Bericht vom 26.11.2011 (Insel La Palma)

2. Beobachtungsnacht: starker Wind zwingt mich den „Roque“ zu verlassen

Ort: La Palma (Llano de las Animas) ca. 2000 Höhenmeter
Datum: Samstag 26.11.2011, ab 22:00 bis 04:00
Wetter: klar, windstill bei gelegentlichen Windböen, schwaches seeing (ab 1 Uhr etwas besser), +8°, 30% rF,
Grenzgröße: fst >6m,5
Ausrüstung: 12 Zoll Reisedobson
Okulare: 20, 13, 9, 5mm
Kommentare: bis 21 Uhr auf dem Roque d.L.M.

Objekte: IC5148-50 (PN, Gru), HCG 88 (Aqr, N6975, N6976, N6977, N6978),  M2 (KS, Aqr), N7492 (KS, Aqr), N7362 (Gx, Peg), N1360 (PN, Eri), Eridanus Galaxiencluster (N1325, NGC1325A „Holmberg VI“, IC1928, N1315, N1319, N1331, N1332), N1886 (SG, Lep),  N2341/2342 (Gx, Gem),Fornax Galaxiencluster (N1399, N1427, N1404, N1387, N1379, N1374, N1380, NGC1380A, N1428, N1365), N1532/1531 (Gx, Eri), N2207/IC2163 (Gx, Pup),Haffner16 (OC, Pup), M93.
Den ganzen Tag zeigt die Wetterstation des NOT klaren Himmel, geringe Luftfeuchtigkeit und schwachen Wind, also beste Voraussetzungen um auf dem Vulkan zusammen mit den ganz großen Teleskopen dieser Welt unter den vielleicht besten Himmel auf Erden zu beobachten. Um 18:30 habe ich mir einen passenden Platz etwas oberhalb des Eingangs zum Observatorium ausgesucht. Im Blickfeld die Teleskope GranTeCan (10,4meter), TNG (3,6m), WHT (4,2m) und NOT (2,5m).





Ich bin mit der Wahl des Platzes sehr zufrieden. Der Wind frischt etwas auf, aber ich lasse mich nicht stören. Gegen 19:30 bin ich bereit und stelle das erste Objekt ein. Trotz schwachen Seeing entscheide ich mich für einen PN als erstes Objekt. 
Ich kann leider nicht höher Vergrößerung, da der Wind drastisch zugenommen hat. Jeder Versuch ein Okularwechsel vorzunehmen endet mit einem verschobenen Teleskop. Ab 20 Uhr muss ich das Teleskop festhalten, und ich kann nicht mehr vernünftig beobachten. Außerdem peitschen die Windböen einen ganz fiesen Sand auf. Ich werde sandgestrahlt. Ich entscheide meinen Standort zu verlassen und einen windgeschützten Platz Richtung Pinienwald aufzusuchen. Leider ist es bis tief in den Pinienwald hinein windig. Ich fahre weiter nach Puntagorda zum Platz "Llano de las Animas", einen alternativen Beobachtungsplatz bei 2000m. Um 22 Uhr treffe ich dort einen windstillen Beobachtungsplatz bei 8° Cels. und 30% rF an. Das Seeing ist schlecht, der Himmel ist dafür blitzeblank und transparent. Die Milchstraße überspannt hell den kompletten Himmel. Es zeigen sich eine Myriade von Sterne am Himmel. In den höheren Lagen fegt ein richtig starker Wind, das Rauschen ist sehr laut und scheint nur wenige Höhenmeter entfernt zu sein. In der Hoffnung es bleibt bei nur vereinzelte schwache Windböen, beginne ich mit meinem Beobachtungsprogramm. Erste Station ist eine einfache Hickson-Galaxiengruppe.
Als nächstes suche ich der Eridanus Galaxien Cluster auf. Der Eridanuscluster gehört nicht gerade zu den spektakulären Galaxiencluster, denn die Galaxien sind auf einer recht großen Fläche verteilt und sind nicht so hell wie z.b. im Fornax Galaxiencluster. Der Galaxiencluster im Eridanus verteilt sich hauptsächlich um drei helle Galaxien, NGC 1407, NGC 1395 und NGC 1325. Ich suche NGC 1325 auf.
Mittlerweile ist es schon 1 Uhr morgens, das Seeing ist etwas besser geworden und das Rauschen des Windes hat merklich abgenommen, es wirkt alles ruhig. Ich kann sogar meine Loseblatt-Sammlung an Aufsuchkarten gefahrlos liegenlassen ohne dass diese wegfliegen. Die Temperatur liegt bei -2° und die rF bei ca. 60%.



Ich versuche mich wieder bei NGC 1886, eine edge-on Galaxie im Sternbild Hase, nördlich vom Kugelsternhaufen M79.
Das Sternbild Zwillinge (GEM) steht recht günstig am Himmel. Ca. 1° östlich des optischen Doppelstern Mekbuda befinden sich zwei wechselwirkende Galaxien.
Als nächster Kraftakt gilt es einen Abstecher in den Fornax Galaxiencluster zu machen. Ich entscheide mich bei der großen Galaxie NGC 1399 anzufangen. Von hier aus sind 11 helle Galaxien in einem Umkreis von 1° leicht zu sehen.
Das Sternbild Puppis ist endlich ausreichend hoch genug und ich kann ein langersehntes Objekt in aller Ruhe erstmalig beobachten. Es handelt sich hierbei um das wechselwirkende Galaxienpaar NGC 2207/IC2163.
Ein Versuch Sirius B zu trennen scheitert aus mehreren Gründen. Zum einem ist das Seeing nicht ausreichend gut und die Spikes verlaufen von West nach Ost. Außerdem bin ich mir nicht sicher wie weit entfernt Sirius B von Sirius ist. Mittlerweile ist es 3:30 Uhr und ich beschließe mit M93 in die Endrunde zu gehen.
Ein wenig südöstlich von M93 befindet sich der offene Sternhaufen Haffner16 (Haf16).
Mit dieser Beobachtung endet gegen vier morgens meine Beobachtungsnacht bei -0,5°Cels. und 60% rF. Schön wars!

William Herschel Teleskop, Dutch Open Telescope, Skandinavian Solar Telescope


Im Hintergrund der Pico de Teide, 3718 Metern hoch, auf der Insel von Teneriffa


Das Gran Telescopio Canaria (GranTeCan, 10,3m).


Fenster schließen