Bericht vom 20.01.2010

Winterspektakel auf dem Berg

Ort: bay. Voralpen, auf ca. 1100 Höhenmeter
Beginn: 20.01.2010 gegen 21:30
Ende: 20.01.2010 ca. 23:59
Wetter: klar, -8 C°, geschlossene Schneedecke, gute Transparenz, seeing gut
SQM-L: 23 Uhr  21,28 mag/sas (wiederholt)
Ausrüstung: 200/1200, f/6, GSO 8 Zoll Dobson
Okulare: 20mm, 13mm, 7mm, 5mm, OIII-Filter (Baader 2 Zoll)
Kommentare: mit dabei Mr. Deepsky-visuell und zwei Ransburger ;-)

Objekte: NGC2423 (PN), M46 (OC), M47 (OC), NGC2423 (OC), Thors-Helmet, Medusanebel, Rosettennebel und die üblichen Klassiker des Winterhimmels (Krebsnebel, Orionnebel), und als „special-guest“ das Leo-Triplett.
Am Mittwochabend habe ich nochmal die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und meinen 8“ GSO-Dobson in die bayr. Voralpen geschleppt. Ich hab den kleinen 8er irgendwie lieb gewonnen, sodass der 12er wieder daheim bleiben musste. Nach ca. 30 min. fahrt durch die Nebelsuppe, eröffnet sich dann endlich wenige Kilometer vor dem Beobachtungsplatz ein klarer Sternhimmel. Immer wieder ein euphorischer Moment, wenn die Nebeldecke über einem schwindet, und sich der Winterhimmel mit dem markanten Sternbild Orion vor einem präsentiert. Da schlägt einem das Herz schon ein bisserl Höher, bei mir geht sogar der Puls ein bisschen nach oben, und es breitet sich dennoch ein Gefühl der Ruhe und Gelassenheit aus. Die Sorgen und der Stress des Tages lösen sich einfach so  auf. Schwafel, schwafel, …





Trotz „Berg in Flammen“ lässt es sich überraschend gut beobachten.

Heute leider keine ausführliche Objektbeschreibungen, statt zu „herscheln“ (Herschel 400-Beobachtungsprojekt) habe ich um das Sternbild Monoceros  Objekte gesucht, gefunden und bewundert. Mir fiel eher zufällig ein, dass ich schon lange und unbedingt den PN N2438 im OC M46 beobachten wollte. Das habe ich getan und dabei nicht schlecht gestaunt.

NGC 2438, PN im PUP, Größe 1,3‘ x 1,3‘, Helligkeit: 10,8 /11,1 Mag
In der Gegend von PN N2438 befinden sich drei helle und recht auffällige Sternhaufen, dicht beinander (M46, M47 und N2423). Die Gegend ist bereits auffällig mit freiem Auge (ohne fremde Hilfe) zu sehen. Im Sterngewimmel unterscheiden sich M46 und M47 durch ihre sterndichte. M46 ist deutlich sternreicher, kompakter, dichter und auch schwächer in der Helligkeit als M47. M47 ist mit deutlich weniger Sternen bestückt, dafür heller. Ist M46 einmal lokalisiert, dann lässt der PN mit 20mm Okular (V=60, AP=3,33mm, wGF=1,37°) und OIII-Filter regelrecht „die Hosen runter“ und zeigt sich unverkennbar als Scheibe bzw. kleiner Nebelfleck. Ohne Filter und mit schwacher Vergrößerung übersieht man den PN recht schnell, obwohl recht hell und einfach zu finden. Das Gebiet ist recht sternreich, deshalb ist der OIII-Filter beim aufsuchen eine gute Hilfestellung, da die umliegenden Sterne abgeschwächt werden. Was habe ich gesehen bzw. habe ich mir gemerkt: mit 5mm (V=240, AP= 0,83mm, wGF ca. 0,34°)  ein runder, fast ovaler Nebelfleck, innen dunkler (!) als außen. Bei zuhilfe des indirekten Sehens sind weitere Details zu entlocken. Ich habe mir diese leider nicht notiert, deshalb bleiben sie hier unerwähnt. Fazit: ein lohnendes Objekt schon wg. der außergewöhnlichen Kombination: PN und OC im selben Gesichtsfeld. Für mich ein Augenschmaus, hier kann man richtig viel Zeit verbringen.

