Bericht: 21.02.2012

Beobachten auf der Insel La Palma, Kanaren. "That's it, that's all"

Ort: ORM bei Km 35 2100m, Insel La Palma, Kanaren
Datum: Dienstag 21.2.2012, 20:00 bis 4 Uhr
Wetter: klar, Temp. ca. +2° bei ca. 10% rF, seeing gut
Grenzgröße: fst +7m
Ausrüstung: 12 Zoll Reisedobson
Okulare:  20, 13, 9, 7 und 5mm
Kommentare: Uwe 20“, Marc 14,5“, 8“, Christian 12“

Objekte: IC 342, IC348, Rosettennebel, Thors Helmet, Minkowski 1-13, NGC 2174/5, Trümpler 10, Vela SNR, CR197, NGC 2736 Pencil-Nebula“, NGC2547, Hickson 42, NGC 2835, NGC 3044, NGC 3887, NGC 3609, IC 2574, NGC 2820, NGC 4783/4782
Dank Christians Engagements hatten wir Montagvormittag eine Besichtigung beim GTC (10,3m Spiegelteleskop). Die Bedingungen auf dem Roque d.L.M. waren vormittags ideal. Es war so gut wie windstill und die Passatwolken umströmten die Insel in sehr niedriger Höhe. Wir hofften dass sich dies auf die Nachtstunden übertragen würde. Zur Abenddämmerung gegen 19 Uhr waren wir erneut am Observatorium auf dem Parkplatz des Aussichtungspunktes am Roque d.L.M. Dort wartete schon der Nachtwächter mit seinem Geländewagen auf uns. Nach ein wenig Diskussion gibt der Nachtwächter zu verstehen, dass wir oben bleiben dürfen, aber die Fahrzeuge müssen den Parkplatz bzw. das Gelände des Observatoriums verlassen. Aufgrund des zunehmenden Windes entscheiden wir das Gelände komplett zu verlassen, da hilft auch nicht das freundliche Angebot des Nachtwächters die Heli-Plätze zu verwenden. Wir nehmen Stellung an zwei Parkbuchten bei Km35 entlang der Straße LP-4 außerhalb des Geländes des ORM. Die Abendstimmung mit den Großteleskopen als Kulisse ist einfach nur grandios. Direkt über uns thront majestätisch das WHT. Im Südwesten zeigen sich das NOT, TNG und das GTC. Der Wind ist schwach und stört wenig. Gegen 22 Uhr fegen zwar ein paar kräftige Böen rein, aber das war‘s dann auch schon mit dem Wind. Um 20 Uhr stehen unsere Teleskope aufgebaut -so früh wie noch nie in dieser Woche. Wir sind bereit. Im Westen erkenne ich wenige Grad über dem Horizont ein heller dunkelorangener Punkt -es ist Merkur. Die Planeten Jupiter, Venus und Merkur zeigen sich nahezu in einer Linie senkrecht über den Horizont. Ein wahrlich schönes Bild. Um 20:30 strahlt das Zodiakallicht bis zu den Plejaden hoch, das Zodiakalband überspannt stattdessen den kompletten Nachthimmel. Meine Wetterstation zeigt bei Luftfeuchtigkeit „LOW“ an, d.h. weniger als 20% rF bei +2° Cels. Ein erster Blick durch das Okular zeigt ein gutes Seeing. Eine absolut klare Nacht!. Im Okular zeigen die hellen Sterne einen schwachen diffusen Kranz. Im Gespräch mit Uwe stellt sich heraus das dieses „Phänomen“ auch in Namibia bei tiptop Bedingungen zu beobachten ist. Mein erstes Objekt ist IC342, eine Galaxie im Sternbild Giraffe. Ich bin neugierig wie viel von der Galaxie mit einem 12 Zoll Gerät unter sehr guten Bedingungen zu sehen ist.


(Wetterdaten NOT: Di. 21.02. 11 Uhr bis Mi. 22.02. 7 Uhr, Wind rote Linie in m/s, Luftfeuchtigkeit blaue Linie in %. Mittags weht auf dem Roque d.L.M. nur ein schwacher Wind, die angezeigten 2-3 m/s sind beim GTC kaum zu spüren. In den Abendstunden nimmt der Wind mit 6-8 m/s deutlich zu. Dies spürt man auf dem Roque d.L.M. Auf Höhe des Eingangs zum ORM spüren wir nur einen schwachen Wind. Die Windböen um 10 m/s von 22 Uhr bekommen wir mit. Die Luftfeuchtigkeit sinkt in den Nachstunden auf unter 10%.)


