, auch bekannt als „Minkowski’s Butterfly“, ist ein bipolarer planetarischer Nebel. Im Okular zeigt sich ab 300x eine zentrale Aufhellung mit zwei gegenüberliegende und langgezogene Nebelflecke. In der Nähe befinden sich ausreichend viele Telekope, sodass man immer wieder jemand findet, mit dem man den visuellen Eindruck teilen kann. Der "Schmetterling" im 22 Zöller von Reiner ist erstklassig!

Abell 70, ein PN im Sternbild Adler, zeigt sich bereits ohne [OIII]-Filter als kleiner ringförmiger Nebelfleck mit einer Aufhellung im nördlichen Teil des Ringes. Bei 300x scheint der Nebelfleck im Norden sich zu verlängern und tangiert nun den Nebelring. Ab diesem Zeitpunkt bin ich mir sicher die Galaxie gesehen zu haben. Ein [OIII]-Filter bringt ein wenig mehr Kontrast, der Ringcharakter wird augenscheinlich, der Knoten im Norden (die Galaxie) verblasst dabei. In der folgenden Nacht kann ich die Beobachtung im 24 Zöller von Roland H. noch einmal sicher nachvollziehen.

Abell 70
(c) STScI Digitized Sky Survey


-sh2-91 bzw. der SNR-Nebelkomplex um Phi-Cygni. Gewappnet mit großer AP und [OIII]-Filter versuche ich die hellsten Nebelfetzen anhand folgender Karte visuell zu erreichen

© Reiner Vogel, www.reinervogel.net

Ich kann ohne Schwierigkeiten die Teile 01 und 02 erkennen. Bei 04 tue ich mich etwas schwer, und kann mit indirekten Sehen nur den hellsten Teil als eine lange gekrümmte Linie verfolgen. Im Norden kann ich mit indirekten Sehen mit großer Wahrscheinlichkeit die Teile 31 bis 34 erkennen, wobei diese schon deutlich lichtschwächer als der südliche Teil um Phi-Cygni sind. Die Filamente im Osten verschiebe ich auf eine andere Nacht. Ich hab noch soviele andere Objekte die ich in dieser Nacht beobachten möchte.

Der Offene Sternhaufen NGC 7380 mit Nebelkomplex sh2-148. Der Nebel war mir bereits im November 2011 mit 8 Zoll Öffnung aufgefallen. Mit 16 Zoll Öffnung und unter einem transparenten Himmel zeigt sich bei 90x ein V-förmiger Sternhaufen. Der Nebel ist im Hintergrund als ein leichtes Glühen zu erkennen. Mit [OIII]-Filter ist der Nebel kontrastreich zu sehen. Die hellsten Sterne des offenen Sternhaufens sind trotz Filter weiterhin zu erkennen. Der Haufencharakter geht trotz Filter keineswegs verloren. Der Nebel zeigt sich weniger Komplex als die DSS/POSS-Aufnahmen vermuten lassen. Der etwas lichtschwächere und nach Südwesten verlaufende Teil des Nebels läßt sich jedoch noch einfach erkennen und verfolgen. Insgesamt ein lohnendes Objekt!

NGC 7380 mit sh2-148
(c) STScI Digitized Sky Survey


Eher unspektakulär aber dafür kurioses aus dem NGC-Katalog sind die Galaxien um NGC 3. Diese Galaxiengruppe markiert den Anfang und das Ende des NGC-Katalogs. NGC 3 ist die hellste von mehreren Galaxien und zeigt sich leicht oval mit schwacher Aufhellung im Zentrum. Bei 200x zeigen sich im selben Gesichtsfeld weitere Galaxien wie NGC 7834, 7835, 7838 und NGC 7840.

Gruppe von Galaxien um NGC 3
(c) STScI Digitized Sky Survey


Während der Nacht konnte ich immer wieder bei meinen direkten Nachbarn Reiner, Tobi, Hajü und Christian interessanten Objekten mitbeobachten. Bei Reiner hatte ich sogar die Gelegenheit Objekte zu beobachten, die bislang nur wenige Beobachter visuell zu Gesicht bekommen haben. Leider konnte ich mir die "exotischen" Namen der Objekte nicht merken und ich konnte auch nicht immer sicher erkennen, was Reiner mir im Okular zeigen wollte -für "faint fuzzies" ist dies aber nicht unüblich.

