Bericht: 02.04.2011

Der Frühling zeigt sich schwungvoll von seiner besten Seite

Ort: bay. Voralpen bei ca. 1200 Höhenmeter
Datum: Samstag 02.04.2011
Wetter: klar, trocken, Temp. ca. +11° Celsius, fst +6,5
Ausrüstung: 16 Zoll Dobson
Okulare: 20mm, 13mm, 9mm, 7mm und 5mm
Filter: [OIII], UHC
Kommentare: dabei Uwe, Manuel, Friedl, Marc, Christian, Frank und weitere

Galaxien: N3184, N2964/2968/2970, N3147, N2974, N3735, M104,
Galaxiengruppen: N3158, HCG 44, HCG 40, HCG 55, HCG 62, HCG 82
Superthin Galaxien: N5529
Gasnebel: N6888, N7000, Cirrusnebel
Der Frühling zeigte sich am ersten Wochenende im April bereits äußerst schwungvoll mit viel Sonnenschein und angenehme Temperaturen. So war es auch eine sehr angenehme und schöne Frühlingsnacht mit +12° Celsius, klaren Himmel, geringe Luftfeuchtigkeit, gute Transparenz und ein brauchbares seeing. Beste Zutaten für eine lange und schöne astronomische Nacht. Von Abenddämmerung zu Morgendämmerung dauerte die astronomische Nacht ca. 9 Stunden. Der Beobachtungsplatz zeigte sich dementsprechend gut besucht. Bereits acht Spechtler waren den Ruf dieser bevorstehenden guten Nacht gefolgt. Weitere Spechtler folgten noch bei fortgeschrittener Nacht.



Als „entrée“ wurden erstmal ein paar helle Galaxien beobachtet.

NGC 3184, Spiralgalaxie im Sternbild UMa, mag. 9,8, URA2 S. 39
Im Übersichtsokular (20mm) zeigt sich eine zentrale Aufhellung umgeben durch ein schwaches Halo. Bei mittelhoher Vergrößerung zeigen sich Ansätze von zwei Spiralarmen. Ein Arm windet sich von Süden nach westen hin, ein weiter von norden nach osten hin. Im norden befindet sich ein Stern ganz dicht am Halo der Galaxie. Zwei weitere Sterne befinden sich nord-östlich.

Auf Zuruf von Marc wurde ein Galaxientrio beobachtet, bestehend aus einer Spiralgalaxie, eine irreguläre und eine elliptische Galaxie. Ein schönes Triplett.

NGC 2964, N2968 und N2970, Galaxientrio im LMi, mag 11,3/ 13,1/ 14,7,
URA2 S. 56
NGC2964 zeigt sich mit hellen Kern und elongierten Halo, NGC2966 ist schon etwas kleiner und deutlich oval und auch mit einer zentralen Aufhellung. NGC 2970, die kleinste des Trios, ist als kleiner heller Nebelfleck zu sehen. Alle drei Objekte sind im 9mm Okular beobachtet worden. Ich konnte ein Jahr zuvor das Triplett bereits im 12 Zoll Gerät erfolgreich beobachten.

Als nächstes wurde ein Galaxiencluster um NGC3158 im Sternbild LMi beobachtet, URA2 S. 55
Auf engsten Raum, in einem Rechteck von Sterne, tummeln sich zahlreiche Galaxien. Ich kann sicher sechs eindeutig trennen. NGC 3158 ist die hellste in der Gruppe und zeigt sich als elliptische Galaxie. Eine dreier Gruppe zeigt sich dicht in einer Reihe von Ost nach West. In der N-S Achse zeigen sich stattdessen einzelne Objekte. Es wurde mit mittelhoher Vergrößerung (9mm) beobachtet.

NGC3147, Spiralgalaxie –face-on- im Sternbild Dra, mag. 11,3, URA2 S. 14
Es handelt sich hierbei um eine Seyfert-Spiralgalaxie mit einem aktiven galaktischen Kern. Im Okular zeigt sich ein kreisrundes Objekt mit einer deutlichen zentralen Aufhellung. Der Kern ist durch einen sehr diffusen Halo umgeben. Östlich der Galaxie befinden sich im Feld drei Sterne. Die Galaxie wurde mit V=360 (5mm Okular) beobachtet.



