Bericht vom 21.07.2009

Dienstag 21.07.2009

Datum: Dienstag, 21. Juli
Ort: Hundham, Oberbayern (ca. 800 Höhenmeter)
Zeit: 23:30 Uhr bis ca. 2:00 Uhr
Gerät: 12 Zoll Reisedobson von HI (300/1500)
Okulare: 32, 20, 13 und 5 mm, 2“ OIII-Filterl
Grenzgröße: ca. > 6,0 mag, um 24:00 Uhr  SQM-L ca. 21,1 mag/sas ,
Besonderheiten: bis ca. 23:00 bewölkt und vereinzelt Regentropfen

Objekte: Komet Christensen, Cirrusnebel, Nordamerikanebel, Adlernebel, Schwanennebel, Trifidnebel, Lagunennebel, M15, NGC7006, NGC 6934
Um ca. 21:45 Uhr hatte ich das Haus verlassen um mich auf dem Weg zum spechteln zu machen. In Hundham angekommen, musste ich feststellen, dass der Himmel dort flächenmäßig dicht bewölkt war. Zuvor hatte ich mich daheim über www.sat24.com vergewissert, dass nicht größere Wolkenpakte unterwegs waren. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Ich verharrte bis 23:00 Uhr am Platz ohne aufzubauen und schaute mir die Wolkenentwicklung an. Lokale Landwirte sorgten dabei für Abwechslung, um 22 Uhr wurden noch Kühe zusammengetrieben und Heu eingefahren, hmmm, kein gutes Omen. Um kurz vor 23 Uhr lockerte der Himmel endlich auf, ich baute das Teleskop auf, und um 23:30 war der Sternhimmel klar. Schwein gehabt!

Der 12er Spiegel war zwar noch nicht richtig ausgekühlt, aber ich legte gleich los im Sternbild Schwan mit dem Komet C/2006 W3 (Christensen).

Komet C/2006 W3 (Christensen):
Mittlerweile ein alter Bekannter und ohne Karte zu finden. Erst im 20mm Okular, später auch im 5 mm ins Visier genommen. Der Himmel war Spitze, seeing eher schwach und dieses mal war die ovale Form des Kometen deutlich zu sehen. Zu sehen ist ein auffällig heller Kern, drumherum ein heller Nebel, der zum Rande hin schwächer wird.  Wie ich finde ein ziemlich helles Objekt und mittlerweile begleitet er mich in den letzten Tagen bei jeder Beobachtungsnacht. Schön das es dich gibt.

Cirrus Nebel:
Unweit vom Kometen ist der Cirrus Nebel (NGC6960 und NGC 6992/5). Im 20 mm Okular mit OIII-Filter deutlich und knackscharf zu sehen. Eine echte Pracht und richtig grandios wurde er im 32mm Okular. Wow, ein richtig heller Nebel, viele Details sind zu erkennen und das Objekt scheint regelrecht im Raum zu schweben. NGC6960 empfand ich dieses mal als besonders sehenswert. Das letzte Mal war ich eher von der Knochenhand (NGC6992/5) begeistert. Dieses mal waren bei NGC6940 viele Strukturen zu erkennen und das Objekt erstreckte sich weit in den Raum hinein. Mein neuer OIII-Filter (Fa. Baader) verrichtet hier richtig gute Dienste und ein OIII-Filter ist bei diesem Objekt sowieso Pflicht. Ohne OIII-Filter erscheint das Objekt eher blass, strukturlos und versinkt regelrecht im Sternenmeer. „Pickerings Triangular Wisp“ war übrigens sehr schön zu sehen und schon gar nicht zu übersehen. Das hat mich besonders erfreut.

Scheint also eine gute Beobachtungsnacht zu sein trotz mäßigen seeing und SQM-L Werte von 21,1 mag/sas. Der relativ schwache Wert resultiert m.E. durch die Milchstrasse, denn diese leuchtet im Zenit regelrecht wie ein Leuchtturm. Messe ich Richtung UMa liegen die Werte schon bei 21,3 mag/sas.

NGC7000 (Nordamerikanebel):
Hier war ich erst mal sprachlos. Zum ersten mal mit meinem 12er, mit 32mm Okular und  OIII-Filter, den enormen Nebel hoch und runter gefahren. Den „kleinen Orion“ gesehen und wahrscheinlich auch unvermittelt in den Pelikannebel (IC5067) reingefahren. Dieser Nebel (NGC7000) ist einfach riesig und ich konnte mich einfach nicht satt sehen. Hier habe ich bestimmt eine halbe Stunde oder gar mehr verbracht.

M16 (Adlernebel), M17 Schwanennebel/Omeganebel):
Danach ging es weiter im Sternbild Adler und Schütze um weitere galaktische Nebel zu beobachten. Eine Sternkarte ist fast nicht notwendig, da beide Objekte nur mit den Augen bereits als Nebelfleck sichtbar sind. Beide Objekte mit einem 20mm Okular und OIII-Filter beobachtet. Beide auffällig groß, hell und kontrastreich. Der Schwanennebel beindruckt am meisten.

M20 (Trifidnebel):
Etwas kleiner als die vorherigen Nebel, die Dreiteilung ist eindeutig Sichtbar, ich meine sogar mehrere Teilungen gesehen zu haben. Im 13mm Okular macht sich der Nebel auch recht gut und wird im GF noch nicht beschnitten.

M8 (Lagunennebel)
Im Sternbild Schützen noch M8 beobachtet. Genau wie die vorherigen Nebel auffällig groß, hell und kontrastreich. Ein richtiges Prachtstück!
In der Umgebung der eben genannten Nebel noch ein paar offenen Sternhaufen beobachtet und danach ging es weiter zu ein paar Kugelsternhaufen.

Kugelsternhaufen M15:
Beim Anblick dieses Paradeobjekt des nördlichen Sternhimmels musste ich schmunzeln. Die Nacht davor hatte ist aus dem heimischen Garten (Grenzgröße ca. 5m) mit einem 8 Zoll Dobson eine Skizze von M15 erstellt, deshalb war mir das Objekt sehr gut im Gedächtnis. In Erinnerung hatte ich zwar einen auffällig hellen KS, einige Sterne ließen sich schwach auflösen, aber jetzt sehe ich ein sehr heller, sternenreicher und auflösbaren Kugelsternhaufen. Und groß ist er geworden. Die Dunkelheit macht es!

KS NGC 7006 und NGC 6934 im DEL
Beide Kugelsternhaufen leicht zu finden und eindeutig zu sehen. Beide sehr klein, NGC7006 ist nicht auflösbar und NGC6934 ist schwer auflösbar. Das besondere an NGC7006 ist seine Entfernung von 150-180.000 Lichtjahren. Außergewöhnlich weit für einen Kugelsternhaufen.

Zum Abschluss kamen noch altbekannte ins Visier wie M31, zusammen mit M110 und M31. M33 (Triangulum Galaxie) ist zwar zu sehen, aber die Zeit dafür ist noch nicht reif, M33 ersäuft regelrecht im lichtverschmutzten Horizont genauso wie Galaxie NGC 891.

Mit diesen kleinen Abstecher in den Herbsthimmel beende ich kurz vor zwei Uhr meine gelungene Beobachtungsnacht. Diese Nacht wird mir als die Nacht der galaktischen Nebel noch lange in Erinnerung bleiben. Es hat richtig Spaß gemacht und frage mich jetzt schon, ob so eine Nacht noch übertroffen werden kann…. Bestimmt!

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