Ab 3 Uhr morgens ist nur noch Genussspechteln angesagt. Unter diesem phänomenalen Nachthimmel erleuchten Objekte wie die Andromedagalaxie M 31, die Triangulumgalaxie M 33 oder der Cirrusnebel in neuem Licht und zeigen Details, die man unter einen normalen Landhimmel nicht so ohne weiteres Beobachten kann. Auch weniger lichtstarke Objekte haben ihren Reitz wie Jones 1 -mit OIII-Filter 69x sehr einfach ein Nebel als "C" zu erkenne. Bei Stephan's Quintett (HCG 92) ist die sechste Komponente NGC 7320C dank einer guten Aufsuchkarte und der guten Himmelsqualität mit Leichtigkeit zu erkennen. Zur späten Stunde kann ich den Zentralstern im Ringnebel bei 500x als kleiner Nadelfeiner Stern erkennen und die visuell benachbarte Galaxie IC 1296 ist als winziger diffuser Nebelfleck zu erkennen. Mit indirekten Sehen blitzt die Galaxie IC 1296 sogar mehrmals als kleines ovales Scheibchen auf statt wie üblich als stellare Aufhellung. In der letzten Beobachtungsstunde  rattern die Showpieces des Winterhimmels nur noch so durch das Okular. Angefangen bei prominente Sternhaufen wie M36, M37 und M38 im Fuhrmann, hinein in Messier 1 und weiter zum Merope Nebel in den Plejaden. Gegen vier Uhr morgens fange ich noch M 42 (Orionnebel) mit dem Fernglas ab -im Fernglas ein heller und ausgedehnter Nebel. Und weil ich den Winter nicht abwarten kann, wird im Fernglas noch M 35 samt NGC 2158 im Sternbild Zwillinge beobachtet. Grandios! Insgesamt eine exzellente Nacht in bester Gesellschaft! Mit einem Durstlöscher lassen wir noch die Morgendämmerung auf uns einwirken. Schön war’s!




2 Nacht:
Hajü zählt in dieser Nacht mind. 30 Teleskope auf dem Camper-Parkplatz der Bielerhöhe. Analog der vorangegangenen Nacht geht es wieder sehr diszipliniert zu. Es sind keine nennenswerte Lichtquellen zu verzeichnen. Die Nacht beginnt wieder mit einem sehr transparenten Himmel. Die rel. Luftfeuchte liegt bei 50% und die Temp. bei angenehme +15°. Das Seeing ist leider nicht so gut. Bei 300x erscheinen die Sterne etwas aufgeblasen. Ein schwacher aber konstanter Wind stört ein wenig. Während der Nacht kann ich im Sternbild Leier den 6m,8 hellen Stern HIP93185 problemlos direkt sehen.


Meine direkte Nachbarn in den bevorstehenden Nächte: Hajü M., Reiner V., Harald F., Tobi S. und weitere

Startpunkt meine Tour ist wieder die Milchstraße im Sternbild Schütze.

Der offene Sternhaufen M23 zeigt sich bereits im 8x50 Sucherfernrohr als ein runder grauer Nebelfleck mit einem hellen Feldstern im Nordosten. Mit 16 Zoll Öffnung und 90x zeigen sich in vielen Sternketten zahlreiche helle Mitglieder . Die Sterne sind relativ locker und gleichmäßig verteilt, trotzdem wirkt der Sternhaufen relativ kompakt und hebt sich gut vom sternreichen Hintergrund ab. Eine gerade Sternkette bricht aus dem Sternhaufen im Nordosten heraus und endet bei einem hellen gelben Stern. Bei zunehmender Vergrößerung verliert sich der Haufencharakter im Gesichtsfeld. Einer der schönsten Sternhaufen am Nordhimmel, lohnt sich sehr!


M25 ein heller offener Sternhaufen in der Milchstrasse. M25 ist mit unbewaffneten Auge als diffuser Nebelfleck zu erkennen. Im 8x50 Sucher ist ein rundlicher granulierter Nebelfleck zu erkennen. Vier weis-gelbe Sterne stechen im Sternhaufen heraus. Mit 16 Zoll Öffnung und 90x sind zahlreiche helle Einzelsterne zu erkennen, davon mehrere weiss-gelbe und blaue.

