Bericht vom 31.05.2009

Sonntag 31.05.2009

Beobachtungsort: Sudelfeld bei Bayrischzell, Oberbayern
Zeitraum: 0:30 bis ca. 3:30 Uhr
Monduntergang ca. 1:40 Uhr
Bedingungen: klares Wetter, transparenter Himmel, relativ gutes seeing, Temp. +6 ° Cels.
SQM-L Werte:
0:30 20,5 mag/sas,
1:00 20,7 mag/sas,
1:20 20,9 mag/sas, 
1:35 21,1 mag/sas
1:50 21,3 mag/sas
Teleskop: 12er Reisedobson von HI.
Okulare:  Nagler 20 (V=70), 13 (V=113) und 5 mm (V=300)
Filter: UHC
Sternenkarte: Deep-Sky Reiseatlas, 2. Auflage

Objekte: M56, M27, M71, M92, NGC6210, NGC7027, NGC6940, Cirrusnebel, NGC6960, M8, NGC6751, M20, M110, M31, M32, Jupiter
Das  Abwarten:

Da die letzte Mondphase nicht sehr ergiebig war, gerade mal drei Beobachtungnächste trotz Hochdruckwetterlage, konnte ich es mir nicht nehmen nochmal aufs Feld zu fahren. Die Wetterbedingungen am Abend waren noch gut, es bestand aber ein Restrisiko, das in der zweiten Nachthälfte der Himmel  wolkenverhangen sein könnte. Laut sat24.com schaufelt ein Tiefdruckgebiet im östlichen Mitteleuropa ordentlich Wolken nach Südostbayern rein, könnte folglich knapp werden. Gegen 21 Uhr sind am Abendhimmel im Osten auch flächengroße Zirren sichtbar. Die Zirren lösen sich aber im Zenit  immer wieder auf, dennoch alles eingepackt und losgefahren, no risk no fun.

Um ca. 23:45 steht der Reisedobson in den Bergen fertig aufgebaut. Die Zirren aus Nordosten drücken schön mächtig rein, aber in Höhe des Sternbild CAS (Himmels-W) lösen sich diese immer wieder auf, stattdessen  im Südosten, Süden bis rüber nach Westen alles wolkenfrei.

 Das Milchstraßenband ist schon deutlich wahrnehmbar, obwohl der Mond im Westen noch ordentlich strahlt und überhaupt sind m.E. überdurchschnittlich viele Sterne am Himmel erkennbar. In Sternbild Lyra kann ich anhand einer Grenzgrößenkarte problemlos ein Stern mit mag 5,2 erkennen.

Schade, dass ich keine Kamera dabei hatte, sonst hätte ich die Zeit nutzen können, um ein paar stimmungsvolle Bilder zu knipsen. Die Zeit bis Monduntergang nutze ich noch, um mich im Sommerhimmel zurecht zu finden. Und präge mir leuchtschwache Sternbilder ein.  Ab und an steuere ich hellere Messier-Obkjete an, wie die PN M57 und M27. Im UHC –Filter wird der Kontrast beider Objekte nochmal deutlich gesteigert, aber es sind keine zusätzliche Details zu erkennen. Kugelsternhaufen M13 im HER sieht im 13er Nagler noch ziemlich schlaff aus. Abwarten…

Die Objekte:

Kurz vor 1 Uhr scheint jemand plötzlich das Licht zu dimmen.  Hinter meinem Rücken ist der Mond hinter einigen Fichten untergetaucht. Der Mond hängt schon ziemlich tief, es wird Zeit richtig loszulegen.

Ich beginne bei PN M27 und drücke hier alles Okulare bis 5 mm rein mit und ohne UHC-Filter.  Bei 5 mm ist m.E. der helle Stern im Zentrum zu erkennen, es sind sogar mehrere Sterne zu erkennen, nur sind diese m.E.  vorgelagert, d.h. ich weiss nicht, ob diese zum PN gehören oder eher nur Vordergrundsterne sind.  Der zentrale Stern erhebt sich m.E. ggü. den anderen an seiner Helligkeit und weiniger  an seiner Größe, dieser ist nämlich winzig klein. Der Nebel drumherum ist schon imposant, hier kann man stundenlang verharren und neue Details erkennen. Soviel Zeit habe ich leider nicht.

Es geht weiter zu verschiedenen KS wie M56, M71 und M92, wobei diese hier nach zunehmender Größe geordnet sind. Alle drei bieten einen schönen Anblick, wobei M92 schon wg. der höheren Größe im 5mm Nagler beinahe okularfüllend ist.

Danach wieder ein kurzer schwenk zu M13,ahhh, jetzt wesentlich brillanter und aufgelöster als noch vor ca. 1 Stunde. Die Galaxie NGC6207 nahe M13 ist auch schön zu sehen.