Bei Marc wurde noch ein Blick mit seinem 15“ Obsession auf dem Medusanebel (Abell 21, NGC2395) geworfen. Im 17mm Okular und OIII Filter zeigt sich der Nebel sehr deutlich und kontrastreich.
Mittlerweile ist es schon Mitternacht. Auf dem Platz verhält es sich trotz dichten Gedränges diszipliniert. Gelegentlich hört man ausrufe der Begeisterung. Nach einem plausch und etwas Schokolade nehme ich mir ein paar Objekte aus dem Hickson Katalog für kompakte Galaxiengruppe vor. Zur Vorbereitung hatte ich mir daheim einige Ausdrucke aus der Internetpräsenz von Steve Gottlieb gedruckt. Diese hatten sich in den vergangenen Beobachtungsnächte zusammen mit den Karten der Uranometria 2 als sehr hilfreich erwiesen.

Als erstes Objekt stand HCG40 im Sternbild Hydra auf der Liste. Leider war HCG40 zu diesem Zeitpunkt schon etwas zu tief im Westen. Den optimalen Beobachtungszeitpunkt hatte ich somit schon verpasst. Dies hielt mich aber nicht davon ab, es zumindest zu versuchen.

HCG 40, Galaxiengruppe im Sternbild Hydra, URA2 S.113
Als Startpunkt nehme ich die Galaxie NGC2974 (Größe 3,4’x2,1’, mag 10,8) welche sich im Übersichtsokular als sehr hell, klein und auffällig an einem hellen Stern befindet. Der Stern tangiert die Galaxie südwestlich. Von dieses Galaxie ausgehend wandert man ca. 1,5° südwestlich und man ist dann relativ schnell im Zielgebiet. Im 20mm Okular zeigt sich ein undefinierbarer runder Knäuel. Ein kurzer Abgleich mit der vorliegende Aufsuchkarte von Steven-Gottlieb bestätigt mir die korrekte Position. Drei helle Sterne formieren sich zu einem Dreieck nördlich des Knäuels. Jetzt beginnt durch den Einsatz von zunehmender Vergrößerung der Versuch diesen undefinierbaren Knäuel in einzelne Komponenten zu trennen. Ich vergrößere bis V=360 (noch zu wenig für diese Gruppe) und sehe eine deutlich gebogene Aufhellung nach Süden hin (Komp. A, B, C und D). Komp. E kann ich nicht sicher sehen und bei Komp. B und C bin ich mir nicht sicher, ob ich diese korrekt trennen konnte. Es bleibt somit für mich bei den drei Komp. A sicher, B oder C sicher und D sicher gesehen. Indirektes Sehen und andauerndes Verbiegen der Augen war hier permanent gefragt.

Gegen 1 Uhr ging es dann weiter mit der nächsten Hickson-Gruppe.

HCG 55, Galaxiengruppe im Sternbild Dra
Als Startpunkt diente die Auffällige helle edge-on Galaxie NGC3735. Etwas ½ Grad nordwestlich der Galaxie ist die Kette zu finden. Diese HCG-Gruppe erwies sich als hartnäckig und schwer und ich konnte nach etlichen versuchen nur einen langgezogenen Streifen indirekt aufblitzen sehen. Der Streifen ist an beiden Enden schwach abgeknickt. Bei mittelhoher Vergrößerung (9 und 7mm) konnte der Streifen sogar indirekt kurz gehalten werden. An einer Auflösung in einzelne Komponenten war nicht zu denken. Für mich ein Objekt am Rande der Wahrnehmbarkeit.

NGC 3735, Galaxie im Sternbild Dra, 12,5 mag
Mit einem Achsenverhältnis von 4:1 zeigt sich bereits im Übersichtsokular (20mm) ein relativ auffälliger heller Strich im Okular. Im 5mm Okular zeigt sich eine zentrale Aufhellung in der Galaxie.

HCG 62, Galaxiengruppe im Sternbild Vir
HCG 62 ist im vgl. zu den vorherigen HCG-Objekten eine relativ einfache Gruppe. Bereits im Übersichtokular (20mm) ist die Gruppe als heller fleck eindeutig zu sehen. Im 13 mm Okular sind die Komponenten A, B und C sicher zu trennen. Komp. D erwies sich als etwas schwieriger. Südlich der Gruppe befindet sich ein heller Stern, etwa 10’ weiter südlich ist ein nadelfeiner Stern zu sehen. Dazwischen, ein wenig östlich, blitzt dann gelegentlich ein kleiner heller Flatschen auf. Das ist dann Komp. D, welche ich nur indirekt aufblitzen sehe.

