Bericht: 10. bis 13.10.2010

Drei Beobachtungsnächte auf der Edelweißspitze

Ort: Großglockner/Edelweißspitze bei ca. 2500 m.ü.d.M
Datum: Sonntag 10.10.2010 bis Mi. 13.10.2010
Wetter: klar, trocken,  Temp. mit minus ° C.
Ausrüstung: 16 Zoll f 4,5 Dobson
Okulare: 32mm, 20mm, 13mm, 9mm, 7mm und 5mm und gelegentlich mal 3,5mm
Filter: [OIII], [UHC]
Kommentare: dabei Uwe Glahn, Gerrit Hammersen, Christian aus Dachau und am Sonntag einige weitere Astronomen (visuell und fotografisch).

Objekte: M8, M17, N6751, M2, M71, M72, M73, N7009, M31, M57, M27, Komet103P/Hartley2, M13, N869/884, M33, N6834, N7314, N7293, N7377, N7479, N7723, N7727, N7724, N288, N253, N246, N247, M77, M74, M42, N2903, N7814, N100, N7492, N772, N770, N697, N691, N680, N672, IC1727, N784


Es waren mal wieder drei Beobachtungsnächte der Superlative an einem einzigartigen Ort bei über 2500 Höhenmetern. Für mich persönlich das zweite mal mit Teleskop im Glocknergebirge und das erste mal auf der Edelweißspitze. Abfahrt war für mich am Sonntag der 10.10.2010. Auf der Edelweißspitze waren schon seit Freitag einige Amateur-Astronomen anwesend wie Friedl, Uwe, Martin und Gerrit. Martin beendete seine Glockner-Expedition bereits am Freitag durch einen Riss der Achillesverse. Sein First Light auf der Edelweißspitze endete somit schon am Freitag im Hospital von Zell am See. An dieser Stelle wünsche ich Martin weiterhin eine gute und schnelle Genesung. Man sieht sich bestimmt bald wieder, hoffentlich am Okular.

1. Nacht (Sonntag 10.10.2010)

Oben am Berg wurde ich am Sonntag von einem beindruckenden Naturschauspiel überrascht. Der Nebel schob sich aus Süden über die Berge nach Norden (über das sog. Hochtor) und löste sich dabei beim herabfallen vollständig auf. So schön es auch aussah, erweis sich der Nebel später als eine echte Plage.

Nebel am Hochtor



Nebel am Sonnwelleck (ganz rechts, 3281m), im Hintergrund der Großglockner (3798m)


Monduntergang


Aufbau war bei Dämmerung.


Teleskoppark


Nebelfall


Den Anfang machte der Komet 103P/Hartley2. Der Komet war bereits bei schwacher Vergrößerung als heller Fleck mit Vollmonddurchmesser zu sehen. Das Zentrum war stark kondensiert, nahezu stellar. Die Koma hatte einen grünen Farbton. Als nächstes ging es zum Lagunennebel weiter (Messier 8) ohne Filter und etwas tiefer zum Schwanennebel (Messier 17, Omeganebel). Beide Nebel sehr detailliert und kontrastreich. Der Schwanennebel überzeugte mit OIII am besten. Ich konnte nicht nur den Schwan sehr deutlich erkennen, sondern auch die vielen kleinen Filamente  Drumherum, insb. im westlichen und südlichen Teil des Nebels. Die „dunkle Bucht“ am Hals war sehr deutlich und kontrastreich zu erkennen. Der Nebel war in dieser Nacht ein wahres Spektakel.

Leider wurden die Beobachtungen immer wieder von Nebelschwaden unterbrochen. Durch ein „Nebelloch“ hatte ich Gelegenheit ein paar Minuten auf NGC6751 zu halten,  ein Planetarischer Nebel (PN) im Sternbild AQL. Bei schwacher Vergrößerung bereits als helle Scheibe eindeutig zu erkennen. Bei V=300 zeigt sich rechts eine helle Aufhellung am Rande der Scheibe. Mehr ließ sich in der kurzen Zeit nicht beobachten.

