Bericht vom 02.11.2011

Eine geniale Herbstnacht mit 16 Zoll

Ort: bay. Voralpen bei ca. 1200 Höhenmeter
Datum: Samstag 02.11.2011 ab ca. 23 Uhr Uhr bis morgens 5:30 Uhr
Wetter: klar, trocken,  Temp. 6° und 55% rF,
Grenzgröße: fst 6m7 ( zwei Sterne im Kasten des kleinen Wagens)
Ausrüstung: 16 Dobson
Okulare: 26, 20, 13, 9, 7,  und 5mm
Filter: [OIII], UHC
Kommentare: Chris W. bis ca. 1 Uhr dabei

Objekte: HCG 93, HCG 10, IC 2149, Jupiter, M1 "Krebsnebel", Pal 2, NGC 2261 "Hubble‘s Variable Nebula", Rosettennebel, NGC 1999 "Schlüssellochnebel", B33, Sh 2-276 "Barnard's Loop", NGC 2359 "Thor’s Helmet", NGC4565 "Needle Galaxy". Negative Sichtung: NGC 2242 (PN)
Mit dieser letzten Beobachtungsnacht endet für mich eine beobachtungsintensive Neumondphase. Es waren insgesamt sieben Beobachtungsnächten, davon einige mit sehr guter Transparenz. Es wurden zahlreiche Beobachtungen mit verschiedenen Teleskop-Öffnungen (3“, 8“, 12“, 16“) und Ferngläser (8x30, 10x50 und 15x70) getätigt. Beginn dieser letzten Beobachtungsnacht ist kurz nach Monduntergang um 23:30 Uhr. Startschuss für diese Nacht sind zwei hellen Galaxiengruppen aus dem Hicksonkatalog, eine im Sternbild Pegasus die andere im Sternbild Andromeda.

Hickson 93, HCG 93, URA2 S. 64 L, R.A 23h 15min; Dekl. +18° 58‘
Besteht aus fünf Mitgliedern (NGC 7550, 7547, 7549, 7553 und 7558) wobei NGC 7550 die hellere Galaxie der Gruppe ist und im 20mm Übersichtsokular (V=90, AP=4,4mm) als heller runder Nebelfleck mit einer schwachen zentralen Aufhellung auffällt. Steigert man die Vergrößerung auf V=138 (AP=2,8mm) dann zeigen sich die weiteren Mitglieder NGC7547 und NGC 7549. NGC 7549 zeigt sich als stark elongierte Galaxie und ist die größere der Gruppe. Ich habe nun drei von fünf Galaxien visuell erreicht. Etwas schwieriger wird es mit den letzten beiden Mitglieder NGC 7553 und NGC 7558. Erst ab einer Vergrößerung von V=200 konnte ich beide Galaxien sicher ausmachen. Mit V=257 konnte ich die beiden schwächsten Mitglieder mit direkten Sehen sicher halten. Es sind nun fünf Galaxien von fünf zu sehen.

Hickson 94, HCG 94, URA2 64 L, R.A. 23h 17min; dekl. +18° 42’
Über diese Gruppe stolpert man unausweichlich wenn man HCG 93 aufsucht. HCG 94 besteht aus sieben Mitgliedern und gehört zu den eher leuchtschwächeren Galaxiengruppen des Katalogs, wobei die beiden Komponenten NGC 7578 A/B bereits mit mittlerer Öffnung zu sehen sind. In der Gruppe konnte ich sicher drei Komponenten ausmachen, nach den restlichen vier habe ich nicht mehr gesucht. HCG 94 war in dieser Nacht nicht wirklich mein Ziel sondern eher „Beifang“.

Hickson 10, HCG 10, URA2 S. 62 L, R.A. 1h 26 min; dekl. +34°45‘
Hickson 10 gehört zu den helleren Galaxiengruppen des Katalogs, besteht aus vier Mitgliedern und ist m.E. auch mit mittleren Öffnungen ohne weiteres machbar. Die Gruppe verteilt sich locker im Gesichtsfeld. Im Übersichtsokular (V=90) sind bereits zwei von vier Mitgliedern einfach zu erkennen. NGC 536 und NGC 529 sind die helleren der vier, wobei NGC 536 auch die Größte Galaxie der Gruppe ist. Mit V=138 (AP=2,8mm) wird die dritte Komponente NGC 531 sichtbar. Erhöht man die Vergrößerung mit z.B. V=257 (AP=1,5mm) wird auch die vierte und letzte Komponente visuell erreichbar. Insgesamt eine eher einfache Gruppe für ein 16“-Newton.

