Bericht: 16.02.2012

Beobachten auf der Insel La Palma, Kanaren

Ort: Löschwasserplatz, 1500m, Insel La Palma, Kanaren
Datum: Donnerstag 16.2.2012, 23:30 bis 5 Uhr
Wetter: klar, Temp. 0 bis +2°, 80-90% rF, feucht, seeing mittelmäßig
Grenzgröße: fst +7m
Ausrüstung: 12 Zoll Reisedobson
Okulare:  20, 13, 9 mm
Kommentare: Uwe 20“, Marc 14,5“ und 8“, Christian 12“

Objekte: Orionnebel, NGC 2217 (Gx), IC2165 (PN), NGC2292/2293/2295 (Gx), NGC 2316, (RN), NGC2346 (PN), Abell31 (PN); NGC 2424 (Gx), NGC 2419 (GC); NGC2444/2445 (Gx), JE1 (PN), NGC 2537 (Gx), IC2233 (Gx), Antennengalaxie, Omega Centauri, Centaurus A, M83, M4.
Die erste Nacht auf der Insel La Palma verbrachten wir am sog. „Löschwasserplatz“ bei 2050m in Llianos de las Animas, oberhalb von Puntagorda. Die Wetterdaten des Nordic Optical Telescope (NOT) auf dem Roque de Los Muchacos zeigten nahezu konstant 100% Luftfeuchtigkeit bei Minusgraden. Aus diesem Grund fanden wir uns in der vergangenen Nacht auf dem Löschwasserplatz wieder. Wir beobachten nicht viel, sondern bestaunten den dunklen und transparenten Himmel. Das Zodiakallicht zeigte sich hell im Westen und strahlte bis hoch zu den Plejaden. Uwe machte uns auf das Zodiakalband aufmerksam, welches bis in den Osten den Nachthimmel überquerte. Wegen des schlechten seeing und der Glatteisgefahr beobachten wir nicht lange. Es rieselten Eiskristalle vom klaren Himmel.



In der zweiten Beobachtungsnacht am Donnerstag den 16.02. wollten wir selbst mal nachsehen was auf dem Roque d.L.M. wettertechnisch los sei. Die Wetterdaten zeigten weiterhin konstante 90-100% Luftfeuchte, etwas ungewöhnlich für den Roque. Auf dem Weg zum Roque mussten wir leider feststellen, dass die Daten stimmten: Wind, Nebel und Eisregen! Also zurück auf den Löschwasserplatz!


(NOT Wetterdaten, Graph für Zeitraum 15.02. 0Uhr bis 16.02. 23:55 Uhr, blaue Linie ist Luftfeuchte)

Wir disponierten um und hofften beim Löschwasserplatz bei 2050m bessere Bedingungen zu finden. Marc und Uwe bemerkten bei der Fahrt hinauf auf dem Berg Raureif bzw. Raufrost auf dem Weg. Um unterhalb der Nullgradgrenze zu bleiben, beschließen wir in dieser Nacht bei 1500m und bei ca. +2°Temp. Stellung zu nehmen. Eine Straße zu befahren mit teilweise mehr als 20% Steigung und Eis kann lebensgefährdend enden.

Gegen 23:30 bauen wir bei +3° und 80% rF unsere Geräte auf. Uwe beobachtet mit einem 20 Zoll Obsession, Marc mit Uwe‘s 14,5 Zoll Carbondobson und mit seinen eigenen 8 Zoll Reisedobson von Hofheim. Christian beobachtet genauso wie ich mit einem 12 Zoll Reiseteleskop von Hofheim. Es bleibt di ganze Nacht feucht, jedoch tauen unsere Geräte und Okulare nicht zu. Es ist unsere erste Beobachtungsnacht mit Teleskope und die Nacht zeigt sich transparent, kein wind aber mit mittelmäßigen Seeing.


(12 Zoll Teleskop mit Zodiakallicht, Venus und Jupiter im Hintergrund)

M 42, Orionnebel
Den Anfang macht M42 und Umgebung. Der Orionnebel leuchtet im 20mm Okular (V=75, AP=4,0mm) bläulich und ist eine wahre Pracht an Details. Überall zeigen sich Nebelfetzelchen abseits der hellen und bekannten Nebelgebieten wie die beiden Flügel oder das Schwert. Im Fischmaul ist der sog. „Pons Schröteri“ zu erkennen, eine helle Nebelbrücke. Die Sichtbedingungen für den Orionnebel sind in diesen Breitengrad exzellent, der Orionnebel kulminiert mit mehr als 60° über den Horizont. Um Mitternacht befindet sich der Orionnebel noch gute 45° über dem Horizont und bietet weiterhin beste Sichtbedingungen bei transparentem Himmel. Die Beobachtung der Komponenten G, H1 und H2 im Trapezium gelingen mir aufgrund des mäßigen bis schwachen Seeing leider nicht. Anbei eine Sternkarte des Orionnebel der „Sternfreunde Breisgau“.