Mittlerweile ist es 2:45. Die ersten Mitbeobachter haben schon eingepackt und sind die Heimreise angetreten. Ich bin noch fit, benötige aber etwas helles fürs Auge.

Ein kleiner schwenk zu M104 zeigt bereits im Übersichtsokular das Staubband. Im 7 mm wird die Teilung durch das Staubband sehr deutlich und breit. Die Asterismen "Stargate" und "Haifisch" in der Nähe durch einfaches sweepen mitgenommen.

Als nächstes wurde HCG 79 beobachtet.

HCG 79, „Seyferts Sextet“, Galaxiengruppe im Sternbild Serpens, URA2 S. 63
Eine nicht allzu schwere Gruppe für ein 16 Zoll Gerät. Im 20mm Übersichtsokular zeigt sich schon recht auffällig ein hellgrauer Knäuel. Im 7mm Okular (V=257) zeigt sich die Gruppe teilweise aufgelöst. Komponenten A und B können sicher getrennt werden. Die Komponenten C auch. Bei der Komp. E und D tue ich mich etwas schwer diese eindeutig festzunageln. Komp. E könnte nämlich auch „nur“ B gewesen sein. Bei Komp. D tue ich mich definitiv schwer die Sichtung zu bestätigen, da diese nur als hauchdünner Streifen bei Komp. A klebt. Als sicher kann ich vier Objekte sehen. Es fällt mir nur sehr schwer diese korrekt einzuordnen. Insgesamt ist diese Galaxiengruppe eine Augenweide.

Mittlerweile ist es 4:30Uhr, bis zur Dämmerung sind es noch ca. eine Stunde. Im Osten kündigt sich deutlich die Sommermilchstrasse an, das Sternbild Herkules kulminiert auch hoch am Nachthimmel. Ich beschliesse noch die Hickson Galaxiengruppe 82 zu beobachten.

HCG 82, Galaxiengruppe im Sternbild Herkules, URA2 S. 51
Im 20mm zeigen sich bereits die Komponenten A und B zwar etwas schwach aber dennoch eindeutig und getrennt. Bei mittelhoher Vergrößerung ploppt dann auch schon Komponente C auf. Bei V=257 (7mm Okular) sind A, B und C eindeutig zu sehen. Komponente D (mag 15,6-16,0, Größe 0,5’x0,2’) sehe ich leider nicht.



Die Milchstrasse ist nun schon recht hoch am Nachthimmel. Mit OIII Filter wurden noch ein paar Sommerhighlights beobachtet wie:

NGC6888: im 20mm Okular mit OIII zeigt sich der Nebel sehr kontrastreich, fast so groß wie ein Überraschungsei und strukturiert wie ein Schwamm. Die Ränder zeigen bereits filigrane Strukturen, an einem Ende deutlicher und breiter als am gegenüberliegendem Ende. Auch innerhalb des Nebels sind an einigen Stellen einzelne feine Filiamente zu sehen z.B. in der Mitte.

Cirrusnebel: der Sturmvogel, Pickering’s Wisp, und die Knochenhand waren sehr schön und kontrastreich zu sehen. Ca. 1° (oder mehr?) südlich der Knochenhand war sogar das kleine Nebelfetzelchen ohne Katalognummer zu sehen.

NGC7000: „Nordamerika-Nebel“, mit UHC-Filter und 20mm Okular entlang der Kanten hin und her gefahren.

Im 27 Zoll Gerät von Uwe erhaschte ich noch einen Blick auf die Spiralgalaxien M101, M81 und M109 und auf den Emissionsnebel M17 (Schwanennebel). Alle vier Objekte eine Wucht.

Um halb sechs war die Morgendämmerung voll im Gange. aus den ursprünglichen mehr als zwölf Spechtler sind nur noch vier übriggeblieben. Es wird eingepackt und nach Hause gefahren. Auf dem Heimweg noch ein paar Bilder geschossen. Alles in allem eine brauchbare Nacht. Es hat richtig spass gemacht und alles hat prima geklappt.






Venus im Morgengrauen






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