Aufgrund der immer wieder aufziehenden Nebelschwaden blieb einem nichts anders übrig als immer nur den Himmelsaufschnitt zu beobachten der gerade frei war. Im folgendem wurden dann z.B.

Kugelsternhaufen M2 im AQR beobachtet: der KS zeigte sich sehr hell und kontrastreich. Ein echtes Schmankerl bei V=138.

Kugelsternhaufen M71 im Sge zeigte sich dagegen beinahe bis zum Zentrum hin aufgelöst. Im Hintergrund bleibt weiterhin ein schwaches glimmern zu sehen.

Kugelsternhaufen M3 im Aqr gab sich auch kurz die Ehre und das nahegelegene Sternmuster M73 wurde auch gleich mitgenommen. M73 bestehet aus drei hellen Sterne, welche ein gewöhnliches Dreieck bilden, in dessen inneren befindet sich ein weiterer Stern.

Als letztes Objekt wurde der PN NGC7009 (Saturnnebel) beobachtet, danach wurde eine Pause im Edelweißwirt eingelegt. Nach ca. einer Stunde mussten wir feststellen, dass zum Nebel nun auch noch ein kleiner Föhnsturm hinzugekommen war, damit brachen wir unsere Beobachtungen ab und packten alles ein. Die Beobachtungsnacht war damit dahin. Die Minustemperaturen und der Nebel hüllten die Teleskope und Autos mit einer Eisschicht ein. Als Kuriosum in dieser Nacht war ein echter knallharter Bursche (Name dem Autor mittlerweile bekannt), der seinen Schlaf trotz minusgrade und Wind, eingemummt in einem Schlafsack auf dem Parkplatz nahm. Respekt!

Milchstrasse gegen 21 Uhr



2. Nacht (Montag 11.10.2010):
Die zweite Nacht gehörte auf jeden Fall zu den besten. Es war eine sehr trockene Nacht. Der Wind war glücklicherweise zur Dämmerung eingeschlafen. Die  -6° Cels. waren nicht sonderlich zu spüren. Das Seeing in dieser Nacht schwankte von gut bis streckenweise sehr gut!

Erdschatten



Den Anfang machten in dieser Beobachtungsnacht einige Klassiker wie:

M31 (Andromedanebel) mit seinen Begleiter M32 und M110. Die zwei Staubbänder waren eindeutig zu sehen.

Cirrusnebel: die Knochenhand und der Sturmvogel waren ohne Filter bereits eindeutig, kontrastreich und strukturiert zu erkennen.

M27 (Hantelnebel) war auch ohne Filter sehr strukturiert und kontrastrich zu sehen. Die beiden Hantel (nördlich und südlich) waren extrem hell zu sehen, die seitlichen Ausläufer/Rundungen (westlich und östlich) umhüllten zusätzlich das ganze Objekt. Im inneren zeigten sich unregelmäßige Flächenhelligkeiten. Einfach nur Geil!

M15 (Kugelsternhaufen im Pegasus) explodierte regelrecht an Sterne. Je höher man vergrößert desto mehr Sterne lassen sich im äußeren Bereich auflösen. Das Zentrum blieb weiterhin milchig/neblig und nicht auflösbar.

M13 (Kugelsternhaufen im Herkules) war bereits in der Dämmerung (ab ca. 20 Uhr) kontrastreich und als auffälliges helles Objekt im Okular zu sehen.

H&chi (Doppelsternhaufen N869/884) zeigte sich bei schwacher Vergrößerung (32mm, V=56, wGF=1,25°) als auffälliger Sternhaufen im Okular. Der Doppelhaufen ist in zahlreichen Sternen auflösbar. Einige gelb/orange und blaue Sterne stechen im Okular regelrecht hervor. Unter diesem Himmel zeigte selbst ein TSWA 32mm an einem f=4,5 Teleskop ein hervorragendes Bild.