NGC 5714, eine lichtschwache und dünne superthin Galaxie im Sternbild Bärenhüter. Zwei helle Feldsterne flankieren die Galaxie nördlich und östlich des Zentrums. Mit indirekten Sehen blitzt im Zentrum ein helle längliche Aufhellung entlang des Zentrums auf. Nördlich davon täuscht eine schwache Abdunkelung ein Staubband vor. Im 24 Zöller von Roland H. ist die Galaxie direkt und einfach zu erkennen. Mit 16 Zoll Öffnung erweist sich eine AP von 2 bis 1,5 mm als optimal.

NGC 5714
(c) STScI Digitized Sky Survey


Hickson 87, eine eher lichtschwache Galaxiengruppe im Sternbild Steinbock (Cap). Bei einer dekl. von ca. -19° eher etwas für Standorte mit guter Horizontsicht. Die hellste Komponente hat eine Helligkeit von 14m8, alle andere jenseits von 15m. Ich bin positiv überrascht die Gruppe bereits im Übersichtsokular zu erkennen. Bei 90x ist ein undefinierbarer Nebelknäuel zu erkennen -üblich für helle Galaxiengruppen des Hicksonkatalogs. Ab 200x blitzt die hellste Komponente als kleine edge-on Galaxie immer wieder auf. Bei 360x kann ich die edge-on Galaxie direkt sehen und ich kann zwei weitere diffuse Nebelflecke indirekt halten. Insgesamt kann ich von dieser eher lichtschwachen Gruppe sicher drei Komponenten erkennen.

HCG 87
(c) STScI Digitized Sky Survey


NGC 7023, Irisnebel, der Nebel steht nahezu im Zenit. Es zeigt sich ein gelber 7m heller Stern umrundet durch einen hellen Nebel. Um den Nebel herum ist ein weiterer lichtschwacher Nebelschleier zu erkennen, es sind zudem dunkle Einbuchtungen östlich und westlich vom Nebelschleier zu erkennen.

NGC 7023
(c) STScI Digitized Sky Survey


NGC 7076 / Abell 75, es zeigt sich ein leicht ovaler Nebel mit einem Zentralstern in seiner Mitte. Der Nebel reagiert stark auf einen [OIII]-Filter. Schöner und heller PN des Abell-Katalogs. Lohnt sich sehr!

Abell 75
(c) STScI Digitized Sky Survey


Sh2-119 ein Tipp von Reiner V.. Es handelt sich hierbei um ein Nebelgebiet in der Nähe des 5m hellen Sterns 68 Cygni. Mit großer AP und Hß-Filter ist der hellste Teil des Nebels im Osten sehr einfach zu erkennen und erstreckt sich leicht gebogen nach Süden hin um den 5m hellen 68 Cygni Sterns. In dieser Nacht läßt sich der Bogen beinahe komplett über mehrere Grad verfolgen. Im SO klafft eine kleine Lücke. Der hellste Teil des Nebels im Osten sollte m.E. auch mit kleinerem Gerät und unter weniger Bedingungen visuell erreichbar sein. Ein Hß-Filter bringt einen deutlichen Kontrastgewinn mit sich. 2° westlich erstreckt sich der prominente Nordamerikanebel.

Sh2-132 ein weiter Tipp von Reiner V. Mit großer AP und [OIII]-Filter läßt sich eine helle Nebelblase erkennen. Von der Nebelblase fortgehend ist eine lichtschwache Sichel zu erkennen.

sh2-132
(c) STScI Digitized Sky Survey



Für den Cirrusnebel-Komplex hatte ich mir anhand einer Detailkarte einiges vorgenommen.
Die mit Buchstaben gekennzeichneten Bereiche waren problemlos zu erkennen. Die nicht gekennzeichneten lichtschwachen Filamente waren nicht immer sicher zu erkennen. Manchmal gaukelt der Nebelfilter im Zusammenhang mit engen Sterngruppen etwas nebliges vor. Insgesamt eine phänomenale Beobachtung von Nebelbereiche jenseits der bekannten "Knochenhand" und "Sturmvogel".

