Bericht vom 24.05.2009

Sonntag 24.05.2009

Beobachtungsort: bay. Voralpen bei Bayrischzell, Oberbayern
Zeitraum: 23 bis ca. 1 Uhr
Bedingungen: klares Wetter, transparenter Himmel, relativ gutes seeing
fst: >6  (vermute 6,3 bis 6,5, jedoch nicht gemessen)
Teleskop: 12er Reisedobson von HI.
Okulare:  Nagler 20 (V=70), 13 (V=113) und 5 mm (V=300)  und Planetary HR 9 mm (V=166)
Sternenkarte: Deep-Sky Reiseatlas, 2. Auflage

Objekte: M13 und NGC6207, NGC4565, Sombrerogalaxie (M104), NGC4967, M61, M49, NGC 4526, 5746
Als erste Station war M13 dran. Der Kugelsternhaufen im HER habe ich in dieser Nacht mit allen Brennweiten durchgemustert. Immer wieder sehr beindruckend. Im 5 mm Nagler waren die Sterneketten, welche sich nach außen winden, sehr beindruckend zu sehen. Je länger man das Objekt betrachtet, umso mehr löste sich das inneren des nebligen Sternhaufens in Sternenketten auf. Manchmal hatte ich das Gefühl in den Haufen regelrecht einzutauchen. Zeitweise hatte ich das Gefühl alles dreht sich…so fühlt sich wohl ein halluzinogener Trip an. Nicht weit von M13 war die nur wenige Bogenminuten große Galaxie NGC 6207 nicht zu übersehen.

Nächstes Objekt war die Galaxie NGC 4565 im Sternbild COM. NGC4565 habe ich auch mit allen Brennweiten durchgemustert. Die meisten Details konnte ich  im 13er Nagler und HR 9 mm erkennen.  Die Galaxie kam mir ziemlich hell vor, der helle Kern war durch ein zartes kaum wahrnehmbares  Staubband in zwei  Teile getrennt. Ausgehend vom zentralen Kern der Galaxie hatte ich das Gefühl dem Staubband weiter folgen zu können.

Mittlerweile habe ich eine Faible für Galaxien in Kantenlage entwickelt, deshalb ist die nächste Station M104, die Sombrerogalaxie. M104 befindet sich zur Zeit meiner Beobachtung vielleicht etwas mehr als 20grad über dem Horizont, m.E. keine optimale Sichtbedingungen, dennoch hebt sich die Galaxie gerade noch über die schwache Dunst- und Lichtglocke ab. Der Anblick ist ein Spektakel. Auch hier alle Okulare reingedrückt. Das Staubband ist leider für mich nicht direkt und gut erkennbar. Ich muss  da schon ein wenig um die Ecke gucken. Hier werde ich auf jedenfall nächstes Frühjahr nochmal ganz genau und hoffentlich mit einem bis dahin wesentlich geübteres Augen drauf schauen.

Von der Sombrerogalaxie  ging es dann eine handvoll Grad nördlich weiter zu  NGC4697. Leider habe ich diese nicht mehr so gut in Erinnerung, sodass eine Beschreibung entfällt. Wahrscheinlich von mir als helle, elliptische oder runde und strukturlose Galaxie wahrgenommen. Wohl nichts weltbewegendes, da ich diese nicht mehr so richtig  in Erinnerung habe.

Die Nacht ist nun schon ziemlich fortgeschritten und so nehme ich mir nicht mehr so richtig viel Zeit für die folgenden Objekte. Der Beobachtungspfad ging dann weiter zu M61, M49, NGC4526 und NGC4535, alles Galaxien im VIR. Okularmäßig  bleibe ich beim 20mm Nagler. Interessant waren die zahlreichen, vielleicht nur wenige Bogenminuten kleinen schwachen Galaxien die einem immer wieder beim „rumrühren“ im Gesichtsfeld auffallen. Man spürt förmlich, das der eigentliche Virgohaufen nicht mehr weit entfernt sein kann.

Über Vindemiatrix (epsilon VIR) ging es dann kurz in den Virgohaufen. Ein paar mal hin und her gesurft, aber auch dieses mal drücke ich mich vor der Identifizierung der zahlreichen Objekte. Bis zur Markarians Galaxienkette reicht es aber heute zeitlich nicht mehr aus, denn es gibt noch eine Galaxie im Sternbild VIR, die ich unbedingt noch  sehen möchte: NGC5746.

NGC5746 ist eine Galaxie in Kantenlage. Sehr einfach zu finden, rechts vom Stern 109 VIR. Der Stern stört ein wenig beim beobachten durch das Okular. Aber bereits mit dem 13er Nagler lässt sich der helle Sterne aus dem Gesichtsfeld entfernen. Mit dem 5 mm Nagler (V=300) verblasst die Galaxie schon deutlich. Laut DSRA ist diese Galaxie ca. 90 mio. LJ entfernt, also deutlich weiter weg als die typischen Galaxien, welche im DSRA oder Karkoschka beschrieben sind. Zum Vergleich: die Andromedagalaxie ist mit  nur 2,5 mio. LJ mal gerade um die Ecke.

Als nächstes wollte ich Seyferts-Sextet im Sternbild Schlange probieren, aber es wurde trotz 30 minütige Suche weder ein triplet noch ein ein duett, sondern ein rein gar nichts. Als Aufsuchkarte hatte ich mir verschiedene Karten aus dem Internet gedruckt. Ich hoffte mit den Karten und ein wenig  „rumrühr“ Technik irgendwann mal draufzustossen, leider falsch Gedacht. Ein Bild aus dem Digitized Sky Survey half auch nicht wirklich. Vielleicht beim nächsten mal…

Mittlerweile ist es schon nach 1 Uhr morgens und der Montag ist  bekanntlich kein Feiertag…

Noch ein kurzer Schwenk zum Ringnebel und es wird eingepackt. Alles im allen wieder eine schöne Beobachtungnacht. Mit dem „Neuen“ ist es mittlerweile die vierte Beobachtungsnacht.

Durch den neuen Reisedobson und den wesentlich größeren Spiegel hat sich  meine gegenwärtige Beobachtungspraxis gegenüber meine bisherige mit dem 8er, deutlich geändert. Ich nehme mir deutlich mehr Zeit für die Objekte. Im 8er hatte ich noch ca. 10 Objekte pro Stunde, fast ein Marathon, mittlerweile sind es gerade mal 10 Objekte in einer ganzen Nacht.

Ein paar kurze Worte zum Reisedobson:

Ich würde heute, nach vier Beobachtungen auf freiem Feld,  das Teleskop wieder kaufen. Ein letztes Wort: nach meiner zweiten Beobachtungsnacht ohne Stuhl mit dem Reisedobson landete ich am nächsten Tag beim Orthopäden. Ein handelsüblicher verstellbarer Bügelstuhl (bis 80 cm)  leistet hier ungemein gute Dienste.

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