Bericht vom 27.11.2011 (Insel La Palma)

3. Beobachtungsnacht: Der Roque rockt mit einem Nachthimmel der superlative!

Ort: La Palma (Roque d.L.M. ) ca. 2100 Höhenmeter
Datum: Sonntag 27.11.2011, ab 19:00 bis 04:00
Wetter: klar, windstill, gutes bis sehr gutes seeing, +4°, rF unter 20%
Grenzgröße: fst >7m
Ausrüstung: 12 Zoll Reisedobson
Okulare: 20, 13, 9, 5mm
Kommentare: allein

Objekte: NGC 55 (Gx, Scl), NGC7009 “Saturnnebel” (PN, Aqr), Hickson90 (Galaxiengruppe, PsA), Galaxiengruppe um NGC 128 (NGC 125, N126,N127,  N128, N130, IC17), M77 (Gx, Cet), NGC 1232 (Gx, Eri), NGC 1300 (Gx, Eri), NGC 1110 (Gx, Eri) Hickson22 (Galaxiengruppe, Eri), M42 „Orionnebel“, Trapezium (Ori, Komp. A,B,C,D,E,F), M43 (BN, Ori), NGC1977 (BN, Ori), NGC1980 (BN, Ori), NGC1999 „Schlüssellochnebel (BN, Ori), IC418 „Spirographnebel“ (PN, Lep)
Den ganzen Tag war es wieder windstill am Roque. Ich beschließe wieder Stellung am Roque oberhalb der Einfahrt zum Observatorium bei Km 35 zu beziehen. Ich habe freie Sicht zu den großen Teleskope und eine zufriedenstellende Sicht Richtung Süden. Es gibt weitere Plätze mit einer besseren Sicht Richtung Süden, aber ich mag diesen Platz hier. Es ist 19:30 Uhr, +5° Cels., 30% rF und absolut windstill. Am Himmel neigt sich eine kleine Mondsichel zum Untergang. Die Milchstraße und das Zodiakallicht sind trotz Mond eindeutig zu sehen. Eine überwältigende und grandiose Kulisse!

Das GranTeCan öffnet bei Dämmerung seine Kuppel


GranTeCan, Mond und Venus geben eine einmalige Kulisse


Einem interessierten älteren Herr wird noch M31, der Cirrusnebel und der Jupiter eingestellt. Das Seeing ist bei weitem besser als in den vorangegangenen Nächten. Bei 167x zeigt sich Jupiter knackscharf und wie am Himmel eingemeißelt. Um 20:45 ist der Mond hinter dem Horizont verschwunden und es ist immer noch windstill! Ich beginne mit meinem Beobachtungsprogramm.

Als Startobjekt habe ich mir NGC 55 ausgesucht. Eine wahrhaft gigantische Galaxie im Sternbild  Bildhauer (Scl).
Das Seeing scheint echt gut zu werden, ich stelle NGC7009 ein, den Saturnnebel.
Die Galaxiengruppe HCG90 erweist sich als eine einfache Gruppe im 12-Zoll-Newton Teleskop. Ich beobachte die Galaxie ziemlich genau eine Faustgröße über das GranTeCan Teleskop.
WHT, NOT und TNG und eine Sternschnuppe.


Es ist mittlerweile 23 Uhr, die Wetterstation zeigt +3° und die rF liegt bei 27%, tendenz sinkend. Das Seeing ist immer noch gut. Als nächstes widme ich mich der „NGC 128 Gruppe“, eine kleine Galaxiengruppe um die irreguläre edge-on Galaxie NGC128. Ich habe es auf fünf Mitglieder abgesehen (NGC128, N125, N130, N126, N127).
Zur Abwechslung etwas helles und hoch stehendes am Himmel beobachtet.
Es ist mittlerweile 1 Uhr morgens, Temp. ca. +4° und die rF ist mittlerweile geringer als 20%. Meine mobile Wetterstation zeigt nur noch „LOW“ an. Das Seeing wird zunehmend besser, bei 300x zeigen sich die Sterne knackscharf und punktförmig. Nichts regt sich im Okular!
Ich kann mir keine bessere Kulisse vorstellen: NOT und TNG im Hintergrund



M42 und das Trapezium sind die allergrößte Offenbarung in dieser Nacht. Der Orionnebel zeigt sich für mich in dieser Nacht mit all seinen benachbarten NGC-Objekten nördlich und südlich im neuen Licht. Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Der Orionnebel leuchtet in einem blauen Farbton, extrem filigran und mit zahlreichen Filamenten. Es stockt einem der Atem beim Anblick durch das Okular. Bei 300x wandere ich mit dem Okular durch den Nebel. Der Nebel wirkt immer noch knackscharf und hell. Um die hellsten Sterne des Orionnebels zeigen sich schwarze Kränze, als hätten sich die Sterne vom blauen Nebel befreit.
Nachdem ich mich im Orionennebel und Umgebung satt gesehen habe, geht es weiter mit IC418, den Spirographnebel im Sternbild Lepus.
Es ist mittlerweile 4:00 morgens, +4° Cels., die rF liegt unter 20% und es ist absolut windstill. Ich entscheide mich die Beobachtungsnacht zu beenden, nachdem ich fast durchgehend neun Stunden glotzend vor dem Okular verbracht habe. Es war definitv eine spitzen Nacht unter einen hervorragenden dunklen Nachthimmel bei streckenweise sehr guten Seeing und einer durchgehend exzellenten Transparenz. Ich nehme noch vor der Abfahrt ein Liter Flüssigkeit zu mir, fast wie ein Leistungssportler.

WHT und NOT

Blick nach Nordwesten


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