Bericht: 02.08.2011

Eine Nacht auf der Edelweißspitze

Ort: Edelweißspitze bei 2571 Höhenmeter
Datum: Dienstag 02.08.2011 von 22:30-4:00 Uhr
Wetter: windig, klar, feucht
Temp. ca. +8° Cels. und 90% rF. (ab 3 Uhr rF bei ca. 50%)
Ausrüstung: 16 Zoll Dobson
Okulare: 26mm, 20mm, 13mm, 9mm,  7mm und 5mm
Filter: OIII (Baader), UHC (Lumicon), Hß (Astronomik)
Sternkarte: Pocket Sky Atlas (PSA), Deepsky Reiseatlas (DSRA), Uranometria 2
Kommentare: Anwesend waren Uwe mit 27 Zoll, Christian mit 12 Zoll und Friedl mit 10 Zoll (f/4,5)

Objekte:
Kugelsternhaufen: Pal 7 (IC1276), Pal 8, Pal 9 (NGC6717)
PN: Abell 50 (NGC6742), NGC6804
Galaktische Nebel: Cirrusnebel, Nordamerikanebel, Crescentnebel, Gamma Cygni Nebel uvm.
negative Sichtungen: NGC 6803 (PN im AQL), UGC11455 (Gx im Dra), Sh2-112
Es war mal wieder eine Beobachtungsnacht der besonderen Art dort oben auf der Edelweißspitze umgeben von mehreren 3000er. Bereits die Fahrt dorthin war nicht einfach, so versagte für kurze Zeit die Kupplung meines Fahrzeuges bei Kehre Nr. 13 auf ca. 2000 Höhenmetern. Aber irgendwie hat es mein Fahrzeug doch bis zum Gipfel geschafft. Gott sei dank! Nach einem gemeinsames Abendessen bei der Edelweißhütte ging es dann zum Parkplatz um die Teleskope aufzubauen. Wir waren die einzigen Sterngucker weit und breit in dieser Nacht.









Um 21 Uhr konnte man die dünne Mondsichel untergehen sehen und gegen 22:30 schimmerte bereits die Milchstrasse am Nachthimmel. Zum warm werden wurden helle Objekte wie M13, Schwannebel, Trifidnebel, Wildentenhaufen, ecc. beobachtet. Ein echter Hingucker war natürlich auch in dieser Nacht die enge Begegnung des Kometen C/2009 P1 (Garradd) mit Kugelsternhaufen M15 im Sternbild Pegasus. Hierfür bedarf es mittlerweile zur erfolgreichen Sichtung des Kometen nicht einmal einer vollständig dunklen Nacht.



Gegen 23 Uhr legte ich meinem Beobachtungsprogramm los. Wer will kann sich die Beobachtungsliste hier runterladen. Es ist eine buntgemischte Beobachtungsliste. Alles konnte ich in dieser Nacht nicht beobachten.

IC1276 (Palomar 7)
Den Anfang machte der Kugelsternhaufen IC1276 (Pal 7). Dieser war relativ einfach zu beobachten. Zum Starhopping nutze ich die benachbarten Kugelsternhaufen N6517 und N6539. IC1276 zeigte sich als schwaches glimmern mit einer nicht vorhandenen Konzentration zur Mitte hin. Das Objekt zeigt sich auch leicht oval in ost-west Richtung. Der Kugelsternhaufen war problemlos auch mit mittelhoher Vergrößerung zu  beobachten. Ich war über die Größe des Objektes etwas überrascht. Hatte ich mir IC1276 deutlich kleiner und schwächer vorgestellt. Mit einer Helligkeit von ca. 10,5 mag und guter Horizontsicht sollte das Objekt m.E. auch mit deutlich kleineren Geräten zu beobachten sein.

Palomar 8
Der Kugelsternhaufen ist im 20mm Okular bereits gut zu erkennen. Es zeigt sich ein unruhiger grauer und runder Nebelfleck. Bei mittelhoher Vergrößerung sind keine Einzelsterne erkennbar, vielleicht eine schwache Melierung. Auch dieser Kugelsternhaufen -wie auch IC1276-  zeigt keine Konzentration zur Mitte hin, und auch auch dieses Objekt gehört mit einer Helligkeit von ca. 11,2 mag zu den eher helleren Kugelsternhaufen des Palomar-Katalogs.

NGC6717 (Pal 9)
Ein sehr  einfaches Objekt; klebt doch dieser Kugelsternhaufen nahezu an den ca. 6 mag hellen Stern 35ν Sagittarii. Der Kugelsternhaufen zeigt sich hell, klein, rund und fleckig. Es ist eine schwache Konzentration zur Mitte hin zu erkennen. Mit ca. 9 mag ein sehr helles Objekt.

Ein sehr guter Einsteig zur Beobachtung des Palomar Kugelsterhaufen-Katalogs bietet diese Seite hier




Zwischendurch machte ich eine  längere Pause im Sternbild Schwan und beobachtete seine ausgedehnten Nebelregionen. Der Cirrusnebel zeigte sich mit OIII-Filter  äußerst reich an Details, nahezu plastisch! Der Gamma-Cygni-Nebel (IC1318) legte noch mal eine ordentliche Schippe an Details zu ggü. der vorangegangen Nacht. Selbst im 10 Zoll Gerät von Friedl waren noch zahlreiche Details zu erkennen. Ein echter Hingucker! Der Nebel Sh2-112 im Sternbild Schwan blieb mir trotz mehrere Versuche mit OIII-Filter leider verborgen.
 
NGC 6742, Abell 50
Dieser PN war relativ einfach im Sternbild Drachen gefunden. Mit einer Größe von 30x30 Bogensekunden war das Objekt im 20mm  Okular bereits als helle Scheibe zu erkennen. Südwestlich flankiert ein 9 mag Stern das Objekt. Es zeigt sich ein grauer homogener und runder Nebelfleck Mit OIII und UHC waren dem PN keine zusätzlichen Details zu entlocken. Irgendwie ein faszinierendes Objekt. Mit 11,7 mag sollte m.E. der PN auch mit deutlich kleineren Teleskopen zu beobachten sein. Lohnt sich sehr.

UGC11455, Gx im Dra
Eine edge-on Galaxie mit einem Achsenverhältniss von 6:1 im Sternbild Drachen. Mehr als ein gelegentliches Aufblitzen an der entsprechenden Stelle konnte ich leider nicht sehen. Ich hatte mir deutlich mehr erhofft.

NGC6804, PN im AQL
Bereits im 20mm Okular und ohne UHC/OIII Filter ist ein länglicher fächerförmiger Nebelfleck zu erkennen. Bei mittelhoher Vergrößerung zeigt sich der PN weiterhin länglich und geht deutlich als ein Fächer hervor. In der Spitze des Fächers sind zwei kleine Sterne zu erkennen.  Mit einer Größe von 62“x 49“ fällt der PN auch nicht gerade klein aus. Ein insgesamt sehr schönes und lohnendes Objekt. Den benachbarten PN NGC 6803 konnte ich leider nicht finden.

Zur später Stunde hatte ich noch versucht die Hicksongruppe 93 im Sternbild PEG zu beobachten. Irgendwie fehlte mir die notwendige Geduld und Motivation, sodass ich die Beobachtung unterbrach. Alles im allem war es wieder eine exzellente dunkle Nacht unter hochalpinen Himmel und in unterhaltsamer Gesellschaft. Lediglich der Wind und das schlechte Seeing trübten ein wenig den sonst hervorragenden Gesamteindruck dieser Nacht. Es hat sich mal wieder gelohnt!

Anbei ein paar Eindrücke von der Edelweißspitze:





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