Bericht: 02.10.2010

Mein First Light auf dem Großglockner

Ort: Großglockner/Hochtor bei ca. 2400 ü.NN (Hochtor)
Datum: Samstag 02. Oktoberr 2010
Wetter: erst wolkig mit Regen, dann klar, ziemlich feucht,  SQM-L 21,4, Temp +/- 0°
Ausrüstung: 16 Zoll f 4,5 Dobson
Okulare: 32mm, 20mm, 13mm, 9mm, 7mm und 5mm und gelegentlich mal 3,5mm
Filter: bei Jones1 [OIII], bei NGC1499 H-beta
Kommentare: dabei Uwe Glahn mit 27“ und Friedl mit 16“

Objekte: N7479 (Gx), N7142 (OC), N7129 (OC), M2 (GC), M45 & Meropenebel, Californianebel, N7814 (Gx), NGC891 (Gx), Jones1 (PN), NGC1788 (GN), N2022 (PN), N1909 "Hexenkopfnebel (GN), Jupiter 
Trotz Wolken und unsichere Wettervorhersagen haben wir am Samstag eine Exkursion zum Glockner gewagt. Um 16 Uhr wurde einvernehmlich der Startschuss gegeben und gegen 17 Uhr waren wir mehr oder weniger alle auf der B311 (die Pinzgauer Bundestrasse) Richtung Bruck am Großglockner. Das Mauthäusl hatte ab 18:45  auch schon zu, wie schade :-). Als letzter kam ich gegen 19:30 Uhr am vereinbarten Treffpunkt beim Edelweißwirt. Wetterlage am Glockner: bedeckt und regnerisch. Nach ein Schnitzel mit Pommes und ein unterhaltsames Gespräch mit dem liebenswürdigen Wirt klarte es gegen 21:30 zunehmend auf. Wir versuchten unser Glück am Hochtor, und wurden mit einem nahezu wolkenfreien Himmel Richtung Süden belohnt. Die Milchstraße zeigte sich durch die Wolkenfetzten äußerst stark strukturiert. Saugeil!

Anbei einige Beschreibungen der beobachteten Objekte in dieser Nacht.

N7142, OC im Cep (Größe 12x12 Bogenminuten, Helligkeit: 9,3 / 14,4 mag.)
schöner großer offener Sternhaufen. Dicht gedrängte mit kleinen Sternen, es ergibt sich dadurch einen deutlichen Haufencharakter, trotz sternreicher Region. Objekt ist in einzelne Sterne auflösbar. Im Hintergrund ist ein schwaches Schimmern zu erkennen. Unweit vom OC befindet sich der GN N7129, beide Objekte sind eine Beobachtung wert.

N7129, GN im Cep (Größe 7 x 7 Bogenminuten)
kleiner Gasnebel bei fünf hellen Sternen. Zwei davon eindeutig im Gasnebel eingebettet, ein dritter lediglich etwas schwächer durch den Gasnebel umhüllt, zwei weitere helle Sterne befinden sich außerhalb des Nebels. Die fünf Sterne ergeben zusammen nahezu ein Dreieck.
Der GN fällt bei 16 Zoll und V=140 bereits beim sweepen auf. Unweit vom GN befindet sich der offene Sternhaufen N7142. Lohnen sich beide.  Siehe link mit Zeichnung:(16 Zoll, Kurt Christiaens)

M2, KS im Aqr
Paradeobjekt des nördlichen Sternhimmels. Bei guter Horizontsicht sind zahlreiche Sterne im Außenbereich auflösbar. Sehr heller Kern, der auch mit hoher Vergrößerung nicht auflösbar ist.  Der Kugelsternhaufen ist sehr stark konzentriert (Klasse II, wobei I die höchste Konzentrationsklasse ist).Der Kugelsternhaufen unterscheiden sich visuell deutlich von M13, sowohl in der Größe, Konzentration, Sterndichte und beobachtbare Sternenanzahl.

M45 Plejaden, hier Meropenebel (NGC1435)
Der Meropenebel ist ohne Filter sehr deutlich und kontrastreich zu beobachten. Öffnet sich wie ein breiter Fächer vom Stern Merope weg nach süden. Nimmt man den Stern Merope aus dem Gesichtsfeld nimmt der Nebel etwas an Kontrast und Größe zu. In dieser Nacht zähle ich freiäugig sicher neun Sterne der Plejaden.

NGC1788, GN im ORI
kleiner aber heller Nebel im Sternbild Orion. Mehrere helle Sterne im und um den Nebel. Im 16er ist der GN ziemlich einfach zu beobachten, bei 200mm Öffnung und schwache Bedingungen (mag 5,5) kann der Nebel schon eine Herausforderung sein. Einen guten Eindruck vermittelt diese Zeichnung von Matthias Juchert.

NGC7814, Gx im PEG
Das Staubband ist bei hoher Vergrößerung direkt zu sehen, jedoch muss dies erst mal erarbeitet werden. Das Staubband ist nicht so offensichtlich wie bei NGC891.

Jones1, PN im PEG
Mit OIII Filter sehr schnell gefunden. Das Objekt ist ein flächiger PN mit der Form eines großen „C“. An den beiden ggü. liegenden Ränder sind eindeutig Aufhellungen zu sehen. Beobachtet wurde mit 20mm Okular, V=90 und Baader OIII Filter. Das Objekt war jederzeit und problemlos direkt zu halten. Unter diesen Bedingungen und mit 16 Zoll fast ein einfaches Objekt. Ein sehr guten visuellen Eindruck liefert diese Zeichnung von Uwe Glahn

NGC891, Gx im Sternbild AND
Die Galaxie befindet sich um die Uhrzeit im Zenit. Ungetrübter Genuss bei hervorragenden Bedingungen und großem Gerät (16 Zoll). Das Staubband zeigt sich deutlich. Die Gx scheint dabei im Okular zu schweben. Ich sehe nahezu eine POSS Aufnahme. Unbeschreiblich!



NGC2022, PN im ORI
helle Scheibe, bei V=140 ist noch kein zentraler Stern zu sehen. Die Ringform ist bei dieser Vergrößerung noch nicht ersichtlich. Im Zentrum lässt sich indirekt ein dunkler Fleck erahnen.

IC2118/NGC1909 „Hexenkopfnebel“
bei schwacher Vergrößerung und großer Austrittspupille gerade zu erahnen. Es zeigt sich ein schwaches glimmen. Objekt befindet sich noch relativ tief am Horizont zu dieser Jahreszeit.

Als Abschluss noch Jupiter beobachtet. Die äquatorparallelen Wolkenbänder waren zeitweise im Okular wie eingemeißelt und knackscharf zu sehen. Der Mondaufgang war mal wieder beindruckend. Der Widerschein der Erdoberfläche an der erdzugewandten Mondseite war überwältigend. Es ist immer wieder ein erhabenes Naturschauspiel, wenn die recht kleine Mondsichel über die Berggipfel zum Vorschein kommt. Es war mal wieder eine hervorragende Beobachtungnacht trotz anfänglicher Startschwierigkeiten. Geplättet durch wenig Schlaf und einen zu langen Tag, wahrscheinlich auch etwas ermüdet durch die Höhenluft, konnte ich nicht wirklich das Beste aus dieser Nacht herausholen. Mehrmals während der Beobachtungsnacht sehnte ich mich nach einem Bett und hätte am liebsten eine Mütze voll Schlaf genommen. Ich ertappte mich sogar stehend mit geschlossenen Augen am Okular. Nichtdestotrotz war es wieder sensationell da oben in den Bergen.

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