Bericht: 16.06.2012

Deepsky in den Hohen Tauern bei 2300m

Ort: Hohe Tauern bei 2300m
Datum: Samstag 16.06.2012, 23:00 bis 3:00
Wetter: klar, anfangs windig, Temp. +9-11° C., 60-70% rF,
SQM-L 21,40 bis 21,60 arcsec2
Seeing: meistens 2 auf der Kafalis-Skala

Ausrüstung: 16 Zoll Dobson,
Okulare:  20, 9, 7, 5 mm

Kommentare: Friedl 16 Zoll, Uwe 27 Zoll

eine kurze Zeitrafferaufnahme der Nacht findet man hier (MOV, ca. 44 sek., ca. 125 MB)

Objekte: Hickson 61 „The Box“, M85 mit NGC 4394, IC 3262 und MCG +03-32-28, Palomar 4, Shane 1 (PN), Palomar 10, Berkeley 44, Cirrusnebel, Omeganebel, Trifidnebel (mit 27 Zoll), Adlernebel
Die guten Wetterprognosen reißen nicht ab. Wir entscheiden uns kurzfristig in die Hohe Tauern zu fahren. Treffpunkt ist beim Edelweißwirt um 20 Uhr. Auf der Edelweißspitze begegnen uns Wolken aus Südwesten und eine steife Brise aus Süden. Erinnerungen und Befürchtungen aus La Palma werden wach. War es die richtige Entscheidung? Erst mal Schnitzel bei den beiden Kurts essen und dann sehen wir weiter. Um 22 Uhr entscheiden wir uns zwei Kehren unterhalb des „Restaurants Fuschertörl“ zu beobachten. Bei 2300 Höhenmetern finden wir einen ebenen und windgeschützten Platz. Wermutstropfen ist eine etwas eingeschränkte Sicht nach Süden und Südosten. -Durch diesen Umstand verpasse ich später Abell36 und die beiden Kugelsternhaufen Terzan 7 und 8. Ein Grund mehr wieder hierher zu finden! - Um 23 Uhr messe ich bereits sagenhaften SQM-L Werte von 21,4 arcsec2 –um Mitternacht werden es sogar 21,6 arcsec^2. - Es kann losgehen.





Hickson61, Galaxiengruppe im Sternbild Com
Hierfür benötige ich in dieser Nacht nicht einmal eine genaue Aufsuchkarte. Im Zielgebiet mit dem Übersichtsokular ein wenig rumgerührt und schon zeigt sich ein mittelgroßer Nebelknäuel. Bereits bei 200x sind alle vier Komponenten direkt und sicher zu sehen. Komp. A (NGC 4169) ist die hellste in der Gruppe und zeigt sich als ovaler Nebelfleck mit einem hellen Zentrum. Etwas kleiner, ähnlich hell und etwas langezogen zeigt sich Komp. D (NGC 4174). Dritthellste im Bunde ist die Komp. C (NGC 4175) auch mit einer zentralen Aufhellung versehen und schon deutlich länger als ihre Nachbarn. Als letzte und lichtschwächste ist die Komp. B (NGC 4173) als dicke Nadel ohne zentrale Aufhellung zu sehen. Bei 257x ist die Gruppe so schön groß und hell im Okular, dass ich nicht davon absehen kann diese Gruppe zu zeichnen.



M85 mit Feldgalaxien MCG +03-32-28
Mittlerweile mein dritter Versuch die kleine MCG 3-32-28 dingfest zu machen und dies gelingt mir hier auf den Hohen Tauern relativ einfach. Bei 360x (5mm Nagler Typ6 und 4mm Radian) ist die kleine Galaxie südlich von M85 direkt zu halten und zeigt sich als stellare Aufhellung umgeben von einem nebeligen Kranz. MCG 3-32-28  vervollständigt mit drei weiteren Sternen ein Quadrat südlich von M85. Östlich von M85 zeigt sich als lichtschwacher Nebelfleck die Galaxie IC 3262, diese schimmert südlich von einem lichtschwachen Doppelstern. Man achte darauf die Galaxie nicht mit diesem engen Sternenpaar zu verwechseln!




Palomar 4, Kugelsternhaufen im Sternbild UMa
Um ein Uhr morgens steht dieses Objekt schon ziemlich nah am Horizont. Mit mittelhoher Vergrößerung und AP (V=138, AP=2,8mm) zeigt sich ein lichtschwacher Nebelfleck. Durch wackeln am Teleskop ist der Nebelfleck eindeutig fest zu machen. Bei V=200-257 verschwindet der Nebelfleck im Hintergrund. Im NO flankiert ein Feldstern das Objekt.



Shane1, PK 013+32.01, PN im Sternbild Ser
Ein relativ kleiner aber heller PN im Sternbild Ser. Bei 360x zeigt sich ein Stern mit einem dünnen unscharfen Kranz. Einige Feldsterne und das Streckenweise gute Seeing erleichtern das Aufsuchen erheblich. Die umliegenden Sterne zeigen  sich punktförmig, der PN stattdessen wie ein leicht aufgeblasener Stern. Ein Filter zur Identifikation (Filter-Blinking) ist somit nicht notwendig.  Mit [OIII]-Filter verblassen / verschwinden drei von vier Sterne im Gesichtsfeld. Visuell sind dann nur noch ein Feldstern und unverändert hell der PN zu sehen. Dieses Objekt wurde bereits durch Sue French mit einem 10 Zöller erfolgreich beobachtet. Angeblich ist der PN sogar mit 70mm Öffnung visuell erreichbar.




 Palomar 10, Kugelsternhaufen im Sternbild SGE
Zeigt sich im Sternbild Füchslein als lichtschwacher, rundlicher und dunkelgrauer Nebelfleck  mit einer schwachen Granulation. Wie bei fast allen Palomar Kugelsternhaufen ist absolut keine zentrale Aufhellung bzw. Verdichtung zu erkennen. Den besten visuellen Eindruck erhalte ich mit dem 13mm Nagler (V=138, AP=2,8mm). Einige Feldsterne befinden sich im Feld.

Be44, OC im Sternbild Füchslein
Unweit von Pal10 befindet sich dieser OC. Bei V=113-200 zeigt sich ein rundlicher lichtschwacher Nebelelfeck mit einer schwachen Granulation.

Mittlerweile ist es zwei Uhr morgens. Die SQM-L Werte sinken auf 21,45 arcsec^2 aufgrund der Milchstrasse. Zum Abschluss wird noch der Cirrusnebel, Omeganebel, Trifidnebel und Adlernebel ausgiebig beobachtet. Eine Sensation ist der Trifidnebel in 27-Zöller von Uwe. Die Dunkelnebel zeigen sich als auffällig breite und kontrastreiche schwarze Streife im Okular!

Schön war’s wieder unter einen nahezu perfekten dunklen Himmel zu beobachten. Hohe Tauern wir kommen bald wieder!





Fenster schließen