NGC2359 „Thors-Helmet“, GN im CMa, Größe: 6‘ x 9‘, Helligkeit 9,0 / 13 mag
Inspiriert durch eine Beo.bericht von Benny Hartmann in 2009 habe ich mir das Objekt auf meine „Must See“ Liste gesetzt, und ein 3/4 Jahr später beobachtet.
Faul wie ich bin, habe ich den OIII-Filter vom 20mm Okular nicht abgeschraubt und direkt rüber zu N2359 geschwenkt und Volltreffer gelandet. Diese Vorgehensweise (mit OIII-Filter zu suchen) ist für diesen GN sehr vorteilhaft. Mit OIII-Filter und schwacher Vergrößerung ein echter Leuchtturm, ohne OIII sieht man herzlich wenig.
IM 20mm Okular zeigt sich ein heller und relativ großer Nebel. Die zwei „Flügel“ sind unverkennbar. Die Ähnlichkeit zu einem Helm mit Flügel ist eindeutig. Ich war erstaunt wie stark der Nebel auf den Filter reagiert, ohne OIII-Filter ein „NO-GO“. Ein Versuch mit 13mm zu vergrößern bringt mehr Detail zum Vorschein, aber der Helm-Charakter geht verloren. Hier gibt es m.E. sehr viel zu beobachten und entdecken. Ich habe aber Lust auf mehr und deshalb geht es weiter.

Abel 21, „Medusanebel“, PN im GEM, Größe 11‘x11‘, Helligkeit 11,6 /16,0
Angeregt durch das Forumsmitglied Davide Pistritto bei forum.astrofili.it in Italien, wurde mir Mut gemacht das Objekt mit dem 12er zu beobachten; dass es nun im ersten Versuch und dann noch mit einem 8er ging hat mich fast vom Stuhl geholt. Im OIII-Filter und 20mm Okular schnell gefunden. Der Nebel präsentiert sich als großer schwacher, runder Nebelfleck. Innen dunkel, außen hell. Mit zuhilfe des indirekten Sehens wirkt der Nebel beinahe durchgehend rund. Der Ringcharakter ist zu erkennen. Der Nebel ist riesig. Mit einer höheren Vergrößerung verschwindet das Objekt komplett bzw. ist nicht beobachtbar. Wohlgemerkt, ich beschreibe hier ein Objekt welches sich dunkelgrau auf schwarzen Hintergrund präsentiert ;-)

NGC2244, OC im Rosettennebel, (GN NGC 2237, NGC 2238, NGC 2239, und NGC 2246), Größe 60’x80‘
In 2009 tausendmal versucht und niemals den Rosettennebel gesehen. Mit 20mm Okular und OIII-Filter vom Medusanebel direkt auf den OC NGC2244 geschwenkt. Der OC ist bereits freiäugig sichtbar. Mit großem Erstaunen sehe ich erstmalig den Nebel um den Sternhaufen N2244. Was nun davon 2237, 2238 oder 2239 ist entzieht sich meiner Kenntnis. Der Nebel präsentiert sich als durchgehender, ringförmiger, breiter Nebel um den Sternhaufen N2244. Mit UHC (Lumicon) gewinnt der Nebel an bestimmten Stellen mehr an Kontrast. Der Nebel ist an manchen Stellen „dichter“, also heller und kontrastreicher, als an anderen Stellen, als würde man schwache „Wolken“ beobachten. Ohne Filter wirkt der Nebel etwas schwächer, aber er ist weiterhin deutlich wahrnehmbar. Es stellt sich für mich die Frage warum konnte ich der Vergangenheit den Nebel nicht beobachten? Der Nebel ist ein Wahnsinns Anblick, ich bin einfach nur sprachlos.

Die komplette Nacht hielt eine Überraschung nach der anderen parat. Eigentlich wollte ich nur ein paar Herschel-Objekte abschießen. Übrigens, wer meine vorangegangen Berichte aus 2010 bereits kennt, ich konnte die Galaxie N1964 im LEP immer noch nicht auffinden!

In der Zwischenzeit ziehen sehr schnell Wolken rein. Es ist 23:30. Der Himmel ist vorübergehend dicht, klart aber nach einer kurzen Wartezeit wieder auf. Wir bekommen noch eine kurze Galgenfrist. Aus dem Gas-Nebel-Flow herausgerissen, sehe ich mich am Himmel kurz um, der Löwe macht sich gut, und besuche kurzerhand das Triplett (M66, M65, N3628). Um Mitternacht ist der Himmel wieder dicht. Wir packen ein. Es war eine traumhafte Nacht unter traumhafter Kulissen. Die beleuchteten Schneekanonen trübten ein wenig den durchaus positiven Gesamteindruck dieser Beobachtungsnacht.

Anbei ein paar Fotos zum gucken.





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