Bericht: 18.02.2010

Eine durchwachsene Nacht in den bay. Voralpen

Ort: bay. Voralpen in Oberbayern,
Zeitraum: 18.02.2010 20 Uhr bis 0:30
Wetter: klar teils dichte Zirren, trocken, Temp. +1/-1 C°,
Seeing: mal gut mal schlecht,
Grenzgröße: SQM-L 20,6 bis 21,4
Ausrüstung: 200/1200, f/6, GSO-Dobson
Okulare: 20 mm, 13mm, 9mm und 3,5 mm
Kommentare: durchziehende dichte Zirren dimmten gelegentlich den sonst klaren Himmel. Monduntergang war gegen 22:30.

Objekte: NGC2420 (OC), N1964 (Gx), N2141 (OC), N2683 (Gx), N2281 (OC), N2419 (GC), Abell21 (PN), N2353/IC468 (GN), N2353 (OC), M48, N2343 (OC), N2539 (OC), N2775 (Gx), M95, M96, M105, N3384 (Gx), Leo-Triplett, N3115 (Gx), M51, M97 (PN), M108 (Gx) und die klassischen Winterobjekte im Orion , Zwillinge, Fuhrmann ecc.
Anbei mein Bericht der letzten Beobachtungsnacht in den Bergen. Der Himmel war nicht gerade das Gelbe vom Ei. Erst waren die „Pistenbully“ mit Ihren Flutlichter unterwegs, anschließend fegten dichte Zirren rein. Immerhin konnte ich ca. 4 Stunden -mehr oder weniger mit Zwangspausen- einige Objekte beobachten. Die Temperaturen waren recht human (+1° bis -1°), so bot sich auch die Gelegenheit an, das eine oder andere Objekt zu zeichnen. Im 8 Zoll Gerät und dem mäßigen Himmel in dieser Nacht ein leichtes Wagnis, da nicht immer viel an Details zu sehen war. Seeing war eher mäßig, mal war es ganz gut, um kurz darauf wieder schlecht zu sein.
Gegen 22:30 waren dann die Pisten fertig präpariert, die Pistenbully zogen sich zurück, sodass endlich Ruhe und Dunkelheit einkehrte. SQM-L schaffte es wiederholt bis 21,33 mag/sas, ein guter Wert wie ich finde, aber hereinziehende Zirren verderbten einem ein wenig den Spaß, als würde jemand an der Regelung der Himmelstransparenz spielen. Mal war der Flammennebel im Orionnebel gut zu sehen um dann wieder zu verschwinden. Alles in allem eine eher durchwachsene Nacht ohne eine klare Linie bei der Objektwahl, man beobachtete eben gerade das was der Himmel hergeben wollte.

NGC2420, OC im GEM
sternreicher offener Haufen im Sternbild GEM, nicht weit vom "Eskimonebel".
kompakter Haufen mit vielen Sternen, hebt sich gut vom Hintergrund ab, relativ viele helle Sterne.

NGC1964, Glx im LEP
sehr schwach, oval, Kern ist stellar, keine Strukturen, markante Sterne im Feld (drei), indirektes sehen erforderlich. Objekt befindet sich schon sehr tief und im Lichtkegel von Bayrischzell



NGC2141, OC im ORI (SQM-L 20,7)
sehr schwach, rund, Haufencharakter ist gegeben, sehr sternereich, und komprimiert, große Teile des Nebels ist in Sterne nicht auflösbar, die Helligkeit der Sterne ist sehr schwach. Ich habe mit 20mm Okular beobachtet, im 13 mm und 9 mm Okular nicht wesentlich besser zu beobachten. Sterne bleiben weiterhin sehr schwer auflösbar.

NGC2683, Glx im LYN, „U.F.O.-Galaxie“
Spiralgalaxie in Kantenlage -leicht geöffnet-,leicht zu finden oberhalb des Sternbild Krebs, sehr hell und auffällig, heller Kern -nicht stellar- mit diffusen Ausläufern, keine Strukturen, Spiralarme, Staubbänder oder ähnliches zu erkennen.
-Zeichnung N2683-

NGC 2281, OC im AUR, „Broken Heart Cluster“
nördlich zwischen Fuhrmann und Zwillinge, sehr hell, klein und auffällig, bereits mit den bloßen Augen zu erkennen. Hebt sich gut vom Sternhintergrund ab, wenige helle Sterne vorhanden, Haufencharakter ist gegeben, Haufen ist in zwei Teilen geteilt. Beobachtet mit 20mm Okular. Der OC ist auch unter den Eigennamen "Broken Heart Cluster" bekannt.

