Bericht: 15.03.2012

Ein kurzer Blick ausserhalb unserer galaktischen Scheibe

Ort: bay. Voralpen bei ca. 1200 Höhenmetern
Datum: Donnerstag 15.03.2012 20:00 bis 3:30 Uhr
Wetter: klar, +6° Cels, 50% rF, seeing mäßig
Grenzgröße: fst ca. 6m,2
Ausrüstung: 16 Zoll Dobson
Okulare:  26, 20, 13, , 7, 5mm
Filter: [OIII]
Kommentare: Uwe und Friedl bis 24 Uhr dabei

Objekte: UGC 3697, UGC 4550, M64, Abell31, Hickson40, Abell30, Markarian 421 (BL), NGC3166, NGC3226/7, NGC3432, NGC4565, M13, M57, Cirrusnebel
Negative Sichtungen: Seagull-Nebula (IC2177), Berkley76 (OC), Pal4 (GC), IC4617 (Gx)
Die vorangegangene Beobachtungsnacht musste gegen 22 Uhr wg. Feuchtigkeit und schwache Durchsicht vorzeitig abgebrochen werden. Ich hoffte nun auf eine bessere, denn am Beobachtungsplatz traf ich auf angenehme +6° Temp. und vorteilhafte 50% rF. Erste Blicke zum Himmel zeigten eine gute Durchsicht. Am Platz waren bereits Uwe mit 20 Zoll und Friedl mit 16 Zoll eingetroffen. Nach einem kurzem Plausch wurden das erste Objekt der Nacht gesucht. Erstes Objekt sollte IC2177 sein, eine HII-Region an Grenze zum Sternbild Großer Hund (Canis Maior) und Einhorn (Monoceros). Leider war mit UHC und [OIII]-Filter kaum etwas zu erkennen, denn im Südwesten leuchtet das Nachtskigebiet Oberaudorf, und im Süden waren Pistenrauben und beleuchtete Schneekanonen am Werk. Der ein wenig südlich von IC2177 gelegenen offenen Sternhaufen Berkeley76 (Be76) lässt sich auch nicht sicher erkennen. Ich beschließe mein Beobachtungsgebiet komplett zu ändern und beobachte oberhalb des kleinen Wagen und suche dabei UGC 3697 auf, auch bekannt unter den Eigennamen „Integralzeichen Galaxie“.


Souvenir vom Winter -Straße zum Beobachtungsplatz



Teleskoppark


Die beiden hellen Planeten Venus und Jupiter im Westen

UGC 3697, „Integralzeichen“, Gx, Sternbild Cam, Größe 0,2‘x3,4‘, 12m,4,
Im Zielgebiet ist die benachbarte Galaxie UGC 3714 als kleiner diffuser Nebelfleck mit einer zentralen Aufhellung sofort und problemlos zu erkennen. Die wenige Bogenminuten weiter westlich gelegene Galaxie „Integralzeichen“ zeigt sich leider nicht. Erst bei genauem Hinsehen blitzt die Galaxie gelegentlich als schwacher dünner Strich auf. Ich bin etwas enttäuscht, da ich die Galaxie bereits mit 8 Zoll Öffnung und mit indirektem Sehen beobachten konnte. Die angegebene Helligkeit 12m4 aus diversen Datenbanken stimmen nach meinen bisherigen Erfahrungen nicht wirklich. Ich würde diese Galaxie von der Helligkeit eher bei 13m ansiedeln.


UGC 4550, Gx, Cnc, 0,4’x2,7‘, 14m
An der entsprechenden Stelle blitzt vielleicht etwas auf, sehr klein und flach. Unsichere Beobachtung.


M64, „Blackeye Galaxy“, Com
Zur Abwechslung ein helles Messier-Objekt beobachtet. Ab einer Vergrößerung von 200-fach ist das schwarze Auge auffällig als eine Art bohnenförmiger Schatten um den hellen Kern zu erkennen. Die Galaxie wirkt stark elongiert mit einem hellen Zentrum in dessen Mitte es sich zu einer stellaren Erscheinung kondensiert. Die Gx wirkt sehr groß und hell,  wobei die Galaxie südlich der Längsachse deutlich heller wirkt.


Abell31, PN Cnc, 16,2’x16,2‘, 12m,2
Im 26mm Okulare und mit [OIII]-Filter ist ein großflächiger runder Nebel zu erkennen. Der Nebel befindet sich an der südöstlichen Ecke eines Sternentrapezes. An einer Hälfte ist der PN etwas heller. Die Hälfte welches ins Sterntrapez eindringt ist gerade noch zu erahnen. Insgesamt ein großer aber lichtschwacher Nebel. Ohne [OIII]-Filter kann ich nichts erkennen. Keine wesentlich bessere Beobachtung als meine mit 12 Zoll Öffnung unter 7m Himmel auf der Insel La Palma.


