Bericht vom 3. und 4.1.2010

Zwei frostige Beobachtungsnächte: auf den Spuren von Caroline und Wilhelm Herschel

Ort: Hundham, Oberbayern,
Zeitraum:
03.01.2010 18:00 bis 20:40
04.01.2010 19:40 bis 21:30
Wetter: klar, trocken/ , -10/-12 C°, einige wenige Zirren
Seeing: eher schlecht, die Sterne wirkten aufgeblasen
Grenzgröße: ca. 5,8/6,0 mag, SQML- 20,7 / 20,9 mag/sas
Ausrüstung: 300/1500, f/5, GSO-Dobson
Okulare: 32 mm,20 mm, 13mm, 7mm und 5mmund 3,5 mm
Kommentare: 15 cm Neuschnee und mit -12 mein pers. Kälterekord beim Beobachten
In der zweiten Nacht machte sich am Ende der Beobachtungsnacht leichter Tau bemerkbar.

Objekte der ersten Nacht: NGC1647, NGC1664, NGC1807, NGC1817, NGC1857, NGC1907,NGC2126, NGC2169, NGC2186, NGC2194 (alles offene Sternhaufen), und Klassiker wie Orionnebel, Krebsnebel, OC im Fuhrmann wie M36, M37, M38 usw. waren auch dabei.

Objekte der zweiten Nacht: NGC2022 (PN), M42 (GN), NGC1973 (GN), NGC1975 (GN), NGC1977 (GN), NGC1980 (GN), NGC1981 (OC), M43 (GN), NGC2129 (OC), NGC2158 (OC)
Trotz der eisigen Temperaturen konnte ich die bevorstehenden klaren Nächte nicht einfach so vorbeiziehen lassen. Kurzentschlossen und noch bei Dämmerung den smart vollgepackt und zu meinem „Schnellspechtelplatz“ bei Hundham in Oberbayern (ca. 800 Höhenmeter) gefahren. Als allererstes wurde am Beobachtungsplatz die ca. 15 cm hohe Schneedecke zur Seite geschippt und den Rest festgetreten damit der 12“ Reisedobson von Hofheim Instruments einen stabilen Platz findet. Der mitgebrachte Bügelstuhl entpuppt sich dabei als gute Schneeschaufel. Nach kurzen Aufbau habe ich mich gleich mit schwacher Vergrößerung auf die Suche Herschel400-Objekte gemacht.

NGC 1647, OC im TAU, Größe 40.00 × 40.00’, Helligkeit: 6.4 / 14.2
Im 20 mm Okular (V=75, AP 4,0 mm) ist ein schwacher Haufen zu erkennen.
Der Haufencharakter ist eindeutig zu erkennen und hebt sich gut vom Sternhintergrund ab. Bei etwa 50 habe ich aufgehört die Sterne zu zählen. Der Sternhaufen ist eher locker und gut auflösbar. Einige Sterne im Haufen waren eindeutig als Doppelsterne zu erkennen.

NGC1664, OC AUR, Größe 18.00’ × 18.00’, Helligkeit: 7.6/ 13.6
Im 32 mm Okular (V=47, AP 6,4) eindeutig zu sehen und wirkt sehr klein. Sehr schwacher Haufen, lässt sich vom Sternhintergrund nicht einfach hervorheben. Der Haufen wird durch einen hellen Stern im Süden flankiert. Eine Sternekette streckt sich vom Haufen zu diesem Stern. Im 20mm (V=75, AP=4,0 mm, wGF ca. 1°) wird der Sternhaufen etwas deutlicher, füllt aber immerhin nur ca. 1/6 des Gesichtsfeldes. Im 20mm Okular erinnert der Sternhaufen ein wenig an das Sternbild „Hercules“, weil sich aus dem leicht eckigen Haufen ein paar Sternketten wie arme austrecken. Im Haufen selbst habe ich etwa 30 hellere Sterne gezählt, könnten aber auch deutlich mehr sein. Dies ist eher eine etwas konservative Schätzung.

