Bericht: 26.07.2012

Eine Nacht auf der Bielerhöhe

Ort: Bielerhöhe am Silvretta Stausee bei 2030m
Datum: Donnerstag 26.07.2012, 23:00 bis 4 Uhr
Wetter: klar, windstill, Temp. bis +9° und 80% rF
fst +6m,9 (Grenzgrößenkarte Leier)

HIP 93189, 6m,9 gerade noch zu erkennen
HIP 92396, 6m,6, direkt zu sehen
HIP 92243, 6m, direkt zu sehen
Im Sternbild Hercules ist HIP 89878, 6m,6 direkt zu sehen.

Seeing: meistens 1 bis 2 auf der Kafalis-Skala
Ausrüstung: 16 Zoll Dobson,
Kommentare: allein, um 23 Uhr besucht mich ein Fuchs

kurze Zeitrafferaufnahme der Nacht findet man hier (MOV, ca. 55 sek., ca. 50 MB)

Objekte der Nacht: : M10, NGC 7008, NGC6946, NGC 6939, UGC 9977, NGC 6572, sh2-112, sh2-71, NGC 6749, NGC 6790, NGC 7009, NGC 7293, Abell 46, NGC 6842, NGC 6891, NGC 7331, Stephan’s Quintet, Cirrusnebel, Crescentnebel, , Ringnebel, Hantelnebel
Eigentlich wollte ich in dieser Nacht in die heimischen Bergen beobachten gehen. Aber irgendwie kam alles anders und so saß ich stattdessen um 20 Uhr auf der Terrasse des Gasthof Piz Buin auf der Bielerhöhe. Vor mir eine grandiose Bergkulisse und ein Schnitzel.



Es war eine spektakuläre Nacht, die bereits um 22 Uhr ihrem Lauf nahm. Mein Beobachtungsplatz war der Wohnmobil-Parkplatz unterhalb des Silvretta-Hauses. Der Alternativplatz von Rainer M. beim Lift oberhalb des Gasthof Piz Buin erwies sich für mich als unerreichbar. Zu wenig Bodenfreiheit für mein Fahrzeug. Der Platz an der kleinen Kirche war mir wg. dem Licht der umliegenden Gebäude zu riskant –zu nah am Silvretta-Haus und freie Sicht zum Gasthof Piz Buin. Während der Nacht erwies die Entscheidung am Parkplatz  zu beobachten als goldrichtig. Über die komplette Nacht keine einzige Lichtquelle weit und breit.
Kurz nach 22 Uhr verschwindet hinter der Lob Spitze (2835m) der Mond und ist in dieser Nacht nicht mehr direkt zu sehen. Das aschfahle Mondlicht erhellt hinter mir die lange Wand der Kresper Spitze (2620m).


Lob Spitze, 2620m

Um 23 Uhr werden die vom Mondlicht geworfenen Schatten immer länger. M13 zeigt sich im Okular bereits kontrastreich und bei 200x ist der Propeller im SO zu erkennen. SQM-L zeigt gerade mal 20,80 arcsec2 an, und trotzdem habe ich das Gefühl unter einem wesentlich besseren Himmel zu stehen als daheim.

Im Verlauf der Nacht beende ich meine Zeichnung des Kugelsternhaufen Messier 10. Die Zeichnung habe ich im Mai begonnen und nach mehreren Anläufen bin ich mit dem Endergebnis einigermaßen zufrieden. Die Zeichnung wiedergibt den Kugelsternhaufen mit 16 Zoll unter Landhimmel und bei schwacher Vergrößerung (V=90 bis max. 138).


Um 23:30 zeigt das SQM-L noch magere 20,90 arcsec2 an, Temp. bei +12,  80% rF und das Seeing ist gut. Bei 514x zappeln im Okular nur wenig die Beugungsringe am defokussierten Polarstern. Die Milchstrasse ist im Zenit schon sehr deutliche zu erkennen. Zum warm werden beobachte ich NGC 7008, ein PN im Sternbild Cepheus, auch bekannt als „Fetusnebel“. In dieser Nacht erinnert  mich die Form des PN eher an einer Bohne oder Niere.