© Astronomy Mall, Adventures in Deepsky

Gegen zwei Uhr morgen nehme ich mir den Deepsky Reiseatlas (DSRA) vor und geniesse horizontnahe Deepsky-Objekte wie die Sculptorgalaxie (NGC 253), Skull-Nebula (NGC 246)  oder den eher unscheinbaren Kugelsternhaufen NGC 288, -hier eine echte Wucht! Die Galaxie NGC 613 zeigt sich als heller ovaler Nebel mit schwachen Ansätze von Spiralarme im Osten und Westen. Der heller Stern Fomalhaut im Sternbild PsA bringt mich auf die Idee die Galaxie NGC 55 und den PN IC 5148 zu beobachten. Beide Objekte sind relativ groß und ausreichend lichtstark. Ich muss leider festellen, dass der große und kleine Piz Buin im Weg stehen. Gegen drei Uhr morgens beende ich etwas ausgelaugt diese hervorragende Beobachtungsnacht. Selbst drei Staubbänder in der Andromedagalaxie können mich nicht mehr aufrappeln. Die Luft ist bei mir einfach raus. ich wohne noch der gewohnten Runde mit dem üblichen Durstlöscher bei. Es war wieder eine sehr schöne Beobachtungsnacht.


Dritte Nacht:
Der Tag war schon sensationell begonnen. Michael K. zeigt uns auf der Wanderung zum Radsee die helle Venus am Taghimmel! Für mich einfach nur grandios. Ich hatte bislang soetwas noch nie beobachtet! Die dritte und letzte Nacht verbringen wir in "kleiner" Runde. Die meisten sind am Sonntag schon abgereist. Damit wir nicht ganz "allein" sind, gesellen sich die beiden Astrofotografen Michael und Stefan zu uns am Camper-Parkplatz. Es sind schätzungsweise insgesamt 10 bis 15 Beobachter am Platz. Die Nacht beginnt mit einer sehr guten Transparenz aber mit nur mittelprächtigen Seeing. Die Transparenz und die Grenzgröße bauen leider während der Nacht stetig ab. Gegen zwei Uhr morgens haben wir nur noch grob eine Grenzgröße von 6m,1. Startpunkt meiner Erkundungstour ist wieder das Sternbild Schütze bei sehr guter Horizontsicht, geringe Luftfeuchte und noch sehr guten Transparenz.


Teleskoppark in der Nacht zum Montag,...


...der Parkplatz wirkt wie leergefegt.

NGC 6520 / B86 / Kugelsternhaufen Djorgowski 2 (aka ESO 456-SC38)
Bei guter Horizontsicht und Transparenz versuche ich mich an diesem dreier Gespann bei einer Dekl. von ca. -27°.
NGC 6520 zeigt sich als heller ovaler und kompakter Sternhaufen mit einigen hellen Mitglieder. Der Sternhaufen hebt sich sehr gut vom Hintergrund ab. Den besten visuellen Eindruck erhalte ich mit 90x. Wenige Bogenminuten westlich zeigt sich wenig größer der Dunkelnebel B86. Auf den ersten Blick wirkt der Nebel etwas kontrastarm, aber nach wenigen Minuten sticht der Dunkelnebel aus der umliegenden Umgebung heraus. Phänomenal! Zusammen mit dem Sternhaufen ergibt dies einen schönen Anblick. Bei 90x sind beide im selben Gesichtsfeld. Etwas weiter weg im Osten zeigt sich der lichtschwache Kugelsternhaufen Djorgkowski 2, aka ESO456-SC38. Der Kugelsternhaufen wurde von seinem Namensgeber um 1986 auf einer Aufnahme des auf dem Cerro Tololo aufgestellte 1,5m CTIO-Teleskop entdeckt. Der Kugelsternhaufen zeigt sich als lichtschwacher und rundlicher Nebelfleck innerhalb eines Rechteckes von vier 10m bis 11m hellen Sterne. Auf Katalogen wird der Sternhaufen mit einer Größe von ca. 10’ gekennzeichnet, visuell ist der Kugelsternhaufen deutlich kleiner als der benachbarte 6’ Große Sternhaufen NGC 6520 zu beobachten. Der Kugelsternhaufen wirkt visuell im 16“ Teleskop eher unspektakulär, findet aber seinen Reiz in seinem exotischen Namen und seiner relativ jungen Entdeckung. Visuell deutlich interessanter, weil heller, ist der etwas mehr als 0,5° östlich von NGC 6520 gelegene Kugelsternhaufen NGC 6540.

