Bericht vom 24.04.2009

Freitag 24.04.2009

Beobachtungsort: Winterparkplatz Sudelfeld bei Bayrischzell, Oberbayern, 1000m
Zeitraum: 22:45 bis ca. 2 Uhr
Bedingungen: klares Wetter, transparenter Himmel, miserables Seeing
SQM-L Werte: 21,5 (22:45), 21,6 (0:40)
Teleskop: 12er Reisedobson von HI.
Okulare:  20 mm Nagler und 13 mm Nagler, kleinere Brennweiten waren nicht sinnvoll, da das Seeing miserabel war.

Objekte:  Leo-Triplett, NGC 3628, 4038/4039, 3344, 4088, 4220, 4021, 4449, 4085, M109, M106, M13, M44, M107, M80, Saturn
Anbei mein erster Beobachtungsbericht mit den neuen 12er aus  Hofheim. Nach langen hin und her habe ich mich vor einigen Wochen dazu entschlossen, dieses Prachtstück eines Teleskops zu bestellen. Am 22.04. wurde das Teleskop  geliefert und am Freitag 24.04. konnte ich damit das erste First Light erleben.
Um ca. 22 Uhr am Parkplatz angekommen habe ich mit dem Aufbau begonnen. Die Stangen waren schon vormontiert und nach ca. 30 min. war das Gerät aufgebaut, justiert und betriebsbereit. Der Aufbau kann auch in ca. 15 min. erledigt werden, aber der Spiegel kühlt deswegen nicht schneller aus.  Alles in allem ist der Aufbau eine leichte Angelegenheit, solange man konzentriert arbeitet, die Reihenfolge des Aufbaus einhaltet und auf die losen Schrauben achtet…
Um ca. 22:45 ging es  dann gleich los mit dem Leo-Triplett M66, M65 und NGC 3628. Alle drei mit dem Leuchtpunktsucher (LPS) und dem 20mm Nagler sehr leicht zu finden. Alle drei Objekte im Okular bei direktem Beobachten gut zu sehen. Bei M66 und M 65 sind sogar leichte Strukturen bei den Spiralarmen zu erkennen. Etwas was ich im 8er noch nie hatte. Wow!
NGC3628 ist auch eindeutig erkennbar, jetzt ist sogar die Kantenlage zu erahnen.  Strukturen lassen sich in NGC3628 für mich nicht erkennen, aber endlich ist diese Galaxie eine helle Erscheinung im Okular. Das Triplett ist für mich visuell endlich eindeutig gut zu beobachten. NGC 3628 ist nicht mehr ein dunkelgrauer Fleck im Okular.
12 Zoll Spiegel sind schon geil!
Danach ging es weiter im Sternbild Rabe mit NGC4038/4039, auch bekannt als die Antennen-Galaxie. Ich hatte diese bereits am Montag mit dem 8er beobachtet und beide sind relativ einfach zu finden. Auf dem Weg dorthin war ich etwas überrascht weitere Galaxie im näheren Umfeld zu sehen. Diese waren mir im 8er gar nicht aufgefallen! Es waren hier wahrscheinlich die Galaxien NGC4027, 4024 und 4033. Diese sind im DeepSky Reiseatlas (DSRA) nicht eingezeichnet. Erst zu Hause konnte ich diese als solche zu 99%  identifizieren aber nicht mehr verifizieren, da nun daheim. Die Antennen bei NGC4038/4039 sind leider auch im 12er für mich nicht beobachtbar. Schade!
Als nächstes ging es zu NGC3344 weiter. Im Okular ist ein heller Nebel mit drei Sterne zu erkennen. Eine Spirale und/oder Strukturen sind leider für mich  im 12er noch nicht zu erkennen.
M109 ist sehr hell, aber keine Strukturen zu erkennen.
Bei NGC4088 ist die Kantenlage zu erahnen. Strukturen bleiben aus, die Glx. erkenne ich  als dunkel grau, sehr hell, und lang. Auch bei NGC4088 bin ich wieder über die vielen kleinen schwachen Galaxien überrascht, welche sich unangekündigt im Okular tummeln.  Meisten sind diese wenige Bogenminuten lang, sehr schwach bzw. dunkelgrau aber eindeutig als Galaxien zu erkennen. Auch diese sind im DSRA nicht verzeichnet. Eine der unbekannten Galaxie  konnte ich zu 99% als NGC4085 identifizieren da auffällig nah an zwei helle Sterne. Ich hatte mir vor Ort ein Notiz mit Skizzen gemacht und diese dann zu Hause zu identifizieren.
Es ging dann weiter mit NGC4220, 40217, M106, NGC 4449 und NGC4490 samt 4085. Bei NGC 4490 sind auch wieder erste Strukturen zu erkennen. Es ging dann die ganze Nacht weiter mit einer Galaxie nach der anderen. Zur späten Stunden war ich dann noch in Kugelsternhaufen M13, M4, M107, M80 und M10. Alle mehr oder weniger spektakulär aber mangels große Vergrößerung bleibt der Knaller für eine spätere Beobachtungsnacht erhalten . Saturn war auch kein Spaß aufgrund des seeing.
Um ca. zwei Uhr entschloss ich mich die Beobachtung abzubrechen. Alles in allem wieder eine erfolgreiche Nacht. Der 12er wird mir noch lange Zeit ein treuer Gefährte bleiben! Der Reisedobson von HI ist nicht nur ein genial durchdachtes Gerät, es sieht zudem auch sehr  schön und elegant aus. Ein Gerät zum verlieben.
Beim einpacken vermisse ich aber die Vorzüge meines 8er. Einfach Tubus und Rockerbox ins Auto packen und fertig. Beim 12er von HI muss erst mal alles wieder auseinander genommen werden und in zwei eleganten Kisten verstaut werden. Es geht zwar relativ flott, könnte aber in Zukunft etwas nerven. Die Stangen bleiben bei mir montiert. Das spart eine Menge zeit. Letztendlich will man nach einer langen Beobachtungsnacht möglichst schnell nach Hause ins Bett.
Mittlerweile kommt das Sternbild Schwan samt Milchstraße schön raus. Ich freue mich schon auf die kommenden Monate!

