Bericht vom Dienstag 12.01.2010

Beobachten mit Schneekanonen und Pistenraupen

Ort: bay. Voralpen, auf ca. 1100 Höhenmeter
Beginn: 12.01.2010 gegen 21:00
Ende: 12.01.2010 um 23:45
Wetter: klar, kuschelige -4 C°, geschlossene Schneedecke, gute Transparenz, Seeing schlecht
SQM-L: 22 Uhr: 21,0 mag/sas (mir kam es eher mehr vor)
Ausrüstung: 200/1200, f/6, GSO 8 Zoll Dobson
Okulare: 32mm, 13mm, 7mm, 3,5mm, UHC-Filter (Lumicon 2 Zoll)
Kommentare: alleine

Objekte: M78 (GN), N2024 (GN), N1499 (GN), N1535 (PN), N2194 (OC), M79 (GC), N1502 (OC), Kemble's Cascade
Am Dienstagabend ergab sich in den oberbayrischen Voralpen, oberhalb der Hochnebelgrenze, ein klarer, transparenter und zirrenfreier Himmel.
Um ca. 20 Uhr war der smart mit den 8 Zöller vollgepackt und los ging es. Auf der Fahrt zum Spechtelplatz erstreckte sich die Nebeldecke über das gesamte Leitzachtal bis kurz vor Bayrischzell. Danach riss die Nebeldecke auf und ein prächtiger Sternhimmel eröffnete sich vor mir. Am Skifahrerparkplatz angekommen wurde erst mal aufgebaut und danach der Sternhimmel begutachtet, kein Streulicht aus den umgebenden Ortschaften. Das Sternbild Hase war sehr deutlich zu sehen und verblasste nicht wie üblich am Horizont durch die Lichtverschmutzung. Das Sternbild Orion erhob sich bereits imposant am Sternhimmel. Mit noch warmen Teleskop ging es mit schwacher Vergrößerung direkt im Orionnebel los. Alle bekannten Objekte von Nord nach Süd (NGC1981, 1975, 1973, 1977, M43, M42 und OC NGC 1980) ergaben im acht Zöller einen atemberaubenden Anblick.

Erstaunlich war die räumliche Ausdehnung des Orionnebels mit seinen filigranen Strukturen. Das Trapez konnte ich nach einer Auskühlzeit von einer Stunden im 7 mm Nagler (V=171, AP=1,17mm) trotzdem nicht sauber auflösen. Es lag bestimmt am noch nicht ausgekühlten Spiegel und wahrscheinlich am herrschenden schlechten Seeing. Im 13 mm Nagler waberte der Orionnebel, als würde ich oberhalb einer Kerze vorbeischauen.

Nachdem ich im Orionschwert ein wenig rumgestochert hatte, fiel mir ein, dass ich letztes Jahr im März M78 (GN im ORI) nicht mehr so richtig beobachten konnte, da bereits tief am Horizont.

M78, GN im ORI,
M78 präsentiert sich im 32mm Okular (V=38, AP=5,33mm) als sehr kleiner aber recht heller und auffälliger Nebelfleck. Im Nebel befinden sich zwei helle Sterne. Im 13 mm Okular (V=92, AP=2,17mm) ist das Objekt nicht mehr zu übersehen. Auffällig sind die beiden Sternpaare im Nebel. Das Objekt erscheint hell, füllt ca. 1/5 des Gesichtsfeldes und ist oval, fast rechteckig. In der unmittelbaren Nähe scheinen weitere Sterne in schwachen Nebel umhüllt zu sein. Ich bin mir nicht sicher, ob dies nicht ggf. Reflexe aus dem Okular oder Fangspiegel sein könnten, da auf dem gegenüberliegenden Hang mehrere Pistenraupen unterwegs sind, die immer wieder für Streulicht sorgen.

NGC 1499, GN im PER, Californianebel
Mehrmals in den letzten Monaten versucht einen Blick auf diesen Nebel zu bekommen, stattdessen nie gesehen oder gerade mal erahnt, dieses mal mit Hilfe eines UHC Filter der Fa. Lumicon (H-Beta habe ich nicht) war der Nebel eindeutig als großer aber immer noch als sehr schwacher Nebelschleier zu sehen. Ich konnte in dieser Nacht den Nebel zu verschiedenen Zeitpunkten wiederholt beobachten. Der Nebel ist riesig, man kann mit dem Okular regelrecht entlang fahren. Westlich (?) erscheint der Nebel etwas heller und deutlicher als der östliche Teil. Der visuelle Eindruck war zu jeder Beobachtung immer wieder identisch. Der Nebel wurde mit einem TS-WA 32 mm und einem 8 Zoll Dobson beobachtet.

