Bericht: 26.07.2011

Von extragalaktische Kugelsternhaufen und Galaxien

Ort: bay. Voralpen, ca. 1200 Höhenmeter
Datum: Dienstag 26.07.2011  23:00 Uhr bis ca. 2 Uhr
Wetter: schwacher Wind, ca. +7° Temp., 80% rF, 21,15 mag/sas, seeing mäßig bis streckenweise gut, gelegentlich wolkig im südwesten
Ausrüstung: 8 Zoll Dobson
Okulare: 20mm, 13mm, 9mm und 7mm
Sternkarte: Pocket Sky Atlas und Deepsky Reiseatlas (DSRA)
Kommentare: Friedl mit 10 Zoll Reiseteleskop

Objekte
Kugelsternhaufen: N6287,  N6284, G1 (Mayall II)
Galaxien:  N7457, N7640, 7331 und Stephan’s Quintett (HCG 92)
Offene Sternhaufen: N7686, N7296
PN: N7662
Endlich wieder eine klare Nacht. Als Beobachtungsgebiet im Juli hatte ich mir ein Gebiet östlich vom Sternbild Skorpion, südlich des Schlängenträgers und westlich vom Sternbild Schützen ausgesucht. Dort wollte ich mehrere Kugelsternhaufen (KS) aus der Herschel 400 Liste beobachten wie NGC 6235, N6287, N6284, N6293, N6304, N6316, N6355 ecc. Interessanterweise alle in einem Umkreis von ca. 10 grad.





Kugelsternhaufen N6287 und N6284
Die KS N6287 und N6284 waren schnell mit dem 20mm (V=60, wGF 1,37°, AP=3,33mm) Übersichtsokular gefunden. Sie befinden sich nur wenige Grad auseinander. NGC 6284, der kleinere aber m.E. etwas hellere KS, befindet sich wenige grad südlich von N6287. Nordwestlich von N6287 ist im Übersichtsokular ein ausgedehntes Gebiet ohne einen einzigen Stern zu sehen; wahrscheinlich ein Dunkelnebel.

Gegen 23:30 zogen genau in meinem Beobachtungsbereich Wolken auf. Zu dumm dass ich keinen echten Plan B hatte. Zur Überbrückung beobachtete ich einige eher unscheinbaren Galaxien im Pegasus wie N7457 und N7640 oder offene Sternhaufen wie N7686 und 7296 im Sternbild Andromeda und Lacerta.

Stephan's Quintet / Hickson 92
Ich versuchte mich auch an Stephan's Quintet (Hickson 92). Im ersten Versuch hatte ich leider keinen Erfolg. Ohne eine genaue Aufsuchkarte war es eher ein Ratespiel. Etwas später musste ich feststellen, dass auf Karte 15 des DSRA eine ausreichend gute Ausschnittsvergrößerung vorhanden war.



Im zweiten Versuch und mit Hilfe der DSRA-Aufsuchkarte für Stephan's Quintet konnte ich relativ schnell die Galaxiegruppe ca. 0,5° südlich von NGC7331 ausfindig machen. Im 13mm Okular (V=92, wGF 0,89°, AP=2,17mm) war an der entsprechenden Stelle ein unruhiger schwacher Nebelfleck zu sehen. Bei längeren hinsehen lies sich der Nebelfleck in drei Flecken  teilen (N7320, N7318A/B, N7319). Durch Stufenweise Erhöhung der Vergrößerung bis V=171 (wGF 0,48°, AP=1,17mm) war noch ein vierter Nebelfleck ersichtlich. Im 5mm Okular (V=240, wGF 0,34°, AP=0,83mm) ging der Galaxiengruppe dann allmählich das Licht aus. Es waren nur noch NGC 7320 und 7318A/B sicher zu sehen. N7318A/B waren auch bei V=240 nicht zu trennen. Im Ganzen für mich eine beeindruckende Beobachtung in dieser Nacht, wenn man bedenkt das ich in 2009 bei wesentlich besseren Bedingungen und  mit 12 Zoll Gerät ein Hauch von nichts gesehen hatte. Im Vergleich war die Galaxiengruppe mit 16 Zoll und bei exzellenten Bedingungen auf der Bielerhöhe ein Kinderspiel.

Planetarische Nebel N7662 „blauer Schneeball“
Zur Abwechslung wurde der Planetarische Nebel N7662 „blauer Schneeball“ ohne Filter (UHC/OIII) beobachtet. Im 20mm Übersichtsokular war bereits eindeutig eine helle Scheibe zu sehen. Mit dem  5mm Okular (V=240, wGF 0,34°,  AP=0,83mm) zeigte sich eine schwache und dünne äußere Hülle um das helle Zentrum. Eine höhere Vergrößerung und ein Filter wären vielleicht hilfreich gewesen um das eine oder andere Detail zu erkennen. Ich wollte mir aber nicht die Mühe geben.

Tief im Osten war bereits Jupiter aufgegangen. Bei mittlere Vergrößerung waren die beiden äquatorial Bänder gut zu erkennen. Von den vier Galileischen Monden waren nur drei zu sehen.

Kugelsternhaufen G1 (Mayall II)
Als letzte Amtshandlung wurde noch der Kugelsternhaufen G1 (Mayall II) in der Andromeda Galaxie aufgesucht und beobachtet. Mit dem vorhandenen Ausschnittsvergrößerungen aus dem DSRA (Karte 8) war ich mit dem 20mm Übersichtsokular relativ schnell im Zielgebiet. Mit dem 13mm Okular (V=92, wGF 0,89°, AP=2,17mm) war G1 auch recht schnell und sicher identifiziert. Der Kugelsternhaufen hebt sich m.E. bei entsprechender Vergrößerung (hier V=92) relativ deutlich zu den umliegenden Sternen ab. G1 zeigt sich als eine wenige Bogensekunden große Scheibe. Bei höheren Vergrößerungen meinte ich sogar eine Aufhellung zur Mitte hin zu erkennen -was für die allermeisten Kugelsternhaufen nicht unüblich ist. Ich war etwas erstaunt wie einfach ich das Objekt gefunden hatte. Mit 12 Zoll Öffnung und mit hervorragenden Beobachtungsbedingungen auf der Insel La Palma konnte ich das Objekt nicht so schnell auffinden. Weiterführende Informationen zur visuellen Beobachtung von G1 findet man auch hier.

Mit der Beobachtung von G1 (Mayall II) und Stephan's Quintet (HCG 92) konnte ich eine ansonsten planlose Nacht dennoch als erfolgreich aufwerten. Während der Heimfahrt beobachtete ich im Nordosten den aufgehenden Mond als eine dünne orangefarbene Mondsichel. Sah saugeil aus!

Fenster schließen