NGC2419, GC im LYN, „Intergalactic Wanderer“
Östlich von OC 2281, fast in einer Linie, befindet sich einer der entferntesten GC in unserer Milchstraße. Der Kugelsternhaufen befindet sich im Sternbild LYN und nördlich von Kastor (alpha GEM), er ist relativ einfach zu finden und an zwei auffällig hellen Sternen gelegen. Der Kugelsternhaufen kann nicht aufgelöst werden, auch bei hoher Vergrößerung nicht. Der KH ist rund, nicht auflösbar, zum Zentrum hin leicht heller. Im 8" und unter mäßigen Himmel stellt sich der Haufen als strukturloser grauer "Matschfleck" dar.



Abell21, PN im GEM
großer mehr oder weniger runder diffuser Nebel, nördlich des Sternbildes CMi, 8 grad nördlich von CMI befinden sich zwei mit bloßen Augen wahrnehmbare Sterne, von dort nochmal ca. zwei grad nördlich. Die Beobachtung findet ohne Filter bei schwacher Vergrößerung und großer Austrittspupille statt, indirektes Sehen ist erforderlich. Ich war nicht schnell genug den Filter an das Okular anzuschrauben, da zogen schon wieder Zirren rein.

NGC2359/IC468, Thors Helmet, GN im CMa
mit 20mm Okular uns bei mäßigen Himmel ohne Filter kaum wahrnehmbar, mit UHC Filter wesentlich besser zu erkennen, jedoch ist der Kontrast etwas schwach. Der Helmcharakter ist schon deutlich zu erkennen. Mit OIII-Filter ein echter Leuchtturm.

NGC2353 und N2343, OC im MON
moderater OC südlich des Sternbild Monoceros, trapezförmig (N2353), Haufencharakter ist zu erkennen, einige helle Sterne vorhanden. In unmittelbarer Nähe des weitaus größeren und helleren Sternhaufen M50.

NGC2539, OC im PUP
südlich direkt an einem hellen Stern gelegen, sehr sternreich, Haufencharakter ist gegeben, schöner Anblick, Auffällig ist der helle Feldstern am Rande des Sternhaufens.

NGX 2775, Glx im HYA
etwas acht grad süd-westlich von M67 (OC im Krebs), und ca. 5 grad westlich des Kopfes der Hydra. Galaxie zeigt sich oval, sehr hell und strukturlos. Einfaches Objekt auch bei mäßigen Himmel, jedoch kein echter Hingucker im 8 Zoll Gerät.

NGC3384, M96, M105 und M95, Glx im LEO
Alle vier Galaxien eindeutig zu sehen, jedoch nicht alle gemeinsam im Gesichtsfeld. Sie sind nur paarweise bei großem Gesichtsfeld zu genießen. M105 und N3384 stehen sehr nah beinander, drängt man beide Paare am Rande des Okulars, schafft es noch M96 ins Gesichtsfeld. Der Anblick dieses Tripletts ist aber nicht vgl.bar mit dem eigentlichen

NGC3628, M66n M65, Glx im LEO Leo-Galaxientriplett
M.E. eins der schönsten Anblicke im Frühjahrshimmel. Alle drei Galaxien im 20mm Nagler leicht im Gesichtsfeld zu halten. In dieser Nacht sind nicht viele Details zu sehen, insb. das Staubband bei NGC3628 bleibt mir beim direkten Sehen verborgen.


NGC3115, Glx im SEX, „Spindelgalaxie“
Sehr hell, schmal und scheint in Kantenlage zu sein. Es handelt sich hierbei um eine SO Galaxie, also eine lentikuläre Galaxie. Ich beobachte einen hellen kompakten Kern, dieses ist von einem diffusen elongierten Nebel umgeben. Mit Hilfe des indirekten Sehens, kann man beobachten wie sich dieser Nebel an beiden Seiten verlängert, die Galaxie streckt sich regelrecht an beiden Seiten. Eine sehr schöne und zudem interessante Galaxie. Die Galaxie besitzt eins der größten bekannten schwarzen Löcher in ihren inneren und Ihre Sternentstehungsrate soll nahezu null betragen. (Quelle: aus diversen Seiten im Internet)

NGC3521, Glx im SEX
sehr hell, leicht elongiert, nicht in Kantenlage, helles Zentrum mit stellaren Kern, der Rand ist leicht diffus, keine Strukturen zu erkennen.

Zuallerletzt noch M51 „Whirlpoolgalaxie“ und Eulennebel (M97) samt Nachbar M108 beobachtet, danach war der Himmel 100% dicht. Der Bericht ist nun doch länger geworden als geplant.

Anbei noch ein paar Stimmungsfotos:

Mond verabschiedet sich hinter dem Berg:



Sternbild Kassiopeia und Andromedanebel.


Smart & Scope


Lichtspektakel auf dem Berg



 
Erste Wolken ziehen rein


UMa macht sich auf dem Weg


Es hätte so eine schöne Beobachtungsnacht werden können, ohne diese ständigen Zirren


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