Bericht vom 11.09.2010

Endlich wieder Deepsky im Hochgebirge

Ort: Bielerhöhe bei 2034 ü.NN
Datum: Samstag 11. September 2010
Wetter: klar, zu Beginn leicht feucht später trocken, fst 7+,  milde +6° Cels.
Ausrüstung: 16 Zoll f 4,5 Dobson
Okulare: 32mm, 20mm, 13mm, 9mm, 7mm und 5mm und gelegentlich mal 3,5mm
Filter: keine
Kommentare: dabei waren Thomas Pfleger mit 14,5 Zoll, Paul Hombach mit 8 Zoll SC, Arno mit 18 Zoll Dobson und meine Tochter Lara.

Objekte: N6802 (OC), N6830 (OC), N6823 (OC), N6885 (OC), N6905 (PN), N6940 (OC), Komet 10P/Tempel, Komet 103P/Hartley2, N6781 (PN), N246 (PN), N210 (Gx), M71, M27, Cirrusnebel, Californianebel, M36, M37, M38, M35 & N2158, M31 & M32 & M101, Jupiter, Uranus
Es war wieder eine Beobachtungsnacht der besonderen Art. In der Nacht von Samstag auf Sonntag  kam ich wieder in den Genuss eines grandiosen Alpenhimmel auf der Bielerhöhe (Silvretta) im Grenzgebiet Tirol/Voralberg.  Gegen 17:30 Uhr angekommen, bezog  ich zusammen mit meiner Tochter Lara unser Quartier im Gasthof Piz Buin. Überraschungsgäste im Gasthof waren Thomas und Paul aus NRW. Nach einem leckeren gemeinsamen Abendessen sind wir gegen 20 Uhr zum bekannten Wohnmobilparkplatz aufgebrochen um unsere Teleskope aufzubauen. Am Himmel war keine einzige Wolke weit und breit! Am Parkplatz stand als Überraschungsgast mit bereits fertigmontiertem 18 Zoll Gerät in blau/schwarzer Bemalung der Arno aus dem Vorarlberg. Wir waren in dieser vielversprechenden Nacht also zu fünft.

Panorama nach Südwesten vom Beobachtungsplatz



Teleskoppark am Beoachtungsplatz


Grandiose Bergkulisse am Beobachtungsplatz


Gegen 21 Uhr wurde es dunkel, zahlreiche Sterne funkelten am Himmel und die Milchstraße wirkte schon deutliche strukturiert. Für diese Nacht hatte ich mir zahlreiche Objekte vorgenommen, einige lohnenswerte Objekte möchte ich hier kurz vorstellen:

NGC6802, OC im VUL : der OC befindet sich in unmittelbarer Nähe des „Kleiderbügelhaufen“ CR399. Der OC zeigt sich sehr klein (3,2 x 3,2 Bogenminuten) aber relativ hell (mag 8,8).  Der Haufen ist oval, fast rechteckig, einzelne winzige Sterne  sind im 16“ problemlos aufzulösen. Sehr schönes Objekt insb. durch die Nähe zu einem prominenten Objekt wie Cr399. Mit einem kleineren Teleskop könnte ich mir vorstellen, dass der Haufen nur als kleines Nebelobjekt rüberkommt. Objekt wurde mit 32mm Übersichtsokular gefunden und mit 13mm (V=140) und 9mm (V=200) beobachtet. Lohnt sich!

NGC 6813, OC im VUL: ein OC in der Größe 12 x 12 Bogenminuten eingebettet in einer HII-Region (N6823). Den Gasnebel (ohne Filter) konnte ich nicht beobachten. Es zeigt sich ein kleiner, lockerer Sternhaufen mit ca. 20-30 Sternen in einer sternreichen Gegend. Im Zentrum ist ein auffälliges Sternmuster mit der Form einer Raute. Das Sternmuster besteht aus zwei helle und zwei schwächere Sterne. Lohnt sich bei mittlerer Vergrößerung, bei mir 20mm (V=90).

NGC 6905, PN im DEL: der PN befindet sich westlich vom Sternbild Delfin. Der PN zeigt sich im 16 Zoll Gerät und 13mm bereits als helle Scheibe. Das Objekt ist ein einem Rechteck von vier hellen Sternen. Es zeigt sich bei hoher Vergrößerung (hier 5mm, V=360) eine fette Scheibe, innen heller als außen, im inneren sind Verdichtungen zu erkennen.  An zwei gegenüberliegenden enden zeigen sich Aufhellungen. Der zentrale Stern ist problemlos zu sehen. Sehr schönes Objekt, lohnt sich!