NGC 7008, PN, Cep
Bei 514x und mit [OIII]-Filter ist im Süden auffällig das Sternpaar zu erkennen, nach Norden hin zeigt sich eine längliche ovale Blase, der Rand ist im Osten deutlich heller, drei helle Knoten/Flächen sind zu erkennen, die hellste und größte im Norden (A). Bei (A)  sind wiederrum Abstufungen in der Helligkeit zu erkennen, als wären weitere Blasen und/oder flächige Knoten zu erkennen. Im Osten, entlang der hellen Kante ist eine weitere Aufhellung zu erkennen (B). Im Süden, nahe den beiden hellen Sterne ist ein weiterer heller Knoten zu erkennen. Zur Mitte des PN, im inneren, westlich von (B) schimmert es milchig, im Zentrum blinzelt ein feiner Stern auf, wahrscheinlich der Zentralstern. Erstaunlich was an Details zu erkennen sind trotz Halbmond tief im Westen. Das gute Seeing erlaubt eine knackscharfe Beobachtung bei 514x und mit [OIII]-Filter. Wenn ich meine Zeichnung aus Oktober 2011 hernehme, dann fehlen einige Details in meiner Zeichnung. In dieser Nacht bringt die Zeichnung von Rainer M. eine gute Annäherung an das Bild im Okular.

Zeichnung aus Astroecke, Rainer M.

Meine Zeichnung aus Oktober 2011

Das ungleiche Paar NGC 6946 / NGC 6939 im Sternbild Cep
Die Galaxie wirkt anfangs sehr lichtschwach und schwer zu fassen. Nach einiger Zeit der Beobachtung lassen sich bei 138x zwei Spiralarme erkennen. Einer beginnt im Westen und zeigt nach Norden, ein weiterer Spiralarm beginnt im Osten und zeigt nach Süden. Bei 200x teilt sich der Spiralarm im Osten in zwei teile auf, man erkennt insgesamt drei Spiralarme.
Unweit der Galaxie befindet sich der schöne offene Sternhaufen NGC 6939. Beide Objekte passen im Übersichtsokular im selben Gesichtsfeld und haben eine vergleichbare Größe.

UGC 9977, superthin Galaxie im Sternbild Oph
Obwohl der Mond noch nicht ganz untergangen ist, läßt sich die Galaxie trotzdem erkennen. Die Galaxie zeigt sich bei 300x sehr schmal und nicht sehr lang. Die beste Beobachtungszeit für dieses Objekt ist leider schon vorüber.

NGC 6572, PN im Sternbild Aql
Auf Empfehlung von Hajü nehme ich mir nochmal diesen PN vor. Bis 200x nehme ich den PN mit den farben blau-grün wahr (fast türkis). Ich kann den PN problemlos bis 1024x vergrößern, jedoch kommen keine weiteren Details zum Vorschein. Bei dieser Vergrößerung wirkt der PN weiterhin sehr hell. Einen Zentralstern suche ich vergeblich. Den besten visuellen Eindruck erhalte ich bei 514x. Der PN wirkt bei dieser Vergrößerung weiterhin gleißend hell und wird im äußeren Rand durch ein schmales nebliges Band umrundet.

Sh2-112, BN im Sternbild Cyg
Schöner heller Nebel bei mittelhoher Vergrößerung (138x) und [OIII]-Filter. Im Westen flankiert ein heller Stern den Nebel. Von diesem Stern ausgehend erstreckt sich der Nebel nach Osten hin, und wirkt dabei leicht oval, fast fächerförmig. Nach Osten hin wird der Nebel lichtschwächer. Im Westen sind drei helle Streifen zu erkennen, welche  nach Süden und Osten verlaufen.



Sh2-71, (PK 036-01.01 ), PN im Sternbild Aql
Bereits im Übersichtsokular zeigt sich ein rechteckiger Nebelfleck. Mit [OIII]-Filter lässt sich der Kontrast des Nebels deutlich steigern. Bei 200x zeigt der Nebel abgerundete Kanten und wirkt dadurch mehr oval als rechteckig. Bei 200x funkelt im Zentrum des Nebels der Zentralstern. Im Zentrum des Nebels ist der Nebel deutlich lichtschwächer bzw. kaum wahrnehmbar. Ein schöner, heller und großer PN mit Zentralstern. Lohnt sich sehr!

NGC 6749, GC, Aql
Diesen Kugelsternhaufen befindet sich unweit des PN sh2-71. Aufgrund seiner schwachen Helligkeit, sollte man eine gute Aufsuchkarte (14m Sterne) vor sich haben. An der entsprechenden Stelle ist im Übersichtsokular ein rundes milchiges Schimmern zu erkennen. Bei 200x ist der Kugelsternhaufen sehr deutlich zu erkennen. Er wirkt rund und unaufgelöst in Einzelsterne, fast wie ein Palomar-Kugelsternhaufen. Mehrere Feldsterne bilden ein Trapez um den Kugelsternhaufen.