(Panorama vom Roque d.L.M. Richtung Süden)


(Parkbucht bei Km 35)


(Uwe und Marc beziehen ca. 100m weiter Platz)

IC342, Gx, Cam
An der entsprechenden Stelle und wenige Bogenminuten nordöstlich einer Sternkette von sechs Mitgliedern zeigt sich ein diffuser Nebelfleck mit einem hellen fast stellaren Zentrum (Vordergrundstern?). Drumherum ist schwach ein diffuses, rundes und nebliges Leuchten zu erkennen. Weit ausserhalb sind  Ansätze von Spiralarme zu sehen, diese sind sehr weitläufig . Zahlreiche Sterne schimmern im Vordergrund, die lichtschwache Galaxie wirkt dabei fast wie ein Geisterbild. Den besten visuellen Eindruck erhalte im 9mm Okular mit einer AP=1,8mm und einem wGF von ca. 45 Bogenminuten. Die Galaxie füllt dabei zu ¾ das Gesichtsfeld.


IC348, EN, Per
IC 348 ist ein kleiner heller Nebel südlich des hellen Sterns omicron Persei. Mit dem 20mm und 13mm Okular und UHC-Filter läßt sich der Nebel gut beobachten. Der Nebel befindet sich am Rande einer Sterngruppe. Der helle Stern omicron Persei stört ein wenig die Beobachtung. Am besten man schiebt den Stern aus dem GF um den Kontrast  zu steigern.


Als sog. „Zenitkracher“ wird Thors-Helmet (NGC  2359) und der Rosettennebel bei schwacher Vergrößerung und mit UHC/[OIII]-Filter beobachtet. Beide Nebel zeigen sich sehr kontrastreich und übersät mit zahlreichen filigranen Details. Eine echte Augenweide! Christian ist auch beigestert!


Mi1-13 (Minkowski 1-13, PK 232-01.01), PN, CMa
Mi1-13 ist ein kleiner PN mit einer Helligkeit von 12m8. Der PN wirkt sehr hell, stellar und reagiert auf einen [OIII]-Filter. Der PN läßt sich gut hoch vergrößern. Bei 300-fach und einer AP=1,0mm ist ein heller Kern umgeben durch einen sehr dünnen und schwachen Kranz bzw. Nebel zu erkennen. Den PN möchte ich den zweien Nachhälfte noch höher vergrößeren, jedoch spielt das Seeing dann nicht mehr ganz mit. Dennoch freue ich mich diesen PN im „Gepäck“ dabei gehabt zu haben.


NGC 2174/5, Affenkopfnebel“, EN mit OC im Sternbild ORI
Im 20mm Okular und [OIII]/UHC-Filter zeigt sich ein sehr großer und rundlicher Nebel. Der Nebel füllt das GF von 1° zu nahezu ¾. Der Nebel wirkt sehr hell, kontrastreich und übersät mit vielen Details. Ein heller Stern ist in der Mitte des Nebels zu erkennen. Es ist meine Erstsichtung und wundere mich wie lange mir dieser Nebel verborgen blieb. Dieses Objekt muss man gesehen haben. Lohnt sich!


Objekt ohne Namen:
Mehrere Bogenminuten nordwestlich (?) erkenne ich immer wieder ein kleinen länglichen hellen nebligen Fleck mit zwei Sterne an seiner Seite. Ohne UHC Filter deutlich besser und kontrastreicher zu erkennen. Bei starker Vergrößerung sind einzelne Sterne (Vordergrundgsterne?) zu erkennen und ich meine sogar der Nebel würde granuliert wirken. Auf den ersten Blick würde ich auf einen OC tippen. Für NGC 2175 ist der Abstand zum Affenkopfnebel m.E. zu weit weg. Für Sh2-247 spricht die Verbesserung des Kontrastes ohne Filter dagegen. Auf den Karten der Uranometria2 S. 76 konnte ich nichts passendes finden. Deshalb bleibt das beobachtete Objekt vorerst mal ohne Namen. Weitfeld Bildern im Internet lassen vermuten, dass es sich um Sh2-247 handeln könnte, wenn es um die Form und den beiden Sterne gehen würde.

Trümpler 10, OC, Vela
Im 20mm okular zeigt sich ein großflächiger und lockerer Sternhaufen mit vielen hellen Mitgliedern.


Vela SNR, SNR im Sternbild Vela
Bewaffnet mit dem 20mm Okular und einem [OIII]-Filter habe ich die hellsten Gebiete der SNR beobachtet. Die SNR erstreckt sich um ein großes Gebiet. Die hellsten Filamente lassen sich einzeln abfahren und zeigen sich in der Form und Struktur ähnlich wie die des Cirrusnebels.


CR197, OC, Vela
Etwas nördlich von TR10 zeigt sich dieser kleiner und kompakter Sternhaufen. Den eingebetteten Nebel verpasse ich leider. Zur späten Stunde wird das An- und Abschrauben des UHC-Filters lästig. Beide Objekte, Tr10 und CR197, sind auch gut mit Fernglas zu beobachten.


NGC 2736, „Pencil Nebula“, Vela
Im Okular zeigt sich ein langer dünner Nebelfetzen der an seiner Seite leicht geöffnet wirkt, fast wie ein Fächer. Der Nebel ist wohl ein Teil der Vela-SNR. Schönes Objekt!


NGC 2547, OC, Vela
Ein schöner, großer und  lockerer Sternhaufen mit einigen hellen Mitgliedern.