NGC 2217, Gx, Puppis
Eine helle face-on Galaxie im Sternbild Puppis. Die Galaxie zeigt sich mit einem hellen Zentrum, leicht in O-W Richtung elongiert. Um den hellen Kern ist ein diffuser Nebel zu erkennen. Im Hintergrund ist ein ausgedehntes und rundliches Glühen zu erkennen. Der helle Kern und der Nebel sind in diesem „Glühen“ eingebettet. Die Galaxie befindet sich in eine Sternreiche Gegend und ist bereits im 20mm Okular (V=75) leicht zu erkennen. Den besten visuellen Einblick in dieser Nacht bei mittelmäßigen Seeing erhalte ich bei V=167 und einer AP=1,8mm. Bei langanhaltender Beobachtung der Galaxie schält sich das Objekt in seine Bestandteile. Insgesamt eine bemerkenswerte Galaxie, mit indirektem Sehen sind Ansätze von Spiralarme im äußeren Bereich zu erkennen. Zwei helle Balken schmücken östlich und westlich den hellen Kern. Lohnt sich sehr!

STScI Digitized Sky Survey

IC 2165, PN, Puppis
Bei V=300 zeigt sich ein sehr kleiner und heller PN. Das Zentrum erweist sich als sehr hell, fast stellar und umgeben durch eine schwache äußere Schale. Erst bei V=300 wird die Doppelschalenstruktur dieses PN offensichtlich. Das inneren des PN wirkt sehr hell und deutlich von der äußeren Schale abgegrenzt. Kleiner aber lohnender PN. Verträgt hohe Vergrößerung, welche in dieser Nacht aufgrund des Seeings nicht genutzt werden kann.

STScI Digitized Sky Survey

NGC 2292/2293/2295, Gx, CMa
Alle drei Galaxien sind bereits im 20mm Übersichtokular zu erkennen.
NGC2295: Bei V=167-300 ist NGC2295 als schmale edge-on Galaxie zuerkennen mit einem Achsenverhältniss im Okular von geschätzte 3:1. Die Galaxie zeigt nach SW orientiert mit einem geschätzten Positionswinkel von 45°. Jeweils ein Stern flankiert das Zentrum der Galaxie sehr eng im Süden und im Norden. NGC2295 ist die größere Galaxie der Gruppe.
NGC2292/2293: das wechselwirkende Paar befindet sich ein wenig östlich von 2295 und beide Galaxien zeigen ein leicht verzerrtes ovales Zentrum und sind sehr eng beinander. Beide Galaxien sind durch einen schwachen Nebel umgeben. NGC 2293 ist die größere der beiden. Insgesamt ein hübsches Triplett in sternreiche Gegend.

STScI Digitized Sky Survey

NGC 2316, RN, Mon
Der RN zeigt sich sehr klein und in einem Dreieck geformt. Im Zentrum wirkt der Nebel deutlich heller. Nach Süden wirkt der Nebel etwas diffuser. Drei Sterne flankieren südlich den Nebel. Der Nebel befindet sich in einer sternreichen Gegend, jedoch sind in einem Umkreis von geschätzten 3-5 Bogenminuten um den Nebel nur sehr wenige und schwache Sterne zu erkennen. Ausnahme sind die drei Sterne südlich des Nebels. Aufgrund seines hellen Zentrum läßt sich der Nebel problemlos bis V=300 vergrößern. Den besten visuellen Eindruck erhalte ich bei V=214. Der Nebel reagiert nicht auf UHC/[OIII] Filter.

STScI Digitized Sky Survey

NGC 2346, PN, Mon „Hourglass nebula“
Ein bipolarer Nebel im Sternbild Einhorn. Der PN ist relativ klein und reagiert gut einen [OIII]-Filter. Der Zentralstern ist mit 10m bereits im Übersichtokular zu erkennen und überstrahlt regelrecht den Nebel. Ohne Filter zeigt sich bei hoher Vergrößerung der helle ZS mit einem schmalen diffusen Nebel drumherum. Mit [OIII]-Filter und V=300 zeigt sich ein ovaler Nebelfleck, sehr hell und zum Rand hin diffus auslaufend.

STScI Digitized Sky Survey

Abell31, PN, Cnc
Nahezu im Zenit versuche ich mich an diesem großflächigen aber leuchtschwachen PN. Ohne [OIII]-Filter ist an der entsprechenden Stelle nichts Verwertbares zu erkennen. Mit [OIII]-Filter, V=75 und einer AP=4mm zeigt sich ein großer rundlicher, sehr diffus wirkender und lichtschwacher Nebel. Der PN wirkt eher wie ein dunkelgraues Glühen vor schwarzen Hintergrund. Im Nebel sind Sterne zu erkennen. Unklar welcher der Zentralstern sein könnte.

STScI Digitized Sky Survey

NGC 2424, Gx, Lynx
Nicht weit von NGC 2419 (Intergalactic Wander, GC), befindet sich diese kleine edge-on Galaxie. Die Galaxie zeigt sich mit einem geschätzten Achenseverhältniss im Okular von 3:1 vielleicht sogar 4:1. Das Zentrum wirkt leicht aufgehellt. Die Galaxie erstreckt sich in O-W Richtung.