Noch ein paar abschließende Worte/Bemerkungen zum Gerät:
Zugegeben war ich mit dem Versand eines solchen Gerätes etwas skeptisch. Die Verpackung war vorbildlich. Die beiden Kisten waren aufwendig und stoßsicher verpackt. Das Ganze in einem dichten Meer von Styropor-Chips eingebettet.
Das Gerät war im aufgebauten Zustand recht gut justiert. Der Fangspiegel benötigte keine weitere Justierung. Der Hauptspiegel lässt sich über zwei Rändelschrauben sehr einfach zentrieren. Der Fangspiegel verfügt über eine Mittelpunktmarkierung. Sowohl im Concenter-Okular von Spheretec als auch im Cheshire war alles schön zentrisch. Der Fangspiegel ist übrigens an drei Punkten geklebt. Das Gerät verfügt als separat erhältliches Zubehör u.a. über eine Irisblende.
Im aufgebauten Zustand lässt sich das Teleskop sehr einfach aus der Rockerbox nehmen.
Das Gerät macht einen soliden Eindruck, alle schrauben am OAZ, die Fangspiegelstreben und sogar die innenseite des Hutes sind geschwärzt. Im auf- und abgebauten Zustand bleiben keine Kleinteile und/oder Schrauben übrig.
Das Gerät ist mit Okulare vom Typ 1,25 Zoll Nagler (13 und 5 mm) sehr gut ausbalanciert. Der Fokus wird problemlos erreicht. Mit dem 20er Nagler (2 Zoll Steckgröße, Gewicht ca. 500gr) sind keine Gegengewichte notwendig. Lediglich bei horizontnahe Beobachtungen wie z.B. im Sternbild Skorpion ist ein Gegengewicht sinnvoll. Für mich haben sich ca. 300gr. Gegengewicht als sinnvoll erwiesen, dann brauche ich bei allen Okularen keine weiteren Eingriffe zu tätigen. Für weitere Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.

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