Komet 10P/Tempel im Sternbild Cetus: nahezu niederkniend am Teleskop und nach langem Suchen den Komet 109/Tempel im 13er Okular (V=140)  südwestlich von tau Ceti gesichtet.  Der Komet zeigt sich sehr schwach und kontrastarm, geschätzte mag. 10. Im 20x80 FG von Arno war das Objekt nicht sichtbar.

Komet  103P/Hartley2 im Sternbild Andromeda: relativ einfach zu finden, da sehr nahe am hellen Stern omicron Adromedae, der Stern sollte bekannt sein beim Aufsuchen von NGC7662, PN „Blue Snowball“.  Zu dieser Stunde befindet sich der Komet direkt im Zenit und das Teleskop steht dabei senkrecht nach oben. Der Komet zeigt sich auch ziemlich schwach, jedoch wesentlich kontrastreicher, da direkt am Zenit. Für das Objekt schätzen wir auch mag. 10. Den Versuch mit dem FG (20x80 von Arno und 15x70 von Thomas) das Objekt zu sichten wurde nicht unternommen aufgrund der ungünstigen Lage.



Hartley 2 -The image was taken by EPOXI's Medium-Resolution Instrument on Nov. 4, 2010.
Credit: NASA/JPL-Caltech/UMD

NGC 6781, PN im AQL: schöner und heller PN im Sternbild Adler. Im 16“ Gerät zeigt sich im 7mm Okular (V= 257) und ohne Filter eine runde Scheibe dessen südliche Hälfte deutlich heller und dicker erscheint. Das innere des PN ist dunkler und gibt dem Objekt ein leichten „Ringcharakter“. Ein heller Stern flankiert das Objekt direkt am nordöstlichen Rand. Lohnenswertes Objekt! Einen sehr guten visuellen Eindruck wiedergeben folgende Zeichnungen von Hajü (12 Zoll) und Uwe Glahn (16 Zoll).

NGC 246, PN im Cetus: ein großer PN (4 x 4 Bogenminuten). PN zeigt sich rund und flächig,  am Außenrand etwas heller, im inneren mit zarten Aufhellungen versehen. An westlichen Rand ist ein deutlich hellerer Rand zu sehen. Im PN sind vier heller Sterne eingebettet, drei davon bilden ein gleichschenkliges Dreieck, der mittlere davon ist der zentrale Stern. NGC 246 ist ein großartiges Objekt!  Etwa  4 grad südwestlich befindet die Galaxie NGC210.

Michstrasse im Süden


Milchstrasse


In der Nacht kam es weiterhin zu äußerst interessanten Beobachtungen wie der Californianebel (NGC 1499) im 8x43 und 15x70 FG von Thomas, oder den Planet Uranus im nachgeführten 8“ SC von Paul. Natürlich kam auch das Genusspechteln nicht zu kurz mit den üblichen Verdächtigen wie die Adromedagalaxie, der Kugelsternhaufen M71, der Hantelnebel M27, der Cirrusnebel usw. In der zweiten Nachthälfte konnte man vermehrt Sternschnuppen beobachten, einige davon sehr hell. Ein weiterer Highlight in dieser Nacht war die Beobachtung des Orionnebels mit Thomas seinem 15x70 TS Marine Fernglas. Das besondere an dieser Beobachtung war der Aufgang des Orionnebels über einer Bergkuppe im Osten. Im Fernglas schien der Himmel in Flammen aufzugehen. Ein großartiges visuelles Erlebnis vom feinsten! Thomas zeigte uns dann noch ein paar Schmankerl in seinem 14,5 Zoll Dobson von ICS wie z.B. die Sculptorgalaxie oder den Pferdekopfnebel im Orion. Um drei Uhr morgens ging uns dann allen mehr oder weniger die Puste aus und entschieden uns abzubauen. Es war mal wieder eine großartige Beobachtungsnacht unter phänomenalen Himmel mit grandioser Bergkulisse und in angenehmer Gesellschaft. Vollgepackt mit schönen Eindrücken haben meine Tochter und ich am Sonntagnachmittag die Heimfahrt angetreten.

Anbei ein paar weitere Bilder:




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