Hickson 40, Galaxiengruppe im Sternbild Hydra
HCG40 gehört zu den helleren Galaxiengruppen des Hicksons-Katalog. Insgesamt besteht diese Galaxiengruppe aus fünf Komponenten, wobei die fünfte Komponente mit einer Helligkeit von 17m eher für größere Teleskope bestimmt ist. Im 26mm Okular ist bereits ein heller nebliger und undefinierbarer Knäuel zu erkennen. Im 20mm Okular kann ich zwei Galaxien sicher trennen, die Komp. A und D. Ab V=200 sind alle vier Komponenten sicher zu trennen, wobei die Komp. B und C sich als etwas schwierig erweisen, da diese doch ein wenig eng beieinander stehen. Sie lassen sich bei mir nur gelegentlich trennen. Ein Grund hierfür könnte auch am mäßigen seeing zu finden sein, da bei V=200 die Abbildung etwas unscharf herüber kommt.


Abell 33, PN, Hyd, 4,5’x4,5‘, 12m,9
Im 20mm Okular mit [OIII]-Filter ist der PN bereits als runder  und scharf abgegrenzter Nebel zu erkennen. Südwestlich flankiert ein Stern sehr dicht den PN. Westlich und am inneren Rand sind zwei Nadelfeine Sterne zu erkennen, diese stehen dicht beieinander. Der Nebel wirkt westlich etwas heller, im inneren sind schwache unregelmäßige Helligkeiten zu erahnen. Den besten visuellen Eindruck erhalte ich bei V=138-200 und mit [OIII]-Filter.


Mittlerweile ist es 0:30 Uhr bei +5° und 48% rF. Durch die eingestellten Arbeiten am Skihang erscheint mir der Himmel etwas weniger Lichtverschmutzt.

Markarian 421 (UGC 6132), Blazar im Sternbild UMa
Dieses nahezu stellare Objekt befindet sich ein wenig südlich des hellen Sterns 51 UMa und ist sehr leicht zu finden und zu beobachten. Im Okular zeigt sich ein sternähnliches Objekt und ist mit einem sehr dünnen und lichtschwachen Halo versehen. Mrk 421 ist ein äußerst interessantes Objekt, da es seine Helligkeit über die Zeit verändert. Die Entfernung zur Milchstraße ist mit ca. 350 mio. LJ beziffert. Für weiterführende Informationen bietet sich folgender Artikel an: „Kosmischer Leuchtturm im Großen Bären“, Sterne u. Weltraum, April 2010, S. 76 ff.


NGC3169/3166/3165, Gx, Sextans
Es handelt sich hierbei um ein Galaxientriplett im Sternbild Sextans. Die Galaxien 3169 und 3166 sind relativ hell und stehen relativ nah beieinander. Beide Galaxien zeigen sich als rundlicher Nebelfleck mit einer zentralen nicht stellaren Aufhellung. NGC 3165 konnte ich seltsamerweise nicht sehen, dafür NGC 3156.


NGC3226/3227, Arp 94, Gx, Leo,
Es handelt sich hierbei um zwei wechselwirkende Galaxien. Im Okular zeigt sich ein helles Paar. NGC 3227 ist deutlich größer als NGC 3226 und zeigt sich oval mit einem hellen Zentrum in seiner Mitte. NGC 3226 zeigt sich stattdessen eher rund. Beide Galaxien sind einfach zu erkennen und stehen sehr eng beieinander. Ich meine sogar, dass beide Galaxien in einem Halo vereint seien. Insgesamt ein lohnender Anblick, auch für kleinere Öffnungen geeignet. Unweit westlich ist NGC 3222 als kleiner Nebelfleck zu erkennen.


NGC 3432, Arp 206, Gx, LMi, 1,6’x6,6‘, 11m,1
Die Galaxie zeigt sich als helle und dicke edge-on Galaxie und zeigt nach NO. Zwei Sterne flankieren als Paar die Galaxie im SW. Die Galaxie wirkt im SW etwas weniger hell als im NO. Auffällig ist dass die  Galaxie in der Längsachse gebogen ist. In DSS-Aufnahme ist am südwestlich der Galaxie ein schwacher diffuser rundlicher Nebelfleck zu erkennen, dieser war im Okular nicht zu sehen. Ausserdem endet bei mir die Galaxie ziemlich genau auf Höhe der beiden Sternpaare im Südwesten. In der DSS-Aufnahme durchbricht die Galaxie die beiden Sternpaare. Im Nordosten wirkte die Galaxie etwas breiter und lief diffus aus. Insgesamt ein lohnendes Objekt.


Gegen 2:30 Uhr morgens werden noch einige helle Objekte angefahren wie NGC 4565 „Needle Galaxie“ oder M13. Bei M13 konnte ich die Galaxie IC4617 nicht finden. M57 zeigte sich in der Leier sehr hell und als Abschluss wurde der Cirrus-Nebel bei 70-fach und mit [OIII]-Filter erfolgreich beobachtet trotz noch niedrigen Stand über dem Horizont. Insgesamt eine eher durchschnittliche Beobachtungsnacht.

Anbei ein paar Stimmungsbilder:

Sternbild Löwe mit Planet Mars


Aufgehender Mond über das Kaisergebirge


Erinnerungen an den Winter

Fenster schließen