Der Mond ist mittlerweile komplett verschwunden.  Zu einer Supernacht wird es wohl nicht mehr, der Himmel verharrt laut SQM-L bei 21,3 mag/sas.

Galaxien lasse ich diese Nacht mal komplett aus und Seyferts-Sextet vertage ich auf ein andermal. Als nächstes kommt der PN 6210 im HER. Sehr helles Objekt, bereits im 13er Okular leicht zu finden. Schöner Anblick mit einer  sehr hohen Flächenhelligkeit. Der PN strahlt förmlich. Ich hätte jetzt gerne eine noch höhere Vergrößerung, als 5 mm bieten können. Ob ich hier den zentralen Stern erkennen konnte? Ich weiß es leider nicht mehr. Habe es vergessen aufzuschreiben, aber ich glaube schon. Zu dumm dass ich direkt danach PN NGC7027 im Schwan (CYG) angesteuert habe. Dieser PN fiel mir auch wg. seiner hohen Flächenhelligkeit auf, so dass ich jetzt aus der Erinnerung heraus nicht mehr sicher zuordnen kann, was ich wo gesehen habe.

Danach ging es weiter zum OC NGC6940 im CYG. Sehr schöner, großer, auffälliger und sternenreicher Sternenhaufen. Ganz anders als die bekannten OCs im Fuhrmann oder Zwilling. Die Sterne lassen sich alle wunderbar auflösen. Im 13er Okular bereits ein zu kleines Gesichtsfeld.

Nicht allzu weit befindet sich der Cirrus-Nebel bzw. die Überreste einer Supernova die vor ca. 18.000 Jahre stattfand. Leicht zu finden, bereits ohne Filter auffällig. Der Cirrus-Nebel teilt sich in einen westlichen Teil, bekannt als NGC6960 und einen östlichen Teil, bekannt als NGC6992/5. NGC6992/5 ist m.E. der schönere Teil. Im 13er Okular und mit UHC-Filter (OIII habe ich leider nicht) lassen sich deutlich die filigranen Strukturen in der „Knochenhand“ erkennen. Im 20er Okular verliert der Nebel m.E. etwas an seiner Faszination. Den Cirrus-Nebel hatte ich bereits im Mai durch einem 16 Zoll Teleskop eines Mitbeobachter ausgiebig betrachtet. Im 12er ist der Anblick nicht minder spektakulär.

Mittlerweile ist es schon kurz vor drei. Ich nehme mir zur Abwechslung ein paar Doppelsterne (DS) vor wie Alpha HER, Epsilon Bootis, Epsilon Lyrae und zuletzt den DS Albireo im Schwan. Alle vier aufgelöst und alle vier eine Augenweide.

Im Osten sieht man schon die Andromeda Galaxie (M31, M32 M110)  aufblitzen. Mit dem 20er Okular mal kurz reingeschaut. Alle drei Galaxien sehr hell und deutlich zu sehen. Das große Staubband im äußeren Bereich um M31 herum, ist nicht wahrnehmbar. Schade, das macht M31 eigentlich so richtig spannend.  Aber wie immer ein riesiges Objekt und passt wie immer nicht vollständig ins Gesichtsfeld.

OC „H und Chi“ bereits mit bloßen Auge sehr einfach zu erkennen und feiert premiere im neuen 12er. Ein gigantischer Anblick. Mir fallen zum ersten mal  die rote Sterne im Haufen auf, und überhaupt ist der Haufen ziemlich bunt. Im Dez. bis Feb. konnte ich dies im 8er noch nicht so wahrnehmen.

Als nächster Station bietet sich PN NGC6751 im Adler. Dieser PN ist auch relativ einfach zu finden, jedoch im vgl. zu den anderen betrachteten PN ziemlich klein und schwach leuchtend, leicht zu übersehen beim Suchen.

Danach verweile ich noch im Lagunennebel und im Trifidnebel. Beide ein Augenschmaus mit und ohne UHC-Filter. Am liebsten hätte ich den Trifidnebel noch gezeichnet, jedoch kündigt sich schon die Morgendämmerung an. Es ist kurz vor 3:30 und SQM-L misst schon weniger als 21 mag/sas.

Der Abflug:

Noch ein Blick auf Jupiter und es wird eingepackt, dieses mal ist alles in 15 min. im Auto verstaut.
Noch ein letzter Blick zum Himmel….Glück gehabt! Es zieht eine geschlossene Wolkendecke aus Osten rein. Kaum im Auto drin ist der Himmel nahezu dicht. Das wars dann bis zur nächsten Neumondphase im Juni.

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