M33 (Dreiecksgalaxie), im Okular als große und helle Galaxie mit unregelmäßiger Helligkeit im äußeren Bereich. Zum Zentrum nimmt die Helligkeit leicht zu ohne einen stellaren Nukleus zu bilden. Die beiden Spiralarme zeigen sich S-förmig. Folgt man den Pfad der Arme, lassen sich zahlreiche Aufhellungen und Flecken erkennen. NGC604 (HII-Region) zeigt sich am Ende eines Spiralarms leicht oval und ist aufgrund seiner Helligkeit nicht zu übersehen. NGC604 wirkt fast wie ein Fremdkörper in M33.

M57 (Ringnebel), war auch in der Dämmerung (ca. 20 Uhr) schon recht kotrastreich und als auffällig heller Ring bei schwacher Vergrößerung (13mm, V=138) zu sehen. Bei hoher Vergrößerung zeigt sich der Ring in unterschiedlich hellen Schalen. Verdichtungen und Knoten entlang des Ringes sind an zwei Stellen auffällig (westlich und östlich). Der Ring nimmt bei hoher Vergrößerung die Form einer leicht ovalen Schale an. Das auffinden der schwachen Galaxie IC1296 (Größe: 1,1‘ x 0,9‘, Helligkeit/FH : 15,4/15,1 mag) ist mir leider selbst bei fortgeschrittener Nacht nicht gelungen. Wahrscheinlich als stellares Objekt übersehen.

Komet 103P/Hartley2 zeigte sich erneut im Sternbild Perseus als großer heller Fleck mit einem leichten grünen Stich. Das Zentrum zeigte sich leicht stellar. Der Halo erstreckte sich mindestens über 0,5 Grad. Die Eigenbewegung des Kometen ist m.E. beachtlich. Seit der vorherigen Nacht hatte sich der Komet um ein ganzes Stück (mind. fünf Grad) am Himmel entlang des Sternbild Perseus fortbewegt. Mehrere Versuche den Kometen eindeutig freiäugig zu sichten scheiterten. Ich meine mehrere Male ein diffuses Wölkchen indirekt aufblitzen gesehen zu haben. Aber eben nur vielleicht…


Hartley 2 -The image was taken by EPOXI's Medium-Resolution Instrument on Nov. 4, 2010.
Credit: NASA/JPL-Caltech/UMD

Bei fortgeschrittener Nacht wurde dann das vorbereitete Programm abgespult. Den Anfang machte ein offener Sternhaufen (OC).

NGC 6834, OC im Sternbild Cyg. Schöner Haufen mit einer schwachen Konzentration zur Mitte hin. Eine Sternenkette von sieben hellen Sternen durchquert den Haufen. Den nahe gelegenen Planetarischen Nebel (PN) NGC6842 (53 x 48 Bogensek., 13,1 mag) habe ich leider übersehen, was mich im Nachhinein sehr ärgert.

NGC7314, Gx im Sternbild PsA (südlichen Fische)
Helle und längliche Galaxie, recht einfach zu finden. Die Galaxie zeigt sich ohne hellen Kern, sie ist recht groß und schimmert im Okular in einem blassen grauen Licht. Den besten visuellen Eindruck hatte ich im  9mm Okular (V=200, wGF=0,40°). Den nahen Begleiter NGC7343 (1,2 x 1,0 Bogenmin., 14,0 mag) habe ich leider übersehen.

Mittlerweile ist es bereits schon fast 23 Uhr. Kurz vor der Mitternachtspause in der warmen Stube des Edelweißwirts gönne ich mir noch eine ordentlich lange Beobachtung von NGC 7293, auch bekannt unter dem Eigennamen „Helixnebel“.

NGC7293, Helixnebel, im Sternbild Aqr
Ein traumhafter Anblick eines riesigen PN. Im 13mm Okular (V=138, wGF 0,59°) zeigt sich ein großer und flächiger Nebel. Der Nebel zeigt sich mit mehreren Ränder, der innere scheint etwas ausgefranzt zu sein, d.h. ohne eine scharfe Abtrennung. Der äußere Ring scheint etwas unregelmäßiger zu sein, entlang der Kante sind Aufhellungen und flecken zu sehen. Der westliche Rand scheint sich bei indirektem Sehen nach außen hin auszubeulen. Im Nebel sind mehrere Sterne deutlich zu erkennen. Grandioser Anblick im 13mm und 9mm Okular.

