Bericht: 05.06.2010

Endlich wieder Deepsky

Ort: oberbay. Voralpen bei ca. 1100 Höhenmeter,
Datum: 05. Juni von 23-2 Uhr
SQM-L: 21,30 mag/sas (ab 23:30)
Wetter: wolkenlos, windstill, trocken, milde +12 grad Cels.
Ausrüstung: 300/1500, f/5, HI Reiseteleskop
Okulare: 20mm, 13mm, 9mm, 7mm und 5mm
Filter: OIII Baader,
Kommentare: Friedl L. war dabei, Mondaufgang etwa 01:45

Objekte: N4565 "Needle Galaxy", M13 (GC) , N6207 (Glx), M63 (Glx), N4490/4485 (Glx), M94 (Glx), N4631/4627 "Walfischgalaxie", N4656/4657 (Glx), N4449 "The Rectangle", N4244 "Silbernadel", N4639 (Glx), M92 (GC), N7006 (GC), N6309 "The Box Nebula", M107 (GC), M4 (GC), N6144 (GC), N6293 (GC), M19 (GC)
Endlich wieder etwas Deepsky nach einem nahezu vollständig verregneten Mai. Nach ca. sechs Wochen Teleskopabstinenz war es wieder längst überfällig in den Bergen zu sein und das Teleskop in den Sternhimmel zu schwenken. Der „Beobachtungshunger“ war groß, deshalb war ich schon vor 22 Uhr am Beobachtungsplatz, ca. 1,5 Stunden vor Ende der astromischen Dämmerung.  Mit etwas Wehmut musste ich feststellen, dass die vergangenen  „Galaxiennächte“ nun bald zu Ende gehen. Das Sternbild Virgo und Löwe sind schon tief am Horizont, das Sternbild Coma und Canes Venatici kippten auch schon deutlich nach Westen. Im Südosten zeigte sich stattdessen sehr deutlich das Staubband der Sommermilchstrasse, das Sternbild Skorpion kulminierte schon, und Herkules war bereits weit oben am Zenit, sodass M13 einem bereits mit bloßen Auge anblinzelte. Als ich das letzte Mal das Teleskop schwenkte (April 2010) sah der Himmel noch ganz anders aus, die Sommersternbilder waren noch tief im Osten, und erst zu später Stunde konnte man sich mal ernsthaft am Ringnebel M57 heranwagen.

Der Himmel oberhalb vom Sternbild COM bis Canes Venatici stand noch recht günstig und ich entschied mich spontan zur „Sofa-Astronomie“, d.h. bequemes spechteln mit angenehmen Neigungswinkel am Teleskop und zudem nur helle Objekten aufsuchen kurz: reines Genusspechteln.

N4565, Glx, COM (Größe 15,9‘ x 2,0‘, Helligkeit 9,5 / 13,0), „Needle-Galaxy“
Zum aufwärmen um 23 Uhr (SQM-L noch bei 20,9 mag/sas) ging es gleich bei N4565 los, auch bekannt mit den Eigennamen „Needle-Galaxy“. Die Galaxie befindet sich in Kantenlage und ist sehr lang.  Eine sehr einfache und recht helle Galaxie mit auffällig hellen Bulge. Der Bulge wird durch das Staubband im unterem drittel in zwei geteilt. Das Staubband ist beinahe über die Gesamtlänge der Galaxie zu beobachten. Ein Paradeobjekt!

M13, KS, HER zusammen mit Galaxie N6207
sehr heller Kugelsternhaufen, in vielen Sterne auflösbar, ein Paradeobjekt!  Die Nachbargalaxie N6207 ist noch als schwaches glimmen zu erkennen. Später bei SQM-L 21,3 ist N6207 auffällig hell im Okular zu beobachten. Mit einer Größe von 3'x 1,4' recht klein und mit einer Helligkeit von mag 11,6/12,9 (Quelle: messier45.com) für ein 12 Zoll Teleskop recht hell. N6207 befindet nordöstlich von M13 (also rechts unten im Okular eines Spiegelteleskops).

M63, Glx, CVn, „Sunflower-Galaxy“
Auch ein Paradeobjekt des nördlichen Sternhimmels und hört auf den Eigennamen „Sunflower-Galaxy“. Sehr helle und leicht ovale Galaxie mit einem hellen ausgeprägten Kern. Der umgebende Halo des Kerns wirkt leicht schraffiert.

N4490/4485, Glx, CVn (Größe: 6,2‘ x 10‘, Helligkeit 9,8/12,7)
Das Galaxienpaar befindet sich etwas 0,5 grad vom hellen Stern beta-Cvn und somit recht einfach zu finden. N4490 ist eine interessante und große Galaxie welche mit der kleineren benachbarten Galaxie in Wechselwirkung steht. N4490 ist die deutlich größere Galaxie. Bedingt durch gravitative Einflüsse ist die Verformung der Galaxie im 12 Zoll Teleskop nicht zu übersehen. Ein respektabler Anblick. Auch für kleinere Teleskope lohnenswert!