IC2149, PN, Auriga, URA2 S. 66, R.A. 5h, 56min; dekl.+46°06‘, 10m, 15“x10“
Ein einfacher und heller PN für ein 16“-Newton Teleskop. Vergrößert man hoch genug dann zeigt sich eine helle kleine Scheibe. Ich meine sogar einen äußeren schmalen Kranz oder Schale um den PN gesehen zu haben. Der PN reagiert sehr gut auf einen [OIII]-Filter. Bei schwacher Vergrößerung zeigt sich der PN nahezu stellar. Aufgrund der Helligkeit des Objektes sollte der PN m.E. auch mit einem 8“-Newton relativ problemlos beobachtbar sein.

Jupiter
Gegen 2 Uhr morgens beobachte ich wie der Mond Europa hinter der Jupiterscheibe verschwindet. Das Ende der Bedeckung gegen fünf Uhr morgens verpasse ich, weil ich mich stattdessen im galaktischen Nebel Rausch befinde.

NGC 2242, PN, AUR, URA2 S. 41, R.A. 6h34min; Dekl. 44°47‘, 12,7m 22“x22“
Diesen PN konnte ich nicht finden. Mit einer vergleichbaren Größe wie der vorherige PN IC 2149 bin ich der Meinung NGC 2242 ähnlich leicht auffinden zu können, funktioniert leider nicht. Mangels exakter Aufsuchkarte ist es für mich ein Ratespiel die richtige stellare Aufhellung zu erwischen,  da sich der PN erst bei mittlerer Vergrößerung als Scheibe zeigen könnte. Ich verbuche eine negative Sichtung.

Es zieht für ca. 30 Minuten ein schwaches Wolkenband durch. Ich gönne mir eine kurze Pause und ordne kurz meine bevorstehenden Beobachtungen. Im Westen klart es wieder auf und ich beobachte NGC 404 „Mirachs Geist“ und M31 die „Andromedagalaxie“. Bei M31 fallen zwei helle „Wolken“ südlich und nördlich der Galaxie auf, eine davon ist NGC206, aber die zweite? In der Andromedagalaxie zeigt sich neben der beiden dunklen Staubbänder ein weiteres schmales und zartes drittes Staubband im äußeren Bereich. Die Bedingungen werden wieder zunehmend besser. Es geht weiter! Im Kasten des kleinen Wagen funkelt ein Sternpaar auf, laut Grenzgrößenkarte im DSRA stehe ich unter einem Himmel mit einer Grenzgröße von mind. fst 6m7.



Messier 1, „Krebsnebel“, SNR, Tau
Der Krebsnebel steht hoch im Zenit sehr günstig. Mit verschiedenen Vergrößerungen (V=138-257) mit und ohne [OIII]-Filter fühle ich dieser SNR ein wenig auf dem Zahn. M1 wirkt dabei sehr groß, elongiert und hell, das Zentrum wirkt dabei etwas heller und sehr unruhig. Es flackern immer wieder helle und dunklere Zonen im inneren des Nebels auf. Mit [OIII]-Filter und bei V=257 sind wiederholt helle Streifen in der Längsachse des Nebels zu erkennen. Es zeigen sich vereinzelt schwache Verästelungen und Filamente im inneren des Nebels, diese wirken sehr unruhig und lassen sich schwer direkt halten. Bei V=257 ploppen vermehrt Aufhellungen auf um dann wieder zu verschwinden. Es scheint als möchte der Nebel nicht alles von sich preisgeben wollen. In dieser Nacht ist M1 ein wahres visuelles Spektakel aber auch sehr komplex hinsichtlich seiner Details!

Palomar 2, GC, AUR, URA2 S. 59, R.A. 4h46min; dekl. +31°22‘, 13m, 1,7’x1,7
Diesen schwachen Kugelstrernhaufen habe ich bereits Anfang Oktober auf der EWS zur späten Stunden versucht aber nicht sicher gefunden und die Beobachtung mit einem „?“ versehen,  deshalb hier der zweite Versuch. Dieses mal mit exakter Aufsuchkarte ist der Kugelsternhaufen bereits im Übersichtsokular als ein rundes schwaches Schimmern sicher zu erkennen. Es ist keine deutliche Konzentration zur Mitte hin erkennbar. Das Objekt wirkt eher wie ein diffuser Nebelfleck, sein inneres wirkt etwas unruhig. Den besten visuellen Eindruck erhalte ich bei V=138 und einer AP von 2,8mm. Egal ob bei schwacher oder mittlerer Vergrößerung, das Objekt bleibt immer nur als ein schwaches Schimmern wahrnehmbar.

Mittlerweile kulminieren die Wintersternbilder im Süden. Ich nehme mir einige Gasnebel südlich der Zwillinge vor!

