Bericht: 18.07.2012

Eine Nacht im Juli auf der Edelweißspitze

Ort: Edelweißspitze, 2571 Höhenmeter
Datum: Mittwoch 18.07.2012, 23-3:30 Uhr
Wetter: klar, teilweise windig, Temp. +8° C., 75% rF,
fst +6m,5
Seeing: schwankend, meistens 3 auf der Kafalis-Skala

Ausrüstung: 16 Zoll Dobson,
Kommentare: Uwe 27 Zoll, Hajü & Gitti 16 Zoll, Frank 15 Zoll, Thilo 10 Zoll

kurze Zeitrafferaufnahme der Nacht findet man hier (MOV, ca. 1 min., ca. 100 MB)

Objekte: Minkowskis Butterfly, Box Nebula, Ringnebel, Lagunennebel, NGC 6804, NGC 6803, Hantelnebel, Gamma Cygnii Nebel, Jones 1, NGC7331 und Stephans Quintett, Crescent Nebel, Cirrusnebel, Sh2-091
Nach nahezu vier Wochen fieses Wetter oder mondhellen Himmel prognostizierten die verschiedenen Wettervorhersagen für Mittwochnacht einen mehr oder weniger klaren Himmel. Ich erhoffte mir eine Chance unter erstklassigen Bedingungen in den Hohen Tauern zu beobachten. Das Ergebnis in dieser Nacht war u.a. eine vielleicht bemerkenswerte Beobachtung ein Teil eines Supernova-Überrestes (SNR) im Sternbild Cygnus zu beobachten. Die SNR ist auch als sh2-091 bekannt. Aber alles der Reihe nach. Nach dem obligatorischen Schnitzel mit Pommes und Salat bei den beiden Kurts auf der Edelweißspitze ging es um 23 Uhr los. Um 23 Uhr musste ich zusammen mit fünf weiteren Beobachtern mit Ernüchterung feststellen, dass die Bedingungen in dieser Nacht eher bescheiden waren. Erst hatten wir mit schwachen Seeing zu kämpfen, später mit mangelnder Transparenz und zu allem Überfluss wehte eine unangenehme Brise aus Südwesten.



Mein erstes Ziel in dieser Nacht sollte UGC 9977 sein, eine Superthin-Galaxie im Sternbild Schlange. Das schwache Seeing erlaubte mir nicht sinnvoll über 200-fach zu vergrößern. An der entsprechenden Stelle war nichts zu erkennen.



Minkowskis Butterfly, PN
Als nächstes Objekt versuchte ich Min 2-9 (PK 010+18.2), auch bekannt als Minkowskis Butterfly im Sternbild Schlangenträger. Im Übersichtsokular zeigt sich an der entsprechenden Stelle ein winziger, leicht ovaler und unscharfer Nebelfleck. Bei 200-fach zeigt sich der PN als länglicher Nebel mit einer zentralen Aufhellung. Der Nebel öffnet sich nach außen hin wie ein Fächer. Der Nebel erinnert mich stark an einer als Querschleife gebundene Krawatte, auch bekannt als Fliege. Bei 300-fach wird der planetarische Nebel richtig interessant. Die beiden Flügel im Süden und Norden sind sehr schön zu erkennen. In der Mitte strahlt der helle Zentralstern. Das schwache Seeing erlaubt leider keine höhere Vergrößerung. Bei 300-fach wirkt das Objekt wie verschmiert und matschig. Es wäre zu schön gewesen, die hellen Knoten im Nebel zu erkennen. Bei diesem Objekt werde ich definitv nochmal vorbei schauen. Lohnt sich sehr!

NGC 6309, Box Nebula, PN
Etwas südlich des Schmetterlings (Min 2-9) befindet sich dieser heller PN. Ein heller Stern wird durch einen länglichen Nebel im Süden flankiert. Der Nebel nimmt die Form einer kleinen Flamme an und zeigt eine unregelmäßige Aufhellung. Im inneren wirkt der Nebel deutlich heller. Ein sehr schönes Objekt auch für kleinere Öffnungen. Lohnt sich sehr. Anbei eine Zeichnung mit 12 Zoll und aus April 2011.



Zur Abwechslung wurden einige helle Objekte beobachtet wie der Kugelsternhaufen M 13.

Mit [OIII]-Filter  wurde der Lagunennebel beobachtet –Wahnsinn was an Strukturen im Nebel zu erkennen sind. Der Nebel mit [OIII]-Filter erinnert mich ein wenig an den Rosettennebel!

