Bericht: 14.06.2012

Eine milde Beobachtungsnacht in den bay. Voralpen

Ort: bay. Voralpen bei ca. 1200 Höhenmetern

Datum: Donnerstag 14.06.2012, 23:00 bis 3:30
Wetter: klar, Temp. +9-11° C., 62-82 %rF,
Grenzgröße: geschätzte 6m,5
Seeing: meistens 2 auf der Kafalis-Skala

Ausrüstung: 16 Zoll Dobson,
Okulare:  20, 9, 7, 5 mm

Kommentare: allein

kurze Zeitrafferaufnahme der Nacht findet man hier (MOV, ca. 20 sek., 30 MB)

Objekte: ISS, M87, M85, NGC 4681 (Gx, CVn), NGC 5529 (Gx, Boo), NGC 3172 „Polarissima Borealis“ (Gx, UMi),  NGC 5394/5395 „The Heron“ (Gx, CVn), NGC 6802 (OC, Vul bei Cr399), IC 1296 (Gx bei M57), Galaxien bei M13 –NGC 6207, IC 4617, NGC 6197, NGC 6196, IC 4614, NGC 6194, Mondaufgang um ca. 3 Uhr.
Es sind am diesem Tag die besten Wetteraussichten seit mehren Wochen. Die Wolken haben sich nahezu komplett aufgelöst. Einige dichte Wolkenfelder im Osten sehe ich als unkritisch an. Diese ziehen Richtung Osten weg. Um 23 Uhr erreiche ich meinen Stammplatz und ich bin der einzige dort. Am Platz herrschen angenehme +11° bei 60% rF. Es ist nahezu windstill und es sind nur entfernte Kuhglocken zu hören.



ISS Vorbeiflug
Um ca. 23: 30 überfliegt die ISS von West nach Ost den Nachhimmel. Es gelingt mir mit einem 20mm Okular (V=90) die Raumstation über einen Zeitraum von mehreren Minuten zu verfolgen. Es zeigen sich sehr deutlich die beiden Sonnensegel links und rechts des gleißend hellen Zentralmoduls. Erst später blenden die Sonnensegel einem an. Bis dahin zeigen sich Strukturen in den Sonnensegel. Die Abbildung ist im Okular sehr scharf und wackelfrei trotz manueller Nachführung. Ein großes Lob an den Erbauer des Teleskops Uwe G. (klick hier). So habe ich die ISS noch nie sehen können.

Zwei PGC Galaxien bei M87 (negativ)
Erstes Objekt der Nacht ist die imposanten Galaxie Messier 87 (M87). Ich starte einen ersten Versuch die beiden benachbarten PGC Galaxien visuell zu erreichen. Die beiden Galaxien haben eine geschätzte Helligkeit von ca. 16m und flankieren M87 im Südwesten.  Ich versuche mehrere Vergrößerungen/Austrittspupillen und meine erst bei 514x vielleicht etwas aufblitzen gesehen zu haben. Ich notiere eine negative Sichtung. Die Sichtung des Jets war zu jederzeit nicht einmal ansatzweise gegeben.

MCG+3-32-28 Galaxie bei M85 (unsichere Sichtung)
Auf einer POSS-Aufnahme ist mir südlich von M85 eine kleine Galaxie aufgefallen. Sie hört auf den Namen MCG+3-32-28 und hat eine scheinbare Flächenhelligkeit von 14m,1 bzw. 17m,0p und eine Größe von 0,3’x0,3’. Südlich von M85 bilden drei Sterne zusammen mit der Galaxie fast ein Quadrat. Bei 360x meine ich an der Stelle mehrmals einen kleinen lichtschwachen Nebel aufblitzen gesehen zu haben. Eine unsichere Sichtung die ich als negativ bewerte. Interessanterweise meine ich mehrmals mit indirekten Sehen die kleine lichtschwache Galaxie IC 3262 ( 15m,3p bzw. FH 19,1p) als kleiner lichtschwacher und homogener dunkelgrauer Nebelfleck zu erkennen.  Der Nebel ist leicht elongiert/oval. Mit eine Größe 0,8’x0,4’ fast doppelt zu Groß als die benachbarte MCG Galaxie.

NGC 4861, Galaxie im Sternbild CVn
Die Galaxie zeigt sich im Übersichtsokular zwischen zwei Sterne als ein lichtschwacher länglicher Nebel.  Eine schwache Krümmung entlang der Längsachse ist zu erkennen und gibt der Galaxie entlang der langen Achse eine schwache Krümmung ähnlich einer Banane. Steigert man sukzessive die Vergrößerung dann zeigt sich entlang der Längsachse im Zentrum eine schwache langgezogene Aufhellung. Im Süden erscheint eine stellare Aufhellung (Stern) durch einen hellen Nebel umgeben. Es handelt sich hierbei um eine HII-Region. Der Einsatz eines UHC-Filters bestätigt dies. Insgesamt auf dem ersten Blick eine eher lichtschwache Erscheinung, welche bei mittelhohe Vergrößerung ein paar Überraschungen parat hat (Aufhellung in der Längsachse, Bananenform, HII-Region). Lohnt sich!