M94, Glx, CVn
Sehr helle und runde Galaxie mit einen sehr hellen Kern. Aufgrund des Katalogs (Messier) sollte das Objekt zumindest einmal angefahren werden, ansonsten konnte ich im 12 Zoll Teleskops keine nennenswerten Details beobachten. 

N4631/4627, Glx, CVn, Walfischgalaxie oder auch Heringsgalaxie
Äußerst interessante Galaxienpaar wobei N4631 die deutlich größere und hellere Komponente ist. Für dieses Galaxienduo sollte man sich unbedingt Zeit nehmen, ansonsten verpasst man einiges. N4631 präsentiert sich unregelmäßig hell und auffallend breit für eine Galaxie in Kantenlage. Die Galaxie ist leicht asymmetrisch, d.h. die Galaxie ist an einem ende etwas dicker als am anderen Ende. Einen auffallend hellen Kern ist nicht zu beobachten, jedoch ist dieser vorhanden, nur halt durch Staubbänder etwas verborgen. Die Galaxie ist durchgehend mit hellen und dunklen Flecken besprenkelt, fast meliert. Etwa auf halber Höhe der Galaxie, ist seitlich ein heller auffälliger Nebelfleck zu beobachten, innen etwas heller als außen. Es handelt sich hierbei um Galaxie N4627. Die Walfischgalaxie ist auf jeden Fall ein lohnendes Objekt, für das man sich aber unbedingt etwas Zeit nehmen sollte. Vorsicht: N4631 sollte man nicht mit dem benachbarten Galaxienduo (4656/4657) verwechseln.

N4656/4657, Glx, CVn, „Fishhook Galaxy“
Zwei wechselwirkende Galaxien, beide Galaxien sind deutlich zu sehen, wobei N4656 die größere der beiden ist, aber N4657 das Objekt mit der höheren Flächenhelligkeit darstellt. Schöner Anblick, die Ähnlichkeit zu einem  „Angelhaken“ ist nicht  zu übersehen.

N4449, Glx, CVn, „The Rectangle“
Irreguläre Galaxie, sehr hell und rechteckig in der Form, deshalb auch der Eigennamen „The Rectangel“. Faszinierendes und zugleich komplexes Objekt mit zahlreichen Aufhellungen und Strukturen. Benötigt m.E. viel Beobachtungszeit damit etliche Details visuell verarbeitet werden können.

TIPP: N4244, Glx, CVn, (Größe 17,8’ (!) x 2,0‘, Helligkeit: 10,8/14,4), „Silbernadel“
Ultradünne Galaxie in Kantenlage. Im 12 zoll Teleskop recht einfach zu finden und relativ hell. Sehr lange Galaxie, hauchdünn und ohne hellen Kern, also relativ gleichmäßig hell über das gesamte Objekt. Dieses Objekt verdanke ich Gerhard Stropek und seinem Atlas „Deepsky Beobachtungsatlas“ (Karte 18). Das Objekt ist ein echtes „Schätzchen“, welches m.E. schon seit längerer Zeit in keinem Beobachtungsbericht mehr erwähnt wurde. Sehenswert!

N4369, Glx, CVn, (Größe 2,4‘ x 2,5‘, Helligkeit 12,3/14,0)
Kleine, runde und helle Galaxie mit einem hellen zentralen Kern. Visuell eine gewöhnliche Galaxie wie es davon zuhauf gibt, nichts aufregendes. 

Mittlerweile ist es ca. 1 Uhr, also noch knapp eine 3/4 Stunde bis Mondaufgang. Ich widme mich weiterhin an hellen Objekten, schwenke jedoch um im Herkules zu Kugelsternhaufen M92.

M92, GC, HER
Ein sehr heller und auffälliger Kugelsternhaufen im HER. Deutlich kleiner als M13 aber nicht minder imposant. Der KS läßt sich nahezu bis zum Kern  kleinen Sterne auflösen. Der Kern zeigt sich extrem hell und ist nur teilweise bei hoher Vergrößerung auflösbar.  Paradeobjekt!

Anschließend noch nahezu niederkniend am Teleskop weitere KS beobachtet wie  M107, M4, N6144, N6293 und M19. Im Sternbild Delfin Kugelsternhaufen N7006 kurz besucht, mit 150.000 LJ ein sehr entferntes Objekt innerhalb unserer Milchstrasse. Mit kleineren Teleskopen braucht man jedoch einen dunklen Himmel.

Fazit: Es war eine schöne und entspannende Nacht. Die Objekte ließen sich allesamt schnell und einfach finden. Der Nachthimmel war mit 21,3 mag/sas in Ordnung und die Beobachtungen verliefen allesamt problemlos. Der Beobachtungsatlas von G. Stropek erwies sich als sehr nützlich und in allen Belangen als brauchbar!  Hierfür ein großes Lob an Gerhard Stropek. Mein pers. Favorit in dieser Nacht war die Galaxie N4244 „Silbernadel“, ein m.E. zu Unrecht vernachlässigtes Schätzchen!

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