NGC1817, OC im Tau, Größe 20.00’ × 20.00’, Helligkeit: 7.7/13.9
Im 20 mm Okular (V=47, AP 6,4, wGF ca. 1°) füllt beinahe das halbe Gesichtsfeld zusammen mit dem wesentlich kleineren und sternärmeren OC NGC 1807. NGC1817 ist der östlichere Sternhaufen, deutlich kompakter und Sternreicher als sein Nachbar. Im Haufen fallen einige helle Sterne auf, im Hintergrund tummeln sich eine Vielzahl von kleinere Sterne welche zu Beginn nicht auflösbar sind, aber bei längeren und genaueren betrachten lösen sich in zahlreiche Einzelsterne auf. Es sind vielleicht ca. 10 helle Sterne sichtbar, im Hintergrund sind es aber deutlich mehr, ich schätze um die hundert, wenn nicht mehr. Es lohnt auf jedenfall länger hinzuschauen. Der Nachbarhaufen 1807 ist im vgl. eher unspektakulär und besteht aus relativ wenigen hellen Sterne.

NGC2126, OC im Aur, Größe: 6.00’ × 6.00’, Helligkeit: 10,2/13,8
Dieser Sternhaufen befindet sich südlich an einem sehr hellen Stern. Sehr kleiner kompakter Haufen. Durch längeres beobachten kommen zahlreiche kleine Sterne zum Vorschein. Der Haufen wurde mit 20 mm Okular (V=47, AP 6,4, wGF ca. 1°) beobachtet.

NGC1857, OC im AUR, Größe 10.00’ × 10.00’, Helligkeit: 7/11,7
Im 20mm Okular nahe an einem hellen zu finden. Kompakter Haufen mit einigen wenigen hellen Mitglieder.

NGC1907, OC im Aur, Größe: 5.00’ × 5.00’, Helligkeit: 8,2/11,4
Dieser Sternhaufen befindet sich südlich von M38 und präsentiert sich als kleiner kompakter Sternhaufen, und ist im 12“ Zoll Teleskop nicht zu übersehen. Der Haufen hebt sich gut vom Hintergrund ab, ist leicht komprimiert und gut auflösbar. Wenn man schon bei M38 vorbei schaut, sollte man NGC1907 gleicht mit beobachten. Der Haufen wurde mit 20 mm Okular (V=47, AP 6,4, wGF ca. 1°) beobachtet.

NGC2169, OC im Ori, Größe: 6.00’ × 6.00’, Helligkeit: 5,9/9,5
Im 13mm Okular (V=115, AP 2,6 mm, wGF 0,71°) am besten zu beobachten. Dieser Sternhaufen ist besonders hell und sehr einfach zu finden. Er ist u.a. auch dafür bekannt einer umgedrehte „37“ verblüffend ähnlich zu sein. Im Sternhaufen ist auch die Silhouette eines „Einkaufswagen“ zu erkennen oder bei der „7“ sind z.B. die Plejaden wiederzuerkennen. Unverwechselbar ist aber die Zahl „37“ auf dem Kopf.
Für diese Nacht ist NGC2169 eindeutig mein Favorit.

Die offenen Sternhaufen NGC2194 und 2186 im ORI wurden zwar laut meinen Aufzeichnungen beobachtet, ich kann aber die dazugehörigen Aufzeichnungen leider nicht finden, dadurch bleibt eine Beschreibung aus.

Abschließend wurde noch kurz vor Mondaufgang einige helle Messierobjekte beobachtet wie der Orionnebel oder die offenen Sternhaufen im Auriga (M36, 37 und 38) oder in den Zwillingen (M35).



In der zweiten Nacht erfolgte die nahezu identische Prozedur der vorangegangen Nacht. Der Himmel war in dieser Nacht ein wenig „dunkler“ und die Temperaturen ein wenig kälter. Um 20 Uhr zeige das Thermometer vom Auto und SQM-L bereits -12°.

Wagemutig peilte ich mein Teleskop auf NGC246, ein PN im Sternbild Cetus. Leider wurde ich nicht fündig, obwohl von der Größe und der Helligkeit, dieses Objekt hätte keine Probleme verursachen müssen. Trotz 30 minütiger suche wurde ich nicht fündig.

Ich vergnügte mich dann ein wenig bei M77, eine helle Galaxie im Cetus. Die Galaxie zeigt sich“ face-on“. Es ist ein heller Kern zu sehen, leicht elongiert, Ansätze von Spiralarmen sind mit Hilfe des indirekten Sehens zu erkennen.