Der Ringnebel M57 zeigte sich deutlich oval und gleißend hell. Den Zentralstern kann ich leider nicht sicher erkennen. Der eher unscheinbare Kugelsternhaufen M71 im Sternbild Pfeil war sehr kontrastreich und in vielen Einzelsternen aufgelöst zu erkennen. Hier oben in den Hohen Tauern zeigt sich M71 ohne Zweifel als Kugelsternhaufen. Bei weniger guten Bedingungen kann M71 aufgrund seiner schwachen Konzentration auch mal als offener Sternhaufen verwechselt werden.

NGC 6803 und NGC 6804, zwei benachbarte PN im Sternbild Adler
Im Sternbild Adler machte ich mich auf die Suche der beiden PN NGC 6804 und seinen kleineren Nachbar NGC 6803. NGC 6804 zeigt sich als grauer Nebelfleck und ist mit 16 Zoll Öffnung nicht zu übersehen. Mit einem [OIII]-Filter bekomme ich nicht wesentlich mehr Details zu sehen. NGC 6803 zeigt sich deutlich kleiner als sein Nachbar NGC 6804. Im Okular ist nur eine stellare Aufhellung  mit einem diffusem Nebel drumherum zu erkennen. Der PN reagiert gut auf das sog. Filter-Blinking. Aufgrund der Größe von „nur“ 5 Bogensekunden ist eine exakte Aufsuchkarte vorteilhaft.

Das Seeing erlaubt weiterhin keine hohe Vergrößerung. Ich setze einen Alternativen Beobachtungsplan auf und beobachte Objekte wie:

-Cirrusnebel –sehr reich an Details insb. bei Pickerings-Whisp

-Gamma-Cygni Nebel (IC 1318). Mit einem Hß-Filter und groper AP lassen sich bei IC1318 zahlreiche Nebelfetzen erkennen! Dieses Gebiet verursacht bei mir immer einen WOW-Effekt.

-Hantelnebel, riesig, bereits bei mittelhoher Vergrößerung ist der Zentralstern –neben weitere anderen Sterne im Nebel- zu erkennen

-der Crescent-Nebel (NGC 6888) zeigt sich mit [OIII]-Filter und schwacher Vergrößerung als eine ovale Blase. Der Bogen im Norden und im Süden ist einfach zu erkennen. In der Mitte zeigt sich die Teilung. Im inneren des Nebels sind einige zarte Verästelungen zu erkennen. Ohne Filter zeigt sich nur ein blasser ovaler Nebel. In den Hohen Tauern gehört m.E. der Crescentnebel zu den Objekten die unbedingt beobachtet werden müssen. Auch mit kleinerer Öffnung lohnt ein Blick zu diesem hervorragenden Objekt.

Weitere Objekte in dieser Nacht waren NGC7331, eine helle Galaxie im Sternbild Pegasus. Ein ½ Grad südlich zeigt sich Stephans Quintett als undefinierbarer Nebelknäul. Bei 200-fach lassen sich problemlos vier von fünf Galaxien sicher trennen.

Etwas weiter östlich ist Jones 1 mit schwacher Vergrößerung und [OIII]-Filter einfach zuerkennen. Jones 1 ist ein großer PN und zeigt sich im Okular  C-Förmig und nach Osten hin geöffnet. Die beiden Bögen im Süden und im Norden sind sehr deutlich zu erkennen. Der Bogen im Westen zeigt sich etwas lichtschwächer aber trotzdem deutlich. Sehr schönes Objekt, welches nur mit [OIII]-Filter und am besten mit großer Austrittspupille (AP) beobachtet wird.

Sh2-91 am Fuße des Sternbild Schwan
Gewappnet mit einer exakten Aufsuchkarte, einem 26mm Okular und [OIII]-Filter mache ich mich auf der Suche nach diesem Supernova-Überrest. Die Stelle ist schnell gefunden, unweit vom Stern P-Cygni, wenige Augenblicke später zeigt sich ein sehr dünner länglicher Nebel der durch drei Sterne verläuft. Ich schätze den Bogen auf ca. 1,5° länge. Uwe bestätigt mir die Sichtung.

Gegen drei Uhr morgens beginnt die Dämmerung im Osten. Ich beobachten noch das eine oder andere helle Objekt wie M31 oder den Doppelsternhaufen h&chi. Um halb vier packen wir unsere Geräte ein. Bei Dämmerung zeigt sich der Himmel durch eine hauchdünne hohe Bewölkung durchzogen. Das war wohl die Handbremse in dieser Nacht. Schön war’s trotzdem!


Startrails um Polaris


Plejaden, Jupiter und Venus im Osten


Plejaden, Jupiter und Venus im ca. 10 min. Intervall, Gesamtzeit ca. 40 min.


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