NGC 6520/B86/Djorg 2
(c) STScI Digitized Sky Survey


Sh2-71, ein interessanter planetarischer Nebel der sich als langgezogene, fast rechteckige Nebelblase zeigt. Im Zentrum ist der Zentralstern zu erkennen. Ein [OIII]-Filter verbessert den Kontrast. In dieser Nacht wirkt der PN nicht so kontrastreich wie vor einigen Wochen am selben Beobachtungsort.

sh2-71
(c) STScI Digitized Sky Survey


UGC 10310 / Arp 2, eine gestörte Galaxie im Sternbild Hercules
Es zeigt sich ein dunkelgrauer langgezogener Nebelfleck mit einer unregelmäßigen Aufhellung in seinem inneren. Eher unspektakläres Objekt in dieser Beobachtungsnacht.

UGC 10310
(c) STScI Digitized Sky Survey


NGC 6781 ist ein planetarischer Nebel im Sternbild Aql und zeigt sich im Übersichtsokular als helles Scheibchen. Bei 300x ist ein runder Nebelfleck mit einer deutlichen Aufhellung am südlichen Rand zu sehen. Vom südlichen Rand her zur Mitte hin verblasst ein wenig der Nebel. Im Inneren wirkt der Nebel nicht gleichmäßig hell. Die nördliche Hälfte ist etwas weniger hell bzw. blasser als die südliche Hälfte. Der äußere Rand wirkt relativ scharf abgegrenzt. Einen Zentralstern konnte ich bei 300x nicht erkennen.

NGC 6781
(c) STScI Digitized Sky Survey


NGC 6210 auch bekannt als „Turtle Nebula“ wirkt oval und gleißend hell. Bei 514x und bei mäßigen Seeing kann ich nur zwei der insgesamt vier Jets am Rand des Nebels zeitweise sehen. Der erste und hellste Jet zeigt sich im norden und ist nur zeitweise und indirekt Wahrnehmbar. Der zweite Jet zeigt sich im Süden und ist höchstens nur zu erahnen. Die anderen beiden Jets vermute ich an den gegenüberliegenden Seiten, sodass der PN leicht eckig statt oval wirkt. Das Zentrum zeigt sich gleißend hell und verschmiert. Einen Zentralstern kann ich nicht sehen.

NGC 6210
(c) STScI Digitized Sky Survey


NGC 6905 zeigt sich bereits im Übersichtsokular als rundliches Nebelfleckchen. Bei 514x zeigt sich ein grauer und leicht ovaler Nebel. Im Osten wirkt der Nebel deutlich heller. Die Aufhellung wirkt fast wie ein Keil in den PN. Im Zentrum ist der Zentralstern zu erkennen. Im Norden und Süden ist ein leicht geschwungener dunkler Streifen zu erkennen.




Abell 84 ist ein PN im Sternbild Kassiopeia und gehört zu den eher helleren Objekten des Abell-Katalogs. Im Übersichtsokular ist Abell 84 bereits ohne Filter als kleines und zartes Nebelfleckchen in der nähe eines Feldsterns zu erkennen. Bei 138x und [OIII]-Filter zeigt sich der Nebel etwas kontrastreicher aber weiterhin etwas lichtschwach. Am Nebelrand ist ein heller Stern zu erkennen. Einen Zentralstern kann ich nicht erkennen.

Abell 84
(c) STScI Digitized Sky Survey


Die Grenzgröße am Himmel ist im Laufe der Nacht auf magere 6m,1 gesunken. Gegen zwei Uhr morgens entscheide ich schweren Herzens abzubauen und beende die Beobachtungsnacht. Wir geniessen noch eine untergehende Milchstrasse im Westen und löschen wie üblich unseren Durst in geselliger Runde.

Anbei ein paar Impressionen in Bilder:


Warten auf die Nacht


Roland sein 24" (links) und Timm mit seinem 18 Zöller


Roland, Arno und Timm


Blick von der Wiesbadener Hütte. Im Bild Christian und Stefan.


Teleskoppark mit Blickrichtung Westen


Teleskoppark Blickrichtung Osten


links: Piz Buin (3312m) und rechts der kleine Piz Buin (3255m) mit den Ochsentalgletscher


Wiesbadener Hütte mit Vermuntgletscher und Piz Buin (3312m) rechts im Bild.


Ochsentalgletscher am Fuße des kleinen Piz Buin (3255m)


Radsee


Venus am Taghimmel (Bildmitte)


Hochnörderer (2754m) im Bergschatten der Vallüla (2813m), links die Bodmerspitze (2851m)


Reiner V. (1,799m) mit seinem 22 Zöller 

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