Bericht vom 24.11.2011 (Insel La Palma)

1. Beobachtungsnacht: Eine erfolgreiche Beobachtungsnacht trotz schlechtes Seeing und einer nur mäßigen Transparenz

Ort: La Palma (Llano de las Animas) ca. 2000 Höhenmeter
Datum: Donnerstag 24.11.2011, 22:00 bis 03:30
Wetter: klar, windstill, schlechtes seeing (ab 3 Uhr etwas besser), 3°, 90% rF,
im Südwesten und Westen dichte Zirren, schlechte Transparenz, Jupiter hat einen schwachen Kranz
Grenzgröße: fst ca. 6m,5
Ausrüstung: 12 Zoll Reisedobson
Okulare: 20, 13, 9, 5mm
Kommentare: allein bei 2000m

Objekte: M72, M31, M110, N7293 “Helixnebel”, N7331, M15, M33, N246, Hickson16 (Gruppe von vier Galaxien), N1964 (Gx), M79 (Gx), N1886 (Gx, edge-on), Rosettennebel (NGC2237, 2238, 2239, 2246, 2244), B33 „Pferdekopfnebel“, Thors Helmet (N 2359, N2361,  IC468), NGC 1084 (Gx), NGC 1110 (Gx)
In der ersten Nacht zeigt sich die Insel wolkenverhangen. Die Wetterstation des Nordic Optical Telescope (NOT) auf dem Roque zeigt starken Wind und eine Feuchtigkeit von 100% (Nebel) an. Ich entscheide mich nicht auf den Roque hochzufahren und wähle stattdessen einen alternativen Beobachtungsplatz bei Puntagorda (Llanos de las Animas) auf ca. 2000 Höhenmeter. Die fahrt dorthin ist leicht abenteuerlich, aufgrund der Steigung drehen die Reifen gelegentlich durch. Gegen 22 Uhr klart der Himmel zunehmend auf. Es sind dennoch keine optimalen Bedingungen vorhanden. Im Westen und Südwesten verbleibt eine dichte Zirrenbewölkung. Die Feuchtigkeit ist mit 80-90% hoch. Teleskop und Okulare bleiben dennoch während der ganzen Nach frei vom Tau. Die Transparenz zeigt sich eher schlecht als recht, dies merkt man bei Grenzbeobachtungen sehr deutlich. Das Seeing ist eine Katastrophe, bei 100x ist i.d.R. Ende. Obwohl auf dem Beobachtungsplatz windstille herrscht, rauscht es unentwegt aus den höheren Lagen, dies erklärt vielleicht das schlechte Seeing.  Der Himmel zeigt gelegentlich pechschwarze Löcher, das sind die  Passatwolken im Westen und im Norden. Mangels Lichtverschmutzung erscheinen diese einfach nur schwarz! Die Milchstraße überspannt stattdessen hell den Nachthimmel und man muss aufpassen die vorbeiziehenden Zirren nicht für Dunkelwolken in der Milchstrasse zu verwechseln!



So schlecht sind die Bedingungen wohl doch nicht. Das Seeing erlaubt Streckenweise das 9mm Oklular (V=167, AP=1,8mm) zu nutzen. Man muss halt den richtigen Augenblick erwischen. Als nächstes Objekt nehme ich mir NGC 7293 vor,  auch bekannt als „Helixnebel“. Ich kenne das Objekt nur aus hochalpinen Standorten.
Ich ziehe weiter hellere Objekte vor wie M15, bei 75x löst sich der Außenbereich des Kugelsternhaufens bereits in zahlreichen einzelnen Sternen auf.
Als nächstes Objekt stelle ich NGC 246 ein, ein prominenter PN auch unter dem Eigennamen „Skull Nebula“ bekannt.
In der Hoffnung das Seeing könnte besser geworden sein, versuche ich mich an einer der leichteren Hickson Galaxiengruppe.
Mittlerweile ist es schon nach Mitternacht, der Wind rauscht immer noch laut in den höheren Lagen. Das Sternbild Orion flackert in der unruhigen Luft und bei 75x flackert der Orionnebel im Okular. Es ist fast unmöglich das Trapezium im Okular scharfzustellen.

Unterhalb des Sternbildes Hase suche ich die Galaxie NGC 1964. Bei meinem Stammplatz in den bay. Voralpen kein leichtes Objekt, da so tief am Horizont.
Etwas nördlich des prominenten Kugelsternhaufen M79 befindet sich mit NGC1886 eine interessante edge-on Galaxie mit einem Achsenverhältniss von 8:1. Aufgrund der mangelnde Transparenz zeigt sich herzlich wenig von der Galaxie, ich hatte mir etwas mehr erhofft als nur ein schwaches Aufblitzen eines langen Strichs nahe an einer Sternkette aus vier Mitgliedern. Da der Himmel vom Seeing und von der Transparenz bei kleinen lichtschwachen Objekten nicht viel hergibt, verbleibe ich bei "hellen" und großen Objekten.
Als letzte Objekte stelle ich die Galaxie NGC 1084 im Sternbild PSA ein. Die Galaxie wirkt sehr hell, elongiert und mit einem etwas unruhigem Zentrum. Stattdessen zeigt sich NGC 1110 kaum, eine edge-on dessen Sichtung mir nicht ganz sicher gelingt und ich auf eine hoffentlich bessere Nacht verlege. Um 3:30 Uhr beende ich diese etwas durchwachsene Beobachtungsnacht bei +4° und 90% rF. Mittlerweile ist es ruhig geworden, es herrscht auch in den höheren Lagen absolute windstille. Das Seeing ist seit 3 Uhr morgens etwas besser geworden. Bei 115x lassen sich die Sterne gut fokussieren. Ich packe ein und schaue dabei immer wieder zum Nachthimmel empor. Wahnsinn was dort an vielen Sterne zu sind.




Mirador de los Andenes: starker Wind und immer wieder Nebel machen es in den ersten beiden Nächten
unmöglich auf dem Roque zu beobachten, trotz beindruckende Sicht nach Süden



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