STScI Digitized Sky Survey

NGC 2419, GC, Lynx „Intergalactic Wanderer“
Es zeigt sich ein rundlicher hellgrauer Nebelfleck. Zwei Sterne flankieren nordwestlich in einer Reihe den Kugelsternhaufen. Bei hoher Vergrößerung wirkt der Kugelsternhaufen sehr unruhig und mit schwachen Flecken versehen. Der Kugelsternhaufen zeigt weder eine zentrale Aufhellung noch sind irgendwelche Sterne im Nebel auflösbar. Insgesamt ein äußerst interessantes Objekt, da sich der Kugelsternhaufen ca. 275.000 bis 300.000 LJ vom Zentrum der Milchstraße entfernt befindet. Beachtlich wenn man weiss das die Große Magellansche Wolke (GMW) nur ca. 160.000 LJ entfernt ist. NGC 2419 zeigt sich zwar nur als ein grauer Nebelfleck, dennoch kann NGC 2419 mit prominenten Kugelsternhaufen wie Omega Centauri ohne weiteres mithalten was absolute Helligkeit und Größe angeht.

STScI Digitized Sky Survey

NGC 2444/2445, Arp 143, Gx, Lynx
Zwei wechselwirkende Galaxien bilden zusammen das Paar Arp 143. Die beiden Galaxien zeigen sich sehr eng miteinander gebunden. NGC 2444 befindet sich nördlich und ist die hellere und kleinere Galaxie der beiden. NGC2445 befindet sich südlich und ist deutlich größer, wirkt oval und lichtschwächer. Beide Galaxien lassen sich einwandfrei trennen. Fünf Sterne flankieren das Duo durch einen Bogen welcher O->N->W verläuft. Den besten visuellen Eindruck erhalte ich bei V=167.

STScI Digitized Sky Survey

Jones-Emberson 1, PN, Lynx
Mit dem 20mm Okular und einem [OIII]-Filter zeigt sich ein großer rundlicher Nebel mit zwei ausgeprägte Flanken im SO und NW. Bei V=115 wirkt der PN schon deutlich lichtschwächer. Ohne Filter ist bei hoher AP lediglich ein schwaches großflächiges rundes Glühen an der Stelle zu erkennen.

STScI Digitized Sky Survey

NGC 2537, Gx, UMa, „die Bärentatze“
Bei V=115-214 zeigt sich ein heller und halbrunder Nebelfleck. Die Galaxie wirkt nach norden leicht zugespitzt. Im inneren sind diverse Aufhellungen zu erkennen.

STScI Digitized Sky Survey

IC 2233, Gx, UMa
Bei V=167-214 blitzt die Galaxie als hauchdünner Strich im Weltall auf. Mit indirektem Sehen ist die Galaxie zu halten.

STScI Digitized Sky Survey

Mittlerweile ist es 3 Uhr morgens. Das Sternbild Rabe beginnt seine Kulmination. Es werden die Antennengalaxien NGC 4038/4039 mit 12 und 20 Zoll beobachtet. Es zeigen sich zwei ovale Galaxien die an in ihren Enden im osten miteinander verbunden sind. Im 20 Zoll Teleskop sind diverse Aufhellungen im inneren der Galaxien zu erkennen. Das Galaxienpaar wirkt stark besprenkelt und gefleckt. Im Osten zeigt sich eine elongation Richtung Süden, es handelt sich hierbei um den helleren Teil der Antennen.

STScI Digitized Sky Survey

M83, Gx, Hydra, „Seashell Galaxy“
M83 ist eine echte Augenweide. Die Galaxie zeigt auf Anhieb ihren zentralen Kern mit den beiden Balken und die beiden Spiralarme. Bei genauerem Hinsehen schälen sich die beiden Spiralarme in weiteren Arme. Ein beindruckendes visuelles Schauspiel. Im 20 Zoll Gerät fällt einem die Kinnlade runter. Schon wg. diesem Anblick hat sich die komplette Reise hierher gelohnt. Ein wahnsinns Objekt!

STScI Digitized Sky Survey

Zur späten Stunden geben sich Centaurus A und Omega Centauri die Ehre. Bei Centaurus A ist problemlos der helle Streifen im inneren des Dunkelnebels zu erkennen. Für mich wirkt Centaurus A wie ein BIG MAC mit einem extra Streifen Speck in seiner Mitte.

STScI Digitized Sky Survey

Omega Centauri ist übersäht von nadelfeinen Sternen und ist bei schwacher Vergröüerung und großem Gesichtsfeld beinahe Okularfüllend!

STScI Digitized Sky Survey

Im Osten steigt der Skorpion bereits am Himmel empor. Ich erhasche noch schnell einen Blick auf den Kugelsternhaufen M4 und seinen Nachbar NGC 6144.

STScI Digitized Sky Survey

Mit diesen letzten Eindrücken beenden wir gegen 5 Uhr morgens diese durchaus ergiebige Beobachtungsnacht.


(12 Zoll Hofheim Reiseteleskop bei 90% relative Luftfeuchte, © Bild: C. Rausch)

Anbei einige Bildimpressionen:













Fenster schließen