Als erstes Objekt der Herschel400-Objekte kam dann auch NGC 2022 dran.

NGC2022, PN im ORI, Größe: 0.65’ × 0.65’, Helligkeit: 11.6/10.4
Nicht sofort gefunden, eher schwierig, aber einmal gefunden gibt sich der PN im 13er Okular (V=115, AP 2,6 mm, wGF 0,71) unmissverständlich als Scheibe zu erkennen. Der PN lies sich Problemlos mit 3,5 mm beobachten (V=441, AP 0,7 mm, wGF 0,19°). Das Objekt hat eine hohe Flächenhelligkeit und ist farblos. Details ließen sich auch bei hoher Vergrößerung nicht erkennen. Das Objekt ist nicht ganz rund und innen dunkler als außen. Der Außenbereich wirkte leicht „gefranzt“, kann aber auch am schlechten Seeing gelegen haben. Ein Zentralstern war definitiv nicht zu erkennen.

Schwert des Orion
Als nächstes habe ich mir das Schwert des Orions vorgenommen. Ich wollte mal gerne alle NGC Objekte im Gebiet beobachten bzw. mal mit Namen versehen haben. Ich beginne nördlich (im Okular also unten) mit OC NGC 1981. Einige helle Sterne ergeben diesen Okularfüllenden relativ lockeren Sternhaufen. Danach ging es ein wenig weiter zu den beiden Sternen, welche im einen zarten Gasnebel umhüllt sind (NGC 1975 und 1973). Von dort zeigt sich auch schon NGC 1977, eine heller Gasnebel mit mehreren sehr hellen Sterne. Ein wenig südlicher geht es dann weiter mit M43, auch ein heller Stern umgeben in einen Nebel, der Übergang zum Orionnebel und dem Trapez ist dann fließend. Am Orionnebel vorbei geht es dann weiter zu NGC 1980, ein Gasnebel dicht an einem hellen Stern (iota orionis, mag 2,8).

Als nächstes versuchte ich an zwei weiteren Gasnebel, NGC 1788 und NGC 2024, beide im Sternbild Orion und beide nicht gesehen. NGC 2024 hatte ich bereits im September unter besseren Bedingungen beobachten können. IC 2118 (Witch Head Nebula) ging heute auch nicht, bzw. ich konnte gerade noch ein zartes Hauch von nichts sehen…

NGC 2158, OC im Gem, Größe: 5.00’ × 5.00’, Helligkeit: 8.6/11.8
Als finale kamen noch zwei OC im GEM, NGC 2158 mit seinen Prominenten Nachbar M35.
NGC 2158 läßt sich bei V=115 als schwacher und kleiner Nebelfleck eindeutig erkennen. Sieht man etwas genauer hin, lassen sich einzelne Sterne auflösen. NGC 2158 hebt sich gut vom Hintergrund ab, ist ziemlich komprimiert, und ist bei V=115 nur teilweise auflösbar, der Nebelcharakter überwiegt. Hohe Vergrößerungen habe ich nicht mehr versucht, da mittlerweile die Okulare so kalt waren, dass diese in der Hand schmerzvoll brannten.

NGC2129, OC im GEM, Größe: 6.00’ × 6.00’, Helligkeit: 6.7/10.3
Ein wenig östlich von 2158 (also rechts im Okular) befindet sich NGC 2129. Ein kleiner Sternhaufen und ist etwas lockerer als NGC 2158. NGC 2129 hebt sich gut vom Hintergrund ab, relativ locker, auflösbar und zwei helle Sterne (Feldsterne?) stellen sich auffällig im Vordergrund.

Mit Mondaufgang packe ich das mittlerweile vereiste Teleskop wieder ein. Vorausblickend hatte ich die Windschutzscheibe des Autos mit einer Decke abgedeckt, dadurch entfiel das Eiskratzen. Nach ca. 2 Stunden beobachten spüre ich die kälte an meinen Füßen, ich fühle sie einfach nicht mehr. Beim losfahren, zeigt das Thermometer -18… unvorstellbar, ich müsste schon tiefgefroren sein. Auch wenn es sicherlich keine -18° waren, es war dennoch richtig kalt!

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