Sh2-71, BN im Sternbild Aql
Immer noch in unmittelbarer Nähe des PN sh2-71. Bei diesem Nebel tue ich mir bei der Sichtung schwer. Am nördlichen Rand des Nebels bilden helle Sterne ein Dreieck. Von dem mittleren Stern verläuft senkrecht nach Süden eine Sternkette bestehend aus vier Mitgliedern. Entlang dieser Sternkette meine ich eine Aufhellung erkannt zu haben. Unsichere Sichtung.

NGC 6760, GC, im Sternbild Aql
Immer noch in der Nähe des PN sh2-71. Hier befindet sich dieser relativ kleiner aber dennoch heller Kugelsternhaufen mit einer mittleren Konzentration zur Mitte hin.
Bei 360x ist eine leichte Granulation zu erkennen, bei 514x sind vereinzelt nadelfeine Sterne zu erkennen.

NGC 7008, Saturnnebel, im Sternbild Aqr
Diesen prominenten PN habe ich von 300x bis 1024x beobachtet. Den besten visuellen Eindruck erhalte ich bei 514x, hier zeigt sich der PN deutlich in der W-O Achse abgeplattet. Im inneren wirkt der PN etwas dunkler, im äusseren Bereich ist der PN durch einen breite Schale umgeben. Die beiden „Antennen“ im Osten und Westen sind deutlich zu sehen. Die Gesamtform des PN bei 514x erinnert mehr an ein eingepacktes Bonbon als an Saturn.

NGC 7293, Helixnebel, PN im Sternbild Aqr
Auf der Bielerhöhe gehört dieser PN m.E. zum Pflichtprogramm. Es gibt nur wenige Plätze in diesem Breitengrad wo sich dieser PN so kontrastreich beobachten lässt. Den besten visuellen Eindruck erhalte ich bei 138x mit [OIII]-Filter. Der PN wirkt riesig, nahezu okularfüllend, ein großer breiter Ring umgibt ein riesiges Loch im Zentrum. Der Ring wirkt nach Außen stark zerfranst und ohne scharfe Abgrenzungen. Im Inneren sind mehrere nadelfeine Sterne  zu erkennen. Ein grandioser Anblick!

Abel 46, PN im Sternbild Lyr
Endlich! Im Übersichtsokular und ohne [OIII]-Filter ist ein lichtschwacher runder Nebel zu erkennen. Im Zentrum ist der Zentralstern sehr einfach zu erkennen. Mit [OIII]-Filter verschwindet der Zentralstern und es ist nur noch ein runder dunkelgrauer Nebelfleck zu erkennen. Den besten visuellen Eindruck erhalte mit hoher AP und ohne [OIII]-Filter.

NGC 6842, PN im Sternbild Vul
Bereits im Übersichtsokular ist der PN einfach als kleiner runder Nebelfleck ezu erkennen. Bei 138-200x und [OIII]-Filter steigt ein wenig der Kontrast. Der PN wirkt im inneren etwas unruhig und ein wenig fleckig. Bei 360x und ohne [OIII]-Filter ist der Zentralstern zu erkennen.

NGC 6891, PN im Sternbild Del
Kleiner, heller PN. Bei 514x und [OIII]-Filter zeigt sich eine helle Scheibe durch einen lichtschwachen Kranz umgeben.

In der letzten Beobachtungstunde ab 3 Uhr morgens gönne ich nur noch helle und bekannte Objekte.

-NGC 7331, Gx im Sternbild Peg: mehrere Begleiter der Gx sind im Osten einfach zu erkennen

-Stephan’s Quintet im Zenit: bei 360x sind alle fünf Komponenten einfach und deutlich zu erkennen

-Cirrusnebel: bei 69x und [OIII]-Filter, extrem kontrastreich, zahlreiche filigrane Strukturen in der Knochenhand zu erkennen. Pickering’s Whisp ist nur noch  ein Gewimmel an Filamente!

-Crescentnebel: ein heller klecks im Weltraum, Wow!

-Ringnebel bei 514x knackscharf und ein irre Anblick!

-der Hantelnebel zeigt sich bei 514x als ein umgeklappter Burrito mit dreidimensionalen Effekt!

Um 4:05 beende ich diese sensationelle Beobachtungsnacht bei +9° und 79% rF. Es war mit Abstand eine der besten Beobachtungsnächte in diesem Jahr. Um sieben Uhr morgens bin ich wieder daheim. Schön war’s!


Silvrettahorn, 3244m, in der Mitte Schneeglocke, 3223m und rechts Klostertaler Egghorn, 3120m


im Hintergrund ist die Wand der Kresper Spitze, 2620m, zu sehen


ganz links als Kuppe ist der Kleiner Piz Buin zu erkennen, 3225m


Milchstrasse über das Klostertaler Egghorn, 3120m

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