NGC7377, Gx im Sternbild Aqr
Bei der Galaxie sind keine Strukturen zu erkennen. Die Gx zeigt sich innen heller als aussen. Selbst bei mittelgroßer Vergrößerung sind keine weiteren Details zu entlocken.

NGC7479, Gx im Sternbild PEG
wunderschöne Balkenspiralgalaxie. Die Galaxie zeigt mit einem 9mm Okular (V=200, wGF 0,40°) deutlich einen Spiralarm der nach außen hin sich um einen südwestlich stehenden hellen Stern windet. Im 27 Zoll Teleskop von Uwe sind beide Spiralarme eindeutig zu sehen. Ein beindruckendes visuelles Schauspiel in dieser Nacht.

NGC7606, Gx im Sternbild Agr
Innen heller als außen, leicht stellarer Kern, keine weiteren Details zu erkennen.

NGC 7723/7727/7724, Gx im Sternbild Aqr
Alle drei Galaxien relativ einfach zu finden. Es passen nicht alle drei Objekte zusammen im GF. NGC7723 befindet sich etwa 1° südlich von N7727 und N7724. NGC7723 zeigt sich als heller Fleck und ist von der Größe und Helligkeit in etwa mit NGC7727 vergleichbar. NGC 7727 ist die größere der drei. NGC 7724 ist die kleinere von den drei. Vorsicht: im Atlas von G. Stropek Karte 2 (AQR OST) ist die Entfernungsbestimmung zwischen N7723 und den beiden südlich gelegenen Galaxienpaar falsch. Sie beträgt nicht 0,4° sondern mind. 1°, damit ist eine Sichtung aller drei Objekten in einem Okular deutlich erschwert.

Nach einer kleiner Stärkung mit Schokolade und Kaffee in der warmen Stube des Wirtes ging es weiter mit Kugelsternhaufen NGC288.

NGC288, GC im Sternbild Scl
Dieser Kugelsternhaufen zeigt sich mit einer relativ schwachen Konzentration von Sterne (Konzentrationsklasse 10, die schwächste). Mit einem 7mm Okular (V257, wGF=32°) lassen sich einzelne Sterne bis hin zum Zentrum auflösen. Zum Zentrum hin besteht immer noch ein schwaches glimmern.

NGC253, Gx im Sternbild Scl, „Sculptor Galaxie“
Sehr große und helle Galaxie. Im 13mm Okular zeigt sich die Galaxie weniger strukturiert als sonst. Die feine Körnigkeit lässt sich selbst bei hoher Vergrößerung nur schwer erkennen. Schade, denn genau diese Sprenkelung macht das Objekt so einzigartig im Okular.

NGC247, Gx im Sternbild Scl
Eine große Galaxie, jedoch mit einer schwachen Flächenhelligkeit. Das Zentrum ist geringfügig heller als der restliche Bereich. Im 20mm und 13mm Okular habe ich den besten visuellen Eindruck erhalten. Hochvergrößerung bringt hier m.E. nicht viel.

NGC246, PN im Sternbild Cetus
Sehr schöner PN im Cetus. Der PN zeigt sich rund, groß und flächig. Im Zentrum sind unregelmäßige Flecken zu erkennen, das Innere ist jedoch deutlich dunkler als der Rand. Der westliche Rand des PN zeigt sich deutlich heller und strukturierter. Einige überlagerte Sterne bilden zusammen ein Dreieck. Mit OIII-Filter wird der Kontrast noch einmal deutlich gesteigert. Ein wirklich lohnendes Objekt bei guter Horizontschicht. Im 27 Zoll von Uwe fällt einem die Kinnlade runter: einfach nur ein Spektakel in beiden Teleskope!