Da der Californianebel so gut ging, habe ich mich mit 8 Zöller an NGC2024 (Flammennebel) versucht.

NGC 2024, GN im ORI, Flammennebel
Mit 8 Zoll in dieser Nacht relativ einfach zu sehen. Beobachtet habe ich mit einem 32er Okular und ohne UHC. Zu sehen ist ein relativ großer flächiger Nebel mit einer breiten Teilung bzw. dunklen Spalte in der Mitte. Der Nebel wird nicht in zwei Teilen geteilt. Wenn der Stern Alnitak außerhalb des Gesichtsfeldes geschoben wird, dann verbessert sich ein wenig der Kontrast. IC 434 und den dazugehörigen „Pferdekopf“ suche ich südlich von Alnitak vergebens. Hier wäre ein H-Beta Filter vielleicht eine Unterstützung gewesen, diesen habe ich leider nicht und es war auch weit und breit NIEMAND da, der mir hätte einen ausleihen können.

Um meine „Herschel 400“ Beobachtungen voranzutreiben, mache ich mich auf der Suche der Galaxie NGC1964, leider vergebens, denn ich finde diese auch in dieser Nacht nicht, trotz wesentlich bessere Beobachtungsbedingungen am Horizont als üblich. Rumrühren geht bei diesem Objekt wohl nicht, genau so wenig wie bei NGC 1788 (GN im ORI), denn diesen habe ich auch nicht gefunden, bzw. das was ich gesehen habe entsprach nicht so richtig dem was ich erwartet hatte, im Zweifel eben nicht gesehen…

Ein kurzer Besuch bei Kugelsternhaufen M79 ca. 4-5 grad südöstlich von NGC1964, der KS ist recht einfach zu finden, als auffällig heller „Wattebausch“ mit einem hellen zentralen Kern. Im 13mm Nagler sind einzelne Sterne nicht auflösbar.

n der Gegend noch PN NGC 1535 aufgesucht, aber nur bei schwacher Vergrößerung beobachtet, da das Tubusseing und seeing miserabel war. Mit acht Zoll und 13 mm Okular war nicht mehr als eine sehr helle und runde Scheibe zu sehen. Zentralsterne oder weitere Schalen gab es nicht zu beobachten.

Als nächstes sollten ein paar offene Sternhaufen beobachtet werden.

Bei NGC 2141 (OC im ORI) hat es mich gleich kalt erwischt, der OC befindet sich nicht auf meinen „Pocket Skyatlas“ von Roger W. Sinnot, und URA. (S. 182, alte Ausgabe) liegt praktischerweise „dahoam“.

NGC2194, OC im Ori, Größe 9.00‘ × 9.00‘, Helligkeit: 8.5 /13
Im acht Zoll sehr klein und kompakt und kaum auflösbar im 32mm Okular (V=38, AP=5,33). Mit dem 13er Nagler (V=92, AP=2,17mm) sehr deutlich zu erkennen, weiterhin klein und kompakt und die Sterne sind kaum auflösbar. Der Haufencharakter ist dennoch eindeutig und hebt sich gut vom Hintergrund hervor. Lohnenswert sowohl im 8 Zoll als auch 12 Zoll Gerät.

NGC1502, OC im Cam, Größe 20.00‘ × 20.00‘, Helligkeit  6.9/ 13.1
Kleiner dichter Haufen am Ende von „Kemble's Cascade“. Einige wenige helle Sterne umgeben von zahlreichen kleinen Sternen, auch hier ein lohnenswerter Anblick.

Den nahegelegen PN NGC 1501 „Oyster Nebula“ pack ich „nimma“.

Mit diesem Objekt endet kurz vor Mitternacht meine Beobachtungnacht. In dieser Nacht waren der Californianebel und M78 meine pers. highlights. Erstaunlich was mit einem 8 Zöller und bei guten Himmel so alles geht. Mein 12 Zoll Gerät habe ich in dieser Nacht nicht wirklich vermisst…
Zusammenfassend eine sehr schöne Nacht in einer traumhaften Winterkulisse trotz Schneekanonen und Pistenraupen.

Quellen: Eye & Telescope 3.1, „Herschel 400 Observing Guide” von Steve O‘Meara, DeepSky Reiseatlas von D. Feiler & P. Noack

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