Bericht: 26.04.2012

"Geföhnte" Galaxiennacht

Ort: bay. Voralpen bei ca. 1200 Höhenmetern
Datum: Donnerstag 0:30 bis 4:30
Wetter: zirrig, ab 2 Uhr klar, windig (Föhn), +10°, 45% rF
Grenzgröße: SQM-L 21,4 in der Corona Borealis
SQM-L 21,3 im Sternbild Leier
Seeing: 3-4 auf der Kafalis-Skala
Ausrüstung: 16 Zoll Dobson
Okulare:  20, 9, 7, 5mm
Kommentare: allein

Objekte:
UGC3692, "Integralzeichen Galaxie" im Sternbild Cam
IC1296, Galaxie beim Ringnebel
Abell 1656, Galaxiencluster im Sternbild Coma
NGC 4676 A/B, "Die Mäuse",
Markarian 231, Seyfert-Galaxie mit starken Quasar in ihrer Mitte
NGC 5279/5278 -Arp 239, eine wechselwirkende Galaxien,
Markarian 273, "Zahnbürste-Galaxie", entstanden durch eine kosmische Kollision
Anbei ein kurzer Bericht der  Nacht von Donnerstag auf Freitag. Monduntergang war gegen 0:50 Uhr mit einer noch kleinen zunehmenden Sichel. Die Wetterlage war etwas prekär. Im Westen war eine dichte Höhenbewölkung zu sehen. Die untergehende Venus zeigte zwar keinen Kranz bzw. Halo, aber dafür umso mehr der Mond. Wolkenfreie Areale am Nachthimmel waren dichtgepackt an Sterne. Am Beobachtungsplatz messe ich angenehme +10° und ca. 40% rF, dafür fegen aus wechselnder Richtung unangenehme Windböen über dem Platz. Das Seeing war auch eher schlecht als recht, aber mit einigen guten Momenten im Zenit. Mars und Saturn waren alles andere als schön im Okular. Bei der aktuellen Föhnwetterlage war das schlechte Seeing zu erwarten. Umso überraschter war ich, das man im Zenit noch bis 300-fach vergrößern konnte.  Zwischen ein und drei Uhr morgens waren auffällig viele Meteore zu sehen. Ein paar davon sehr hell!

Erstes Objekt in dieser Nacht war UGC 3697, die Integralzeichen-Galaxie. Um 1 Uhr morgens steht die die Galaxie mit nur 30° über dem Horizont etwas ungünstig. Um den kleinen Wagen hatte sich eine große Wolkenlücke gebildet und es zeigten zahlreiche Sterne. SQM-L zeigte 21,4 arcsec2 an. Ich schätzte die Himmelsgüte um den kleinen Wagen auf gute 6m,5 oder besser.

UGC 3697 „Integralzeichen Galaxie“
UGC 3697 zeigt sich dabei bereits im Übersichtsokular (90x, AP=4,4mm) als langer Strich im Weltall. UGC 3697 ist für mich im Winter und im Frühling ein Objekt zum Messen der Himmelsgüte. Trotz Lichtglocke von Rosenheim zeigt sich die Galaxie sehr gut. Es herrscht m.E. eine sehr gute Transparenz!


IC 1296
Eine Wolkenlücke im Sternbild Leier bringt mich auf die Idee die Galaxie beim Ringnebel zu versuchen. In meinem dicken Beobachtungsordner finde  ich eine passende Aufsuchkarte. Die Stelle ist schnell gefunden. Bei 300-fach ploppt die Galaxie mit indrektem Sehen unweit von einem Stern auf. Es ist ein schwacher rundlicher Nebelfleck mit einer stellaren Aufhellung im Zentrum zu erkennen. Mit einer Helligkeit von 15m,4 nicht gerade ein Leuchtturm.


Abell 1656
In der Interstellarum (is) Nr. 81 ist der Galaxiencluster Abell 1656 als Objekt der Saison (OdS) beschrieben. Mit einer detaillierten Karte und einem Ausschnitt von ca. 2° x 2° taste  ich mich über die beiden hellen elliptischen Galaxien NGC 4874 und NGC 4889 an den Galaxiencluster heran. In einem Umkreis von 0,5° erkenne ich sicher mehr als 15 Galaxien. Als ideales Beobachtungsokular erweist sich das 7mm Okular (257x, AP=1,5mm, wGF 0,32°). Selbst kleine IC Galaxien entgehen mir nicht. In all den Gewimmel an elliptischen Galaxien überraschte mich IC 3949 als eine kleine aber feine edge-on Galaxie. Nach etwa einer vollen Beobachtungsstunde bei Abell 1656 entscheide ich mich für eine kleine Pause.


In der Zwischenzeit ist der Himmel nahezu blitzeblank. Der Wind hat sich gelegt und das Seeing ist ein wenig besser geworden.

NGC 4676 A/B, “Die Mäuse”
Etwa drei Grad westlich vom 5m hellen Stern 37 Com befindet sich dieses berühmte Galaxienpaar. Im 20mm Übersichtsokular (V=90, AP=4,4mm) zeigt sich ein grauer und unruhiger Knäul. Im 9mm Okular (V=200, AP=2mm) zeigen sich beide Galaxien eindeutig getrennt. NGC 4676A zeigt sich ein wenig heller und deutlich verlängert. Vielleicht ein Teil des nach Norden zeigenden Gezeitenschweif? Mit indirekten Sehen streckt sich die Galaxie nach Norden hin und nimmt in etwas die doppelte Größe bzw. Länge von NGC4676B ein!


Markarian 231, UGC 8058
Zeigt sich mit einem stellaren Kern und einem ganz zarten und dünnen lichtschwachen Nebel außen herum. Einfaches Objekt mit 16 Zoll Öffnung. Interessant macht Mrk231 die Tatsache, dass es sich um eine Seyfert-Galaxie handelt mit einem Quasar in seiner Mitte. Mrk 231 ist ca. 600 mio. LJ von der Sonne entfernt.


NGC5279/5278, Arp 273
Ein schönes wechselwirkendes Paar im Sternbild UMa. Beide Galaxien sind bereits im Übersichtsokular (20mm, V=90, AP=4,4mm) als hell grauer Nebelfleck zu erkennen. Im 5mm Okular (V=360, AP=1,1mm) sind beide Galaxien leicht zu trennen. NGC 5279 ist die größere der beiden uns zeigt sich als ovaler Nebelfleck in O-W Richtung elongiert mit einem hellen Kern. Der Kern ist durch einen zarten Nebel umgeben wobei dieser nach Norden hin etwas breiter und diffuser wirkt. NGC 5279 zeigt sich deutlich kleiner und getrennt von seinem größeren Nachbar. Mehrere Sterne 12m bis 13m umgeben das Objekt. Im Westen ist die kleine Galaxie UGC 8671 als nahezu stellares Objekt zu erkennen. Insgesamt ist Arp239 mit 16 Zoll Öffnung ein einfaches Objekt. Lohnt sich!




Markarian 273 „Zahnbürste-Galaxie“
Im Okular zeigt sich ein hellgrauer und diffuser Nebelfleck. Bei V=360 kann ich den in Süden verlaufenden Streifen nicht erkennen.


Um 4:30 Uhr beende ich den Einsatz am Okular da die Dämmerung schon begonnen hat. SQM-L zeigt nur noch schwache 20,77 arcsec2. Schön war’s!

Anbei ein paar Stimmungsbilder:


Morgendämmerung im Osten


Großer Wagen im Westen bei Dämmerung



Aufgehende Cassiopeia im Osten bei Dämmerung

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