M77, Galaxie im Sternbild Cetus
Sehr helle Galaxie. Ein diffuser heller Halo umgibt das bereits sehr helle Zentrum. Östlich befindet sich ein heller Stern. Im Hintergrund des sternes glimmert es ein wenig, wahrscheinlich ein Teil des Halo der die Galaxie umgibt.
 
M74, Galaxien im Sternbild Psc
Helles Zentrum umgeben von einem großen diffusen Halo. Im Halo lassen sich eine oder mehrere (?) schwache Lücke oder Spalten beobachten, wahrscheinlich der Ansatz eines Spiralarmes.

M42 im Sternbild Ori, (Zoom in den Orionnebel)
Mit hoher Vergrößerung (V=360 und V=514) habe ich den Orionnebel zu später Stunden anvisiert. Es war ein überwältigendes visuelles Schauspiel. Zahlreiche neblige Filamente, dunkle Löcher, und sechs Sterne im Trapez waren für mich das ultimative visuelle Erlebnis in dieser Nacht. Ich hätte nie gedacht, dass man dem Orionnebel noch so viele Details entlocken kann. Er kam mir wie ein riesiger Schweizer Käse vor mit zarten grünen und blauen Farbfassetten. Beindruckend!

Mittlerweile war die zweite Nachthälfte schon weit fortgeschritten. Obwohl ich bereits schlapp vor Müdigkeit war, bot sich für mich ein weiteres faszinierendes Naturschauspiel an, und zwar das Zodiakallicht. Ich habe das Zodiakallicht zum ersten mal überhsaupt beobachten können. Im aufgehenden Löwen war der Kopf hell erleuchtet, als würde jemand mit einem riesigen Scheinwerfer in den Himmel leuchten. Selbst die Galaxie NGC2903 im Sternbild Löwen, welche ich kurz zuvor im Okular hatte, verblasste regelrecht. Wow! Eigentlich wollte ich abbauen und ins Bett gehen, aber dieses Licht hatte mich in seinem Bann gezogen.

Als dann endlich die Dämmerung kam, fühlte ich mich erlöst, da nun der langersehnte Schlaf in greifbarer Nähe war. Wir warteten noch alle gemeinsam auf den Sonnenaufgang und legten uns nach dem Frühstück zum schlafen. Die vergangene Nacht war eigentlich ein einziger Highlight, aber ganz besonders hatten es mir das Zodiakallicht und das Zoomen in den Orionnebel angetan.

Morgendämmerung



3. Nacht (Dienstag 12.10.2010):

Mit großen Erwartungen stürzte ich mich in die dritte Beobachtungnacht. Der Anfang machten wieder die üblichen Klassiker des Sommer- und Herbsthimmels, die wir u..a einigen Interessierten Gästen zeigten. Trotz Mond zeigte sich die Milchstraße strukturiert. Helle Objekte verloren trotz Mond verhältnismäßig wenig an Kontrast. Gegen 21 Uhr verschwindet der Mond hinter der Bergkulisse und das vorbereite Programm kann nun endlich abgespult werden.

Monduntergang am Dienstag


Ich startete gegen 22 Uhr mit NGC 7814, eine edge-on Galaxie im PEG. Das Staubband war bei V=200 eindeutig zu sehen.

Als nächstes war NGC100 dran, eine ultradünne edge-on Galaxie im PEG. Die Galaxie zeigt sich als feiner Strich im Okular mit einer ganz schwachen Konzentration zur Mitte hin. Ideale Vergrößerung war V=200. Im 32 TSWA Okular war die Galaxie gerade noch so wahrnehmbar.

Zur Abwechslung wurde ein schwacher Kugelsternhaufen im Aqr angefahren. NGC 7492 erwies sich als relativ schwer, da ich diesen von der Helligkeit (Helligkeit 11,2 mag. / FH 14,0 mag) etwas unterschätz hatte. Der KS zeigte sich bei V=200 sehr schwach und leicht granuliert. Die exakte Position sollte bekannt sein, ansonsten sucht man sich einen Wolf. Im 20mm Okular zeigte sich der KS als grauer Fleck flankiert von einem Stern.