Hickson 42, Galaxiengruppe im Sternbild Hydra
Im 20mm und bei 75-fach ist bereits NGC3091 als ovaler diffuser Nebelfleck einfach zu erkennen. Bei 115-fach sind bereits drei Galaxien NGC 3091, NGC 3096 und MCG-03-26-006 einfach zu erkennen. NGC 3096 und MCG-03-26-006 wirken dabei sehr klein. Man könnte fast meinen das wäre zwei helle stellare Nebelfleckchen. Die MCG-Galaxie wirkt für mich ein wenig heller als NGC 3096. Bei 167-fach sind die drei Galaxien weiterhin einfach zu erkennen. Die vierte Komponenten PGC 28926 ist etwas schwieriger zu erkennen. Bei 300-fach blitzt an der entsprechenden Stelle immer wieder etwas auf. Zurück auf 214-fach ist die PGC Galaxie mit indirektem Sehen eindeutig zu erkennen. Es ist definitiv kein Stern, aber eine äußerst lichtschwache Erscheinung. Eine exakte Karte um Verwechslungen mit den umliegenden Sternen zu vermeiden ist m.E. hier unabdingbar.


NGC 2835, Galaxie, Hydra
Es zeigt sich ein diffuser ovaler Nebelfleck nach NW elongiert. Es ist keine ausgeprägte zentrale Aufhellung zu erkennen. Östlich und westlich flankieren jeweils ein heller Stern die Galaxie.


NGC 3044, Gx, Sextans
Sehr lang, flach wie eine Flunder und mit einem hellen Zentrum. Das Achsenverhältniss im Okular schätze ich bei ca.  5:1. Den besten visuellen Eindruck erhalte ich bei 167-fach. Das Ende in der Längsachse markiert ein Stern im SO und ein weiter im NW. Dies entspricht ziemlich genau die Größe auf einer Aufnahme aus dem StSci Digitized Sky Survey. Lohnt sich!


NGC 3887, Gx Crater
Bei 167-fach zeigt sich die Galaxie hell, rundlich und mit unregelmäßiger Helligkeit im inneren. Lohnt sich!


NGC 3609, Gx, Leo
Es zeigt sich eine kleine runde Galaxie mit einer stellaren Aufhellung. Ein wenig östlich zeigt sich deutlich lichtschwächer als dunkelgrauer Nebelfleck der Nachbar NGC 3612. Insgesamt ein schönes aber lichtschwaches Duo.


IC2574, „Coddington’s Nebula“, Gx, UMa
Eine irreguläre Zwerggalaxie im Sternbild UMa und gehört zur M81 Gruppe. Dem Vernehmen nach handelt es sich hierbei um ein „lebendes“ Fossil, da die Galaxie womöglich  den ersten Galaxien im Universum ähnelt. Im Okular zeigt sich die Galaxie als außergewöhnlich  breit, lang, etwas lichtschwach und wirkt sehr diffus. Im NO wirkt die Galaxie etwas heller und schwach besprenkelt. Lohnt sich!


NGC 2820, Gx, UMa
Eine dünne edge-on, schön lang, sehr dünn und nur wenige Bogenminuten einer weiteren aber deutlich kleineren edge-on entfernt (NGC 2814). Beide Galaxien stehen in einem spitzen Winkel zueinander. Ein wenig südlich zeigt sich eine große face-on Galaxie (NGC 2805) recht hell und rund. Auf die kleine edge-on IC2458 (aka NGC 2820A) die an der SW Spitze von NGC 2820 klebt habe ich leider nicht geachtet und m.E. eher etwas für größere Geräte. Lohnt sich!


NGC 4783/4782, Gx, Crv
Ein enges Galaxienpaar im Sternbild Rabe. Beide Galaxien sind ähnlich hell und kleben mit ihrem hellen Kern regelrecht zusammen. Wenige Bogenminuten östlich zeigt sich NGC 4794. Ein lohnenswertes helles Paar.


Einen letzten Blick auf den Saturn –atemberaubend, wie eingemeißelt am Himmel. Beim Mars springt einem die Polkappe und mehrere dunkle Gebiete regelrecht ins Auge. Mit dieser letzten Beobachtung beende ich meine Beobachtungswoche auf der Insel La Palma und verabschiede mich mit schweren Herzens von diesem besonderen Ort. Ich werde bestimmt wieder kommen.
-That’s it, that’s all.

Anbei ein Paar Stimmungsbilder:

(Dämmerung mit Blick auf TNG und GTC)


(WHT direkt über uns)


(duo infernale)



(12 Zoll Teleskop mit NOT und TNG im Hintergrund)
(Zodiakallicht mit Jupiter und Venus)

(untergehende Sternbilder PER und CAS)


(TNG und GTC)


(Zodiakallicht mit Venus)


(Uwe, Christian, Marc, mich, GTC im Hintergrund, © Bild: Christian R.)
GTC, © Bild: Marc E.




(Wolkenfall über die Caldera, El Paso)

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