NGC 5529, Galaxie im Sternbild Bootes
Das Sternbild Bärenhüter (Bootes) ist nicht gerade wegen seiner spektakulären Deepsky-Objekte bekannt, um so mehr erfreut es einem, wenn man an einer so spektakulären langgestreckten Lichtnadel wie NGC 5529 im Okular hat. Die Galaxie zeigt sich flach, lang und mit einer langgezogenen/elongierten zentralen Aufhellung. Ab 200x läßt sich ein schwaches Staubband entlang der Zentralregion erahnen. Schaut man genauer hin, scheint sich die Galaxie in diesem Bereich zu teilen. Lohnt sich sehr!



Doppelstern Epsilon-Bootis
Ein enger Doppelstern (Abstand ca. 2,9“) mit einer schönen blau-gelb Komponente. Mit V=360 und einer AP=1mm sind die beiden Sterne problemlos zu trennen. Aufgrund des guten Seeing zeigen sich beide Sterne nahezu punktförmig. So macht visuelle Astronomie Spass!

NGC 3172, „Polarissima Borealis“, Gx im Sternbild  UMi
Diese Galaxie befindet sich ca. 1° vom Nordpol des Himmels entfernt und ist somit zu jeder Jahreszeit mehr oder weniger an der selben Stelle zu finden. Die Galaxie zeigt sich als ein diffuser lichtschwacher Nebelfleck mit einer schwachen zentralen Aufhellung. NW flankiert ein Feldstern die Galaxie. Den besten visuellen Eindruck habe ich bei mittelhoher Vergrößerung, dennoch hat die Galaxie ausser ihrer Position am Himmel visuell nicht viel zu bieten.

NGC 5394/5395, Arp84,  „The Heron“, Galaxienpaar im Sternbild CVn
Ein wechselwirkendes Galaxienpaar am Rande der Grenze zum Sternbild Bootes. Die Galaxie besteht aus zwei Komponenten. NGC 5395 ist die größere der Beiden und ein wenig heller als ihr kleiner Begleiter. Das Paar ist bereits im Übersichtsokular (V=90, AP=4,4mm) als ovaler Nebelfleck leicht zu erkennen. Bei V=200 zeigt sich beiden Komponenten eindeutig getrennt und die Ähnlichkeit zu einem „Reiher“ (Heron auf engl.) ist erstaunlich. Die Größere Galaxie zeigt sich nach N-S elongiert als ein relativ heller Nebelfleck. Im inneren sind zwei Aufhellung östlich des Zentrum zu erkennen. Die kleinere Galaxie zeigt sich nördlich, sehr dicht an der Großen, relativ rund mit einer zentralen Aufhellung. Insgesamt ein schönes und lohnendes Galaxienpaar.



NGC 6802, OC im Sternbild Füchslein, relativ nah an Cr399 (Coathanger Cluster)
Der Sternhaufen ist bereits im Übersichtsokular als kleiner heller Fleck zu erkennen. Bei 200x sind zahlreiche nadelfeine Sterne zu erkennen, der Sternhaufen wirkt bereits aufgelöst , kompakt und rechteckig. Ein schöner Sternhaufen der auch in kleinerem Gerät (z.B. 8 Zöller) gut zur Geltung kommt.

IC 1296, Galaxie in der Nähe von M57 „Ringnebel“
Die kleine lichtschwache Galaxie blitzt bei 514x als winziger Nebelfleck immer wieder auf. Visuell hat die Galaxie nicht viel zu bieten, außer dass sie im selben Gesichtsfeld des Ringnebels ist. Hohe Vergrößerung und eine exakte Aufsuchkarte (15m) sind hier m.E. Pflicht.

Galaxienjagd bei M13 -NGC 6207, IC 4617, NGC 6197, NGC 6196, IC 4614, NGC 6194
In einem Umkreis von knapp einen Grad um den Kugelsternhaufen M13 tummeln sich einige Galaxien, welche auch mit mittelgroße Teleskope visuell erreicht werden können. NGC 6207 ist wohl die bekannteste und ist bereits unter dunklen Himmel mit einem 8 Zöller leicht sichtbar.  IC 4617 ist wahrscheinlich auch einigen bekannt. Eine kleine lichtschwache Galaxie auf dem halben Weg zwischen NGC 6207 und M13. Von den sechs beobachten Galaxien ist IC 4617 die schwierigste, da relativ lichtschwach und zudem mit eine Größe von 30“ x 6“ ziemlich klein. Alle anderen Galaxien sind  allesamt mehr oder weniger leicht zu beobachten. Die Galaxien haben zwar insgesamt visuell nicht mehr zu bieten als ein dunkelgrauer Nebelfleck, aber trotzdem bietet dieses Miniprojekt eine kleine Herausforderung. Eine gute Aufsuchkarte ist dabei zwingend erforderlich, insb. für IC 4617. Hier läßt man sich schnell von den umliegenden Sternen täuschen! Wer gerne in Büchern schmökert, findet diese kleine „Aufgabe“ im Buch „Cosmic Challenge“ von P. Harrington auf S. 324 ff.

Um kurz vor drei Uhr morgens kündigt sich eine abnehmende Mondsichel am Horizont an und kurz darauf die Morgendämmerung. Ich baue ab und fahre Heim. Insgesamt endlich wieder eine brauchbare Beobachtungsnacht mit unterhaltsamen Deepsky-Objekten!

Anbei ein paar Stimmungsbilder:








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