NGC 2261, „Hubble‘s Variable Nebula“, GN, Mon, URA2 S. 95, R.A. 6h39min; Dekl.+8°44’
Im Übersichtsokular zeigt sich schon auffällig ein kleines dreieckiges Nebelfleckchen. Bei V=200 und ohne Filter zeigt sich stattdessen ein heller dreieckiger Nebel an dessen Spitze im Süden eine stellare Aufhellung beobachtbar ist, unklar ist ob man hier tatsächlich den Stern R-Mon sieht oder ob dieser noch vom Nebel bedeckt ist. Im Osten zeigt sich eine helle scharfe Kante die von Süden nach Norden verläuft. Der Nebel öffnet sich von Süden ausgehend nach Norden wie ein Fächer und schwächt sich dabei nach Norden hin ab. Im 16‘“-Newton ein echtes visuelles Schmankerl. Der Nebel müsste m.E. auch im 8“-Newton problemlos visuell erreichbar sein. Ich werde die Beobachtung  mit dem 8"-Newton bei nächster Gelegenheit versuchen und berichten.

Rosettennebel (NGC 2237, NGC 2238, NGC 2239 und NGC 2246) mit OC NGC 2244
Mit dem 26mm Okular (V=69, AP=5,7mm)  zeigt sich okularfüllend ein breiter ringförmiger sehr stark strukturierter Nebel mit dunkle Verästelungen im Nordwesten. In seiner Mitte ist der Offene Sternhaufen NGC2244 eingebettet. Man kann im Okular deutlich nachvollziehen wie der Nebel durch den Sternhaufen weggeblasen wird! Im Norden wirkt der Nebel sehr hell und breit, ostwärts etwas schwächer und diffuser, wird aber breiter. Nach Westen hin sind Strukturen in Form von dunklen Verästelungen zu sehen. Im Süden scheint der Nebel an einem Ende geöffnet zu sein und der Sternhaufen scheint hier den Nebel ins weite Weltall zu verlassen, als würden die Sterne herausfließen. Mit [OIII]-Filter wirkt der Nebel zwar etwas kontrastreicher, aber die äußeren schwachen und diffusen Bereiche im Westen und Osten gehen dabei etwas verloren. Insgesamt eine riesige helle Nebelregion mit zahlreichen Details, ein wahres Spektakel!



NGC 1999, „Schlüsselloch“, GN, Ori
Der Schlüssellochnebel ist ab einer Vergrößerung von V=257 und ohne Filter sehr einfach zu sehen. Die nordöstliche Hälfte zeigt sich deutlich heller, im Zentrum zeigt sich ein heller Stern, westlich vom Stern zeigt sich das Schlüsselloch als dunkler Nebel sehr deutlich. Der Rand des Dunkelnebels hebt sich sehr gut und scharf vom hellen Hintergrund ab. Eine beindruckendes visuelles Schauspiel, insb. wenn einem das HST-Bild bekannt ist, und dies mit dem Okularnanblick vergleicht, da gibt einen extra Schub an Endorphine.

Als großes Finale ziehen noch folgende Objekte im zehn minutentakt durch das Okular:
-B33 „Pferdekopfnebel“ mit Hß-Filter und V=69, sehr einfach und kontrastreich. Kopf, Schnauze, Mähne und Hals des Pferdes sehr deutlich zu erkennen.
-Sh 2-276 „Barnard‘s Loop“ mit Hß-Filter als zartes Schimmern und leicht gekrümmt östlich der Gürtelsterne im Orion zu verfolgen.
-NGC 2359 „Thor’s Helmet“, ein Wolf-Rayet-Nebel im Sternbild Monoceros, mit [OIII]-Filter und bei V=138 sehr kontrastreich zu sehen. Im inneren der Blase sind Aufhellungen unf vereinzelte Filamente zu erkennen. Der Nebel ind insb. die Blase im Zentrum wirkt sehr plastisch und strukturiert.
-Um fünf Uhr morgens noch einen Blick in den „Frühling“ und mit NGC 4565 „Needle Galaxy“ und seinem Staubband die Beobachtungsnacht beendet.

Es kann ein wenig verwirrend wirken, im Westen stehen noch die Wintersternbilder, im Osten zeigen sich die Frühlingsternbilder, und wir befinden uns gerade zu Beginn des Herbstes. Mit diesem letzten Gedanke geht eine geniale Nacht zu Ende mit beindruckende visuelle Schauspiele wie eine Mondbedeckung durch einen Gasriesen oder die Beobachtung von hellen Galaxiengruppe, entfernte Kugelsternhaufen, sterbende Sonnen und ausgedehnte Nebelregionen als Geburtsstätten von neuen Sterne. Es war eine Nacht zum niederknien.












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