NGC 7492 sollte als kleine Vorbereitung zum beobachten von Pal 8 und Pal 12 sein. Diese Zeit blieb mir aber nicht mehr. Das Sternbild Steinbock (Cap) war bereits zu weit westwärts gekippt. Man sieht sich aber in 2011, versprochen!

Als nächstes kam die Galaxie M74 im Sternbild Psc dran. Es war eindeutig der östliche Spiralarm zu erkennen welcher sich über die Südseite um die Galaxie windet. Westlich war auch ansatzweise ein Spiralarm zu sehen, welcher sich m.E. nach Osten hin über die Nordseite windet. Es war bisher die längste und anstrengendste Beobachtung in dieser Nacht.

Ich beschließe mir eine kurze Pause im Edelweißwirt zu gönnen, während die anderen munter weiter beobachten. Gerrit meinte zu mir noch…“ich komm in zehn Minuten nach…“. Nach etwa 3/4 Stunde bin ich wieder einigermaßen fit, und beschließe weiterzumachen. Die anderen beobachten immer noch.

Als nächstes nahm ich mir NGC772 vor, eine Galaxie im Sternbild Widder (Ari). NGC772 bildet ein schönes Paar mit NGC770. NGC772 zeigt ein relativ helles Halo, ein helles Zentrum, oval bzw. leicht elongiert und nordwestlich ist ansatzweise ein Spiralarm zu erkennen, welcher sich aus der ovalen Struktur heraus leicht gebogen zeigt. NGC770 befindet sich südlich und ist deutlich kleiner als NGC772. Interessanter weise scheint laut aktueller Forschung NGC770 die Ursache für die überdurchschnittliche Ausdehnung und Verformung des westlichen Spiralarmes von NGC772 zu sein. Gegen halbeins nehme ich mir die Galaxiengruppe um NGC697 vor. Eine feine Gruppe mit mehr oder weniger hellen und weniger hellen, große und kleine Galaxien in einem Radius von ca. 1,5 grad. Es nimmt mir viel Zeit in Anspruch die vielen Galaxien eindeutig mit Namen zu versehen. Ich erkenne eindeutig N680, N691 und N697. Etwas 5° nördlich befindet sich das duo NGC672 und IC1727. Beide Galaxien sind bereits im 20mm Okular sichtbar. NGC672 deutlich heller und kontrasreicher. N672 zeigt sich mit einem hellen ovalen Kern, umgeben von einem etwas schwächeren Halo. IC1727 ist deutlich lichtschwächer, großflächig und ohne weitere Aufhellungen. Schöne Kombination im Okular. Lohnt sich allemal!

NGC784 ist eine edge-on Galaxie an der Spitze des Sternbildes Tri. Im 20mm und 13mm zeigte sich eine relativ helle und große Galaxie. Schöner Anblick.

Im Osten zeigten sich bereits deutlich die Wintersternbilder Orion, Zwillinge und Fuhrmann. Ich habe hier und dort noch ein wenig die üblichen Klassiker abgefahren wie M1, M36, M37 und M38. Gegen drei Uhr zeigte sich wieder sehr hell das Zodiakallicht. Ich beschloss damit meine Beobachtungsnacht zu beenden.

Leicht benommen vor Müdigkeit packte ich meine Gerätschaften ein. Ich bewunderte die Ausdauer meiner Mitbeobachter. Alles im allem war es für mich wieder eine faszinierende Beobachtungsnacht unter hervorragenden Bedingungen und in angenehmer Gesellschaft. Nach einem schnellen Frühstück wurde am Mittwochmorgen die Heimfahrt angetreten. Die nahezu schlaflosen Nächte hatten sich allemal gelohnt. Ich freue mich schon auf nächstes Jahr, hier oben in den Bergen unter einem noch nahezu dunklen Himmel stehen zu dürfen.
 
Blick vom Aussichtsturm auf dem Beobachtungsplatz, rechts der Edelweißwirt